TV-Sender wollen mehr Geld für zeitversetztes Fernsehen

Immer mehr Schweizer überspringen die TV-Werbung. Dadurch sinken die Einnahmen der Sender. Nun sollen Swisscom, UPC und Co. mehr bezahlen.

Werbefrei: Immer mehr Schweizer schauen zeitversetztes Fernsehen.

Werbefrei: Immer mehr Schweizer schauen zeitversetztes Fernsehen.

(Bild: Keystone Christian Beutler)

Jorgos Brouzos@jorgosbrouzos

Später nach Hause zu kommen und deshalb den Anfang der Lieblingssendung zu verpassen, ist schon lange kein Problem mehr. Viele TV-Junkies schalten sogar absichtlich etwas später ein. So können sie die lästige Werbung überspringen.

Laut der Interessengemeinschaft Radio und Fernsehen (IRF) schauen sich 20 Prozent der 15- bis 59-jährigen Zuschauer die Sendungen zeitversetzt an. Noch vor drei Jahren lag der Wert bei 8 Prozent. Die TV-Seher schauen sich die Sendungen nicht nur dann an, wann sie wollen, sondern sie überspringen dabei meist auch die Werbung. Dadurch entgehen den TV-Sendern Millioneneinnahmen. Diese wollen sie nun von TV-Anbietern wie UPC oder Swisscom ersetzt haben.

Millionen fehlen

Allein im letzten Jahr sollen die Einnahmen um 67 Millionen Franken tiefer gewesen sein, schreibt IRF. Nächstes Jahr wird die Lücke auf 127 Millionen Franken geschätzt. Gleichzeitig würden die Sender von den grossen TV-Anbietern wie UPC und Swisscom nur mit 5,4 Millionen Franken für die Möglichkeit des zeitversetzten Fernsehens entschädigt. Die Sender fordern daher von den TV-Verbreitern, dass sie diese Art des TV-Konsums einschränken, also das Vor- und Zurückspulen unattraktiver gestalten – und ihnen mehr Geld für ihren Werbeausfall bezahlen.

Zu IRF gehören die deutschen Privatsender RTL, Pro 7 und Sat 1, die SRG mitsamt allen SRF-Programmen sowie zahlreiche kleinere Schweizer Sender. Andrea Werder, stellvertretende Geschäftsführerin des Vereines IRF, erklärt: «Für die werbefinanzierten Fernsehsender fallen wichtige Einnahmen weg, die sie für die Herstellung der Programme brauchen. Längerfristig können so die werbefinanzierten Free-TV-Sender nicht überleben.»

Tariferhöhung reicht IRF nicht

Die Sender verhandeln die Abgeltung mit den TV-Verbreitern wie Swisscom oder UPC nicht selbst. Sie werden bei diesen Gesprächen von Verwertungsgesellschaften vertreten. Die ausgehandelten Tarife werden danach von der Eidgenössischen Schiedskommission genehmigt. Bis Ende 2016 gilt ein Tarif von 1.50 Franken pro Monat und TV-Kunde, der sich TV-Programme zeitversetzt ansehen kann.

Für das kommende Jahr soll die Entschädigung um 10 Rappen steigen. Damit geben sich die Verwertungsgesellschaften zufrieden, den TV-Stationen ist es aber zu wenig. Sie gelangen daher gemeinsam vor die Schiedskommission. Wie viel mehr sie wollen, ist nicht bekannt. Die öffentliche Kritik der IRF gilt aber wohl nicht nur dem Tarif, sondern auch der Art und Weise, wie er festgelegt wird.

Wichtiges Standbein

Die TV-Anbieter sind vom Vorgehen der Sender nicht überrascht. «Die Forderungen sind uns bekannt und wurden in den letzten rund zwölf Monaten bereits an verschiedensten Sitzungen mit den Nutzer- und Konsumentenverbänden besprochen», so ein UPC-Sprecher. Swisscom lehnt die Forderungen von IRF grundsätzlich ab. Der Ball liege nun bei der Schiedskommission, so die beiden Anbieter.

Sowohl für Swisscom als auch für UPC ist das zeitversetzte Fernsehen ein wichtiges Standbein. Ein grosser Teil der Abonnenten kann Sendungen zeitversetzt ansehen. Hinzu kommen viele weitere Anbieter wie Sunrise oder Online-TV-Plattformen wie Teleboy, Wilmaa oder Zattoo.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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