Valiant-Präsident macht Überzeit

Die Valiant-Bank vollzieht die Ablösung von Verwaltungsratspräsident Jürg Bucher (70) erst 2020, obwohl dies wegen der internen Alterslimite bereits jetzt fällig wäre. Sein Nachfolger soll Valiant-Chef Markus Gygax werden. Jürg Bucher erklärt, warum er zwei Jahre anhängt.

Jürg Bucher bleibt vorerst auf dem Posten des VR-Präsidenten sitzen, Bankchef Markus Gygax soll dann in zwei Jahren nachfolgen.

Jürg Bucher bleibt vorerst auf dem Posten des VR-Präsidenten sitzen, Bankchef Markus Gygax soll dann in zwei Jahren nachfolgen.

(Bild: Adrian Moser)

Herr Bucher, warum ist eine Ausnahmeregelung nötig, damit Sie jetzt noch zwei Jahre über die Alterslimite von 70 Jahren hinaus VR-Präsident der ­Valiant-Bank bleiben?
Jürg Bucher: Für den Verwaltungsrat ist es die bestmögliche Lösung für die Zukunft der Bank, wenn der jetzige Bankchef Markus Gygax das VR-Präsidium übernimmt. Er steht aber noch nicht zur Verfügung: erstens, weil wir uns mitten in der Umsetzung der Strategie 2020 befinden, welche Markus Gygax noch weiterführen soll. Und zweitens gehört zur guten Unternehmensführung eine Wartefrist für den operativen Chef für den Wechsel ins VR-Präsidium. Ich bleibe nicht meinetwegen zwei weitere Jahre, sondern im Interesse der Bank.

Sie wurden bereits im vergan­genen August 70 Jahre alt. ­Haben Sie keine Nachfolge­planung gemacht?
Bis vor einem Jahr haben wir über verschiedene Möglichkeiten nachgedacht. Es gab dann aber grössere Wechsel im Verwaltungsrat, und so haben wir die Situation neu beurteilt. In den Gesprächen hat sich Markus Gygax längerfristig zur Valiant bekannt. Er führt die Bank mit grossem Erfolg und ist bestens geeignet.

Wer soll Markus Gygax ablösen und neuer Chef werden?
Der Verwaltungsrat wird den neuen Bankchef im laufenden Jahr bestimmen. Wir werden ­intern und extern suchen. Wir schauen nicht nur auf die Kompetenzen, sondern darauf, dass die Kandidatinnen und Kandidaten zu unserer Kultur passen und mit Geschäftsleitung und Verwaltungsrat gut zusammenarbeiten können.

Sie sind im Jahr 2013 Verwaltungsratspräsident geworden, als die Valiant in einer Krise steckte. Was waren die wichtigsten Schritte auf dem Weg zurück zum Erfolg?
Die Valiant hat sich Schritt für Schritt Vertrauen zurückverdient. Wir haben alle Probleme angepackt, aufgeräumt und auch personell viel verändert. Zudem haben wir eine klare Strategie für eine erfolgreiche Retail- und KMU-Bank definiert. 2016 ergänzten wir die Strategie 2020 mit den Hauptpunkten Expansion in Richtung Genfersee und Bodensee, schweizweite Digitalisierung und Investitionen in die Weiterentwicklung der Kompetenzen unserer Mitarbeitenden.

Zur damaligen Strategie gehörte das Ziel, 2017 einen Gewinn von 150 Millionen Franken zu erzielen. Warum haben Sie das nicht geschafft?
Wir haben uns dieses Ziel im Jahr 2014 gesetzt. Wir konnten damals nicht wissen, dass die Zinsen derart in den Keller gehen werden und die Nationalbank gar Negativzinsen einführt. Diese Effekte haben uns bis zu 30 Millionen Franken an Gewinn gekostet. Zieht man dies von den angepeilten 150 Millionen Franken ab, haben wir letztes Jahr mit 119,2 Millionen Franken das Ziel praktisch erreicht.

Was haben Sie für Pläne für Ihre Zeit nach der Valiant?
Mit 70 Jahren habe ich ein Alter erreicht, bei dem man Aufgaben abgibt. Ich habe viele Interessen und Hobbys, für die ich gerne mehr Zeit einsetzen werde. Ein Mandat bei einer Bank werde ich sicher nicht mehr übernehmen.

Sie waren von 2009 bis 2012 Chef der Schweizerischen Post. Bereits damals soll es zu Bilanztricks bei Postauto gekommen sein. Sie haben davon nichts ­gemerkt?
Ich kann inhaltlich nicht Stellung nehmen, denn ich kenne den Bericht des Bundesamts für Verkehr nicht und bin nicht in die Untersuchung einbezogen worden.

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