80 Personen bei Staatsbetrieben verdienen mehr als Bundesräte

Unternehmen wie Post, SBB und Swisscom müssten die Saläre drastisch kürzen, um den Forderungen der Volksinitiative «Pro Service public» gerecht zu werden.

Bei ihm würde es zu den grössten Kürzungen kommen: Urs Schaeppi, CEO von Swisscom, an der Bilanzpressekonferenz in Zürich. (4. Februar 2016)

Bei ihm würde es zu den grössten Kürzungen kommen: Urs Schaeppi, CEO von Swisscom, an der Bilanzpressekonferenz in Zürich. (4. Februar 2016)

(Bild: Keystone Valeriano Di Domenico)

Nicht nur die Chefs der staatsnahen Betriebe wie die Post, SBB oder Swisscom verdienen weitaus mehr im Vergleich mit dem Lohn eines Bundesrats. Insgesamt über 40 Managergehälter übertreffen die von der «Pro Service Public»-Initiative geforderte Lohnobergrenze. Dies rechnete die «Schweiz am Sonntag» zusammen. Einigen würde bei einem Volks-Ja zur «Pro Service Public»-Initiative der Lohn gleich um die Hälfte gekürzt werden.

Die Initiative orientierte sich bei der geforderten Richtgrenze am Lohn eines Bundesrats: 475'000 Franken. «Dieser Lohn soll von keinem Mitarbeiter eines staatsnahen Betriebes übertroffen werden», so Initiant und Geschäftsleitungsmitglied von «K-Tipp» und «Saldo» Peter Salvisberger. Die CEOs von SBB, Swisscom und Ruag verdienen zurzeit je über eine Million Franken. Spitzenreiter ist dabei Urs Schaeppi von der Swisscom mit einem Gehalt von 1,8 Millionen Franken.

Über 80 Saläre betroffen

Doch nicht nur die Führungsspitze der Unternehmen wäre von der Initiative betroffen: insgesamt sind es über 40 Managerlöhne, die jene eines Bundesrats übersteigen. Allein die Konzernspitze von Swisscom verdient im Schnitt 1,032 Millionen. Rechnet man den Verdienst der Verwaltungsräte in bundesnahen Betrieben auf 100 Prozent hoch, wie es die Initiative verlangt, dann steigt die Zahl der betroffenenen Gehälter auf jene von über 80 Angestellten.

Die Zusammenstellung der «Schweiz am Sonntag» zeigt auch die Veränderungen über die letzten Jahrzehnte. Verglichen mit dem Lohn eines Bundesrats verdiente der SBB-Chef 2000 noch weitaus weniger. Heute wird CEO Andreas Meyer mit mehr als doppelt so viel (1,05 Millionen Franken) entlöhnt. Auch bei der Post hat sich einiges getan, alleine im letzten Jahr. So erhielt nicht nur Konzernleiterin Susanne Ruoff 2015 eine grosszügige Gehaltserhöhung um 16 Prozent (160'000 Franken) auch die Geschäftsleitungsmitglieder verdienten 12 Prozent mehr als noch 2014. Ruoff erhielt letztes Jahr 984'521 Franken Gehalt.

«Nachhaltige Schwächung» der Unternehmen?

Einige der betroffenen Unternehmen verweisen in ihrer Stellungsnahme gegenüber der «Schweiz am Sonntag» auf den Konkurrenzdruck der freien Marktwirtschaft, der sie von reinen Bundesbetrieben unterscheide. Swisscom-Mediensprecher Armin Schädeli argumentiert, dass die börsenkotierte Firma «im Wettbewerb mit Firmen wie Google, IBM oder auch Banken - und nicht mit der Bundesverwaltung» stehe. Bernhard Bürki von der Post meint: «Die Unternehmen müssen sich an den Löhnen der Märkte orientieren, in denen sie und ihre Konkurrenten tätig sind.» Die SBB warnt indes vor einer «nachhaltigen Schwächung» der Unternehmen, würde die Initiative angenommen werden.

Während die Initiative im Parlament noch keine Befürworter findet, ergaben erste Umfragen der SRG (58 Prozent) und des Tages Anzeigers (41 Prozent), dass die Vorlage bei der Bevölkerung auf Zustimmung stösst. Der Grund dafür scheint «eine gewisse Unzufriedenheit» mit dem Service public zu sein, so Hans Höhener, Ombudsmann beim Verband öffentlicher Verkehr zur «NZZ am Sonntag». Der Schweizer Postüberwacher Hans Hollenstein nimmt dazu Stellung und zeigt Verständnis für den Ärger, der vor allem durch die Schliessungen von Poststellen wächst. Doch dafür biete die Volksinitiative keine Lösung: «Mit etwas tieferen Managersalären erreichen Sie keinen besseren Service - sei dies nun bei der Post oder bei der Bahn.»

Auch Christian Levrat kritisiert die Initiative, obwohl er den Kürzungen von Managerlöhnen zustimmt: «Kommt die Initiative durch, wird die Schweiz einen schlechteren Service public haben. Und sie führt zu einer Lohnsenkung für normale Pöstler und Bahnangestellte. Das wäre grob unfair», so der SP-Präsident zur «Schweiz am Sonntag».

sep

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