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«Star Trek» hält in der Medizin Einzug

Innert Sekunden den Blutdruck oder den Herzschlag mit einem kleinen Gadget zu messen, klingt nach Science-Fiction. Ein kleines Start-up in den USA will dies nun Realität werden lassen.

Mit dem medizinischen Gerät namens Scout können innert Sekunden unter anderem die Körpertemperatur, der Herzschlag und der Blutdruck gemessen werden.
Mit dem medizinischen Gerät namens Scout können innert Sekunden unter anderem die Körpertemperatur, der Herzschlag und der Blutdruck gemessen werden.
Scanadu

Als Inspiration stand die Science-Fiction-Serie «Star Trek» Pate. Mit einem handlichen Scanner namens Tricorder konnten Ärzte wie Dr. McCoy den Gesundheitszustand von Menschen in kürzester Zeit erfassen. Nun wird aus der Fiktion Realität. Im nächsten Jahr soll ein Gerät auf den Markt kommen, mit dem unter anderem die Körpertemperatur, der Herzschlag und der Blutdruck gemessen werden können. Dazu wird das Gadget in der Grösse eines Pucks für rund zehn Sekunden an die Stirn gehalten. Kosten soll das Gerät namens Scout 199 Dollar.

Hinter der Idee steht der gebürtige Belgier Walter De Bouwer, der dazu in den USA eine Firma namens Scanadu gegründet hat. Das erste Geld für das Gerät sammelte das Unternehmen über eine Crowdfunding-Plattform. Anfang dieser Woche hat Scanadu nun 35 Millionen Dollar von Risikokapitalgebern, darunter auch aus China, aufgenommen. Für ihn sei «Star Trek» nicht nur ein Film gewesen, sondern ein Businessplan, erzählte De Bouwer dem Fernsehsender CNN.

Persönliches Schicksal

Die Idee zu den medizinischen Gadgets geht aber nicht nur auf «Star Trek», sondern auch auf ein persönliches Schicksal von Walter De Bouwer zurück. Vor Jahren sprang sein damals fünfjähriger Sohn Nelson im Glauben, er könne fliegen, aus dem Fenster. Dabei landete er auf dem Kopf. Seine Frau und er verbrachten danach Monate im Spital und hatten dabei Mühe, all die medizinischen Informationen zu ihrem Sohn zu verstehen. «Du denkst, du seist intelligent, und dann stellst du fest, dass du kein Arzt bist und nichts verstehst», beschreibt De Bouwers Frau Sam die Situation.

Die Idee zu einem medizinischen Scanner à la «Star Trek» war geboren. Nun wird das Gerät getestet, denn noch fehlt die Zulassung der US-Gesundheitsbehörde FDA. Diese erlaubt den Gebrauch des Geräts bislang lediglich zu Untersuchungszwecken. Als Versuchskaninchen dienen jene 8500 Personen, die Scanadu anfänglich über die Crowdfunding-Plattform finanziell unterstützt haben. Die FDA wird in der Folge analysieren, wie das Gerät von den Nutzern eingesetzt wird, deren Einverständnis vorausgesetzt.

Nur der Anfang

De Bouwer will sich aber längst nicht nur mit dem Messen des Blutdrucks oder der Körpertemperatur aufhalten. In der Pipeline findet sich ein Urintest, mit dem etwa eine Blasenentzündung oder Nierenbeschwerden erkannt werden können. Dabei wird der Urinstreifen über das Smartphone mit einer entsprechenden App fotografiert. Die Resultate können dann direkt dem Arzt gesendet werden. Irgendwann sollen sogar Blut- und DNA-Tests hinzukommen.

Künftig werde man seine eigene Gesundheit so einfach checken können wie seine E-Mails, sagt De Bouwer dazu. «Bei einem medizinischen Notfall wird nicht mehr nach einem Arzt, sondern nach einem Tricorder gefragt werden.»

Nicht alle teilen die Euphorie. Der US-Arzt Michael Blum etwa bezeichnet die Versprechen von Scanadu als kühn. Ob diese nach eingehenden Analysen tatsächlich Bestand hätten, sei alles andere als klar, sagte der Kardiologe und Professor der Uni San Francisco dem «Wall Street Journal». Neben den regulatorischen und technischen Hürden stellt sich auch die Frage der Akzeptanz bei der Ärzteschaft und den Patienten. Vielen dürfte es mulmig beim Gedanken werden, dass die eigenen medizinischen Daten über ein Smartphone ausgetauscht werden.

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