Telecomkunden haben das Nachsehen

Platzt der UPC-Deal, wird ein schlagkräftiger Swisscom-Konkurrent verhindert.

Konsumenten können nur zum Wettbewerb beitragen, wenn sie bereit sind, ihren Anbieter häufig zu wechseln. Foto: Martin Ruetschi (Keystone)

Konsumenten können nur zum Wettbewerb beitragen, wenn sie bereit sind, ihren Anbieter häufig zu wechseln. Foto: Martin Ruetschi (Keystone)

Jon Mettler@jonmettler

Im Übernahmepoker um den Kabelnetzbetreiber UPC hat Sunrise-Grossaktionär Freenet die Karten auf den Tisch gelegt. Der deutsche Telecom­betreiber stellt sich offiziell gegen einen Kauf von UPC durch Sunrise. Damit ist der Deal gefährdet. Einen ersten Entscheid fällen die Aktionäre von Sunrise an der ausserordentlichen Generalversammlung im Herbst. Weil nie alle Aktionäre anwesend oder vertreten sind, fällt der Stimmenanteil von Freenet ins Gewicht.

Platzt die Übernahme, hätte dies Folgen für die Konsumenten. Ihnen würde ein schlagkräftiger neuer Anbieter vorenthalten. Als solcher könnte er den unangefochtenen Marktführer Swisscom erstmals seit der Liberalisierung des Telecommarktes ernsthaft herausfordern. Geschehen würde dies aus Nutzersicht auch mit attraktiveren Promotionen und besseren Angeboten.

Unmittelbar bliebe alles beim Alten: Swisscom beherrscht den Markt weiterhin. Sunrise, UPC und Salt sowie regionale Anbieter teilen sich den Rest des Kuchens. Die Branche ist sich jedoch einig, dass es im hart umkämpften und gesättigten Markt zu einer Bereinigung kommen wird. Telekommunikation ist getrieben durch hohe Investitionen in die Infrastruktur. Kleine Anbieter können das kaum mehr ohne starke Geldgeber stemmen. Als naheliegende Variante gilt nach wie vor ein Verkauf von UPC – wenn nicht an Sunrise, dann an einen ausländischen Interessenten.

Darauf haben die Konsumenten keinen Einfluss. Sie können höchstens zu einem funktionierenden Wettbewerb beitragen, indem sie Angebote vergleichen und bereit sind, den Betreiber zu wechseln. Sunrise hingegen hat es in der Hand, eine Lösung herbeizuführen. Die übrigen Aktionäre müssen von den Vorteilen des Kaufs überzeugt und dazu gebracht werden, an der Generalversammlung vollzählig zu erscheinen. Freenet lässt sich vermutlich nicht mehr umstimmen. Die Deutschen haben deutlich gemacht, dass sie nicht bluffen.

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