Swisscom überwacht den Weinkeller

Weil das erste Produkt floppte, macht die Swisscom einen Neubeginn bei ihrem Geschäftsbereich für Sicherheitssysteme für zu Hause. Dazu spannt der grösste Schweizer Telecomanbieter mit der Bewachungsfirma Securitas zusammen.

Die Überwachung des eigenen Weinkellers ist eine von vielen Möglichkeiten, wie Privatkunden Smartlife nutzen können.

Die Überwachung des eigenen Weinkellers ist eine von vielen Möglichkeiten, wie Privatkunden Smartlife nutzen können.

(Bild: Fotolia)

Jon Mettler@jonmettler

Swisscom-Manager Frédéric Gastaldo hat in seinem Haus einen Weinkeller eingerichtet. Die edlen Tropfen überwacht er mit seinem Smartphone. Im Weinkeller stehen Kameras und Lichtsensoren, deren Signale auf das Mobiltelefon des Franzosen gespielt werden. Brennt das Licht länger als 30 Minuten, erhält Gastaldo eine Nachricht. Er kann so eingreifen, denn zu viel Licht schadet dem guten Wein.

Der Weinliebhaber hat bei sich zu Hause Smartlife installiert, eine neue Produktreihe von Swisscom für die Überwachung des Eigenheims. Als Verantwortlicher für Smartlife ist Gastaldo daran interessiert zu wissen, wie gut das System funktioniert. Ab sofort bietet die Swisscom zwei Varianten des Produkts an: Das Einsteigerpaket für 299 Franken sowie das erweiterte Angebot mit beweglicher Hochauflösungskamera für 499 Franken.

Zwei Abonnemente

Das alleine reicht indes noch nicht. Um die Sicherheitssysteme aus der Ferne ansteuern zu können, braucht es zusätzlich ein monatliches Abonnement für die Datenübertragung. Der günstigste Tarif liegt bei 9.90 Franken im Monat. Die teurere Gebühr schlägt mit 24.90 Franken pro Monat zu Buche. Die Preise zeigen, dass die Swisscom Smartlife im mittleren Preissegment positioniert. Dieses ist bis jetzt in der Schweiz kaum besetzt.

Im Abonnement für 24.90 Franken monatlich ist ein Notfallknopf auf dem Smartphone inbegriffen, der eine Intervention im Eigenheim auslöst. Nicht die Polizei schickt die Swisscom vorbei, sondern Mitarbeiter von Securitas. Der Sicherheitsdienstleister aus Zollikofen und der blaue Riese arbeiten bei Smartlife zusammen.

Die Securitas erhofft sich viel von der Zusammenarbeit mit der Swisscom: «In der Schweiz wird alle acht Minuten eingebrochen. Die Kooperation mit der Swisscom ermöglicht uns den Zugang zum Massenmarkt», sagt Luc Sergy, Chef der Securitas Direct AG. Die Tochterfirma von Securitas bietet Sicherheitskonzepte für Private sowie mittelständische Unternehmen an. Für eine Intervention, die via Smartlife ausgelöst wird, verrechnet die Securitas je nach Aufwand eine Gebühr von mindestens 250 Franken.

Doch was passiert, wenn ein Smartlife-Kunde direkt die Polizei alarmiert? «Bei einem konkreten Anruf, dass ein Einbruch im Gang sei, rückt die Polizei immer aus», sagt Ramona Mock von der Kantonspolizei Bern.

Keine Mühe mit dem Einstieg der staatsnahen Swisscom ins Geschäft mit Alarmsystemen für Privathaushalte hat der Verband schweizerischer Einrichter von Sicherheitsanlagen. «Unsere Mitglieder sind im Gegensatz zur Swisscom im professionellen Markt für Firmen, öffentliche Institutionen und private Residenzen tätig. Der Markt für den Privathaushalt ist im Verband derzeit kein grosses Thema», sagt Vizepräsident Peter Nebiker. Er hält fest, dass der Heimmarkt im Moment sehr dynamisch sei. «Apple und Google stehen in den Startlöchern.»

Ersatz für altes System

Mit Quing bietet die Swisscom seit dem Jahr 2013 bereits ein Sicherheitssystem für zu Hause an. Weil im heimischen Telecommarkt kaum mehr etwas zu holen ist, konzentriert sich die Swisscom auf neue Geschäftsfelder. Quing kommt jedoch bei den Kunden nicht gut an. Laut Frédéric Gastaldo nutzen nur 800 Personen dieses Produkt. Die technologischen Fortschritte bei Überwachungsgeräten und Smartphones machen Quing nun überflüssig.

Die bestehenden Quing-Kunden können beruhigt sein. Swisscom gibt ihnen das neue Smartlife-System kostenlos ab.

Berner Zeitung

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