ÖV: Welche Städte am günstigsten sind

Eine Studie hat den öffentlichen Nahverkehr in 130 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz untersucht. Zürich schneidet sehr gut ab – doch eine andere Schweizer Stadt wird geradezu verhöhnt.

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Die Recherchen für die Untersuchung durch ein zehnköpfiges Team waren aufwendig. ÖV-Unternehmen in 130 Städten in der Schweiz, Österreich und Deutschland wurden per E-Mail oder Telefon angefragt, um einen Datenteppich über drei Länder zu erhalten (siehe Infobox zur Methodik). Die Fragen: Wie teuer sind Standardeinzeltickets, Monats- und Wochenbilletts in unterschiedlichen Varianten? Und wie touristenfreundlich sind die Angebote – bei den Automaten, Fahrzeugdurchsagen und bei der Gestaltung der Webseiten?

Die Antworten zeigten grosse Unterschiede, doch bei den Preisen gehört Zürich, so viel ist sicher, zum Besten in den drei Ländern. Beim Standardeinzelbillett beispielsweise liegt Zürich zwar noch 12 Prozent über dem Durchschnitt, doch bei den Tagesbilletts gehört die Stadt mit minus 28 Prozent zu den günstigen Grossstädten, ebenso beim Monatsbillett mit 24 Prozent unter dem Durchschnitt.

Zürich beim ÖV besonders günstig

Fazit des Studienleiters Konstantin Korosides: Obwohl Zürich seit Jahren in Untersuchungen als sehr teure Stadt klassifiziert wird, schneidet sie beim ÖV «mit einer glatten Eins ab» – also ein «Sehr gut» nach dem deutschen Notensystem von Eins bis Sechs für «Ungenügend». Die verlangten Preise seien absolut sozialverträglich und günstig – und das Netz in der Stadt vorbildlich engmaschig. Dagegen erreicht Genf bei der Gesamtbewertung aller Preisvarianten eine Drei, während die Studie Lausanne und Bern mit einer Vier beurteilt.

In Österreich schneiden Linz und Graz als einzige Städte so gut wie Zürich ab, gefolgt von Wien. Am schlechtesten bewerten die Studienverfasser die Stadt Innsbruck mit einer Vier – freilich allemal besser als in Deutschland, wo rund 40 Prozent der Städte mit einer mässigen Vier oder schlechter bewertet wurden. Wobei zu beachten ist, dass dort weitaus mehr kleinere Städte in die Betrachtung einbezogen wurden.

Kriterien beim Service für die Touristen

Um zu beurteilen, ob und wie die Verantwortlichen der ÖV-Betriebe sich an den Bedürfnissen von Touristen orientieren, vergleicht die Studie die Mehrsprachigkeit – nicht nur bei den Billettautomaten, sondern auch bei den Durchsagen in Fahrzeugen. Basel und Bern verdienen sich in der ersten Kategorie ein «Sehr gut» – so wie beispielsweise auch die Touristenstadt Dresden –, während Genf deutlich schlechter abschneidet.

Auch die Webseiten der Anbieter werden bei der Sprachenvielfalt in die Bewertung einbezogen: «Unverzeihlich» finden es die Studienautoren, wenn die einzig angebotene Sprache Deutsch sei – und nennen als Beispiel in der Schweiz Bern. Basel sei in diesem Punkt dagegen vorbildlich, während sich Genf, das sich gerne als international darstellt, «provinziell lächerlich» gebe. Die einzige Sprache auf der Webseite sei Französisch, kritisieren die Verfasser und behaupten weiter, dass selbst die Polizei dort sich weigere, «auch nur ein Wort Deutsch oder Englisch zu sprechen». Das Fazit über den UNO-Sitz: provinzielle Engstirnigkeit, so kritisiert der Studienleiter boshaft, «vergleichbar ist das allenfalls noch mit den Taxifahrern in Kairo».

Ein Nord-Süd-Gefälle in Deutschland

In der Bewertung sämtlicher Kriterien von den Billettpreisen und Monatskarten bis zum Service für Touristen liegt Zürich auf der Landkarte der Schweiz am Ende deutlich vorne – mit einer Gesamtnote von 1,9. Dagegen verdienen sich die Zentren Genf und Lausanne mit 3,4 und 3,6 eher schwache Beurteilungen, zum Teil auch wegen hoher Preise für manche Tickets. Im Mittelfeld des internationalen Vergleichs ordnet die Studie Basel (2,6) und Bern (2,8) ein.

Für Deutschland orten die Autoren beim Angebot des öffentlichen Nahverkehr eine Richtung: Nach Süden hin steige die Qualität tendenziell an. Für die Schweiz lässt sich eine solche Aussage nicht treffen. Zwar scheint sich das Angebot nach Westen hin zu verschlechtern, doch auf der Landkarte dieser Untersuchung sind das Tessin und die Ostschweiz leider leere Flecken.

raa

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