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US-Pharmariese kommt doch nicht nach Bern

Die US-Pharmahandelskette Walgreens hält an ihrem Sitz in den USA fest. Die Pläne, die Firmenzentrale nach Bern zu verlegen, haben sich zerschlagen.

Nach der Übernahme von Boots wird Walgreens sich aus Bern zurückziehen. Dem Kanton entgehen Steuereinnahmen in einstelliger Millionenhöhe.
Nach der Übernahme von Boots wird Walgreens sich aus Bern zurückziehen. Dem Kanton entgehen Steuereinnahmen in einstelliger Millionenhöhe.
Keystone
Walgreens ist die grösste Apothekenkette in den USA.
Walgreens ist die grösste Apothekenkette in den USA.
zvg
Der Holdingsitz der Walgreens-Boots Alliance Development GmbH befindet sich im gleichen Gebäude, in dem auch der Pharmadienstleister Galenica untergebracht ist.
Der Holdingsitz der Walgreens-Boots Alliance Development GmbH befindet sich im gleichen Gebäude, in dem auch der Pharmadienstleister Galenica untergebracht ist.
Susanne Keller
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Es wäre eine der grössten Ansiedlungen in der Berner Wirtschaftsgeschichte geworden: Der Chef der US-Apothekenkette Walgreens dachte laut darüber nach, den Konzernsitz ins Ausland zu verlegen. Im Rennen war auch Bern. Doch gestern gab Walgreens bekannt, dass der Hauptsitz in den USA bleiben werde. Dessen Verlagerung nach ausserhalb der USA sei langfristig nicht im Interesse der Aktionäre.

Ein riesiger Deal

Hintergrund dieser Überlegungen ist die Übernahme des britischen Pharmahändlers Alliance Boots durch Walgreens. Der US-Konzern hatte vor zwei Jahren einen Anteil von 45 Prozent an Alliance Boots übernommen. Zudem bestand die Option, bis Ende 2015 die restlichen 55 Prozent zu übernehmen. Wie Walgreens gestern bekannt gab, will der US-Konzern nun diese Option einlösen. Der Pharmahändler bezahlt dafür umgerechnet 4,8 Milliarden Franken. Für die ersten 45 Prozent hatte Walgreens 6,1 Milliarden Franken hingelegt.

Galenica ist mit im Spiel

In den vergangenen Wochen war spekuliert worden, Walgreens könnte anlässlich der Alliance-Boots-Übernahme den Sitz nach Bern verlegen, um Steuern zu sparen. Die Hauptstadt ist ins Gespräch gekommen, weil Alliance Boots und Walgreens hier seit zwei Jahren ein Gemeinschaftsunternehmen betreiben. Die Mitarbeiter sind im Gebäude am Untermattweg tätig, wo Galenica seinen Sitz hat.

Ausserdem bestehen zwischen Alliance Boots und Galenica seit Jahren enge Verflechtungen. So gingen die beiden Unternehmen im Jahr 1999 eine strategische Partnerschaft ein. Zudem sitzt Galenica-Präsident Etienne Jornod im Aufsichtsgremium von Alliance Boots. Umgekehrt gehört Stefano Pessina, der Präsident von Alliance Boots, dem Verwaltungsrat von Galenica an.

US-Politiker machten Druck

Eine Konzernstruktur mit einem Hauptsitz ausserhalb der USA hätte möglicherweise einer Prüfung der Steuerbehörden nicht standgehalten, begründet Walgreens den Rückzieher zudem. Diese Begründung richtet sich an diejenigen Aktionäre, welche vom Konzern gefordert hatten, seine Steuerlast zu senken.

Die durchgesickerten Pläne zur Steueroptimierung hatten Walgreens in den USA in die Kritik gebracht. Politiker hatten in Washington den Druck auf den Konzern aus dem US-Bundesstaat Illinois zuletzt massiv erhöht, diesen Schritt zu unterlassen. «Ihre Kunden sind zutiefst patriotisch und werden einer Abkehr von den USA nicht zustimmen», schrieb im Juli etwa der US-Senator Richard Durbin aus Illinois an Präsident Barack Obama, der ebenfalls aus diesem Bundesstaat stammt.

SDA/sny

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