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Spitäler kämpfen mit Antibiotika-Engpass

Der Hersteller eines der gängigsten Antibiotika kann zurzeit nicht liefern. Da in absehbarer Zeit selbst die Pflichtlager nicht ausreichen werden, müssen die Spitäler auf Alternativen zurückgreifen.

Andreas Möckli
Spitäler müssen nun vermehrt auf Alternativen zum Antibiotikum Augmentin zurückgreifen.
Spitäler müssen nun vermehrt auf Alternativen zum Antibiotikum Augmentin zurückgreifen.

Bei einem der gängigsten Antibiotika herrscht ein europaweiter Engpass. Betroffen ist auch die Schweiz. Wie das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) die Spitäler in einem Schreiben informiert hat, kann der britische Pharmakonzern GSK das Präparat Augmentin in den nächsten Monaten nicht mehr liefern.

«Augmentin ist eines der am häufigsten eingesetzten Antibiotika, die bei Atemwegsinfektionen wie Lungenentzündungen oder bei anderen bakteriellen Infekten eingesetzt werden», sagt Andreas Hintermann, Leiter der Kantonsapotheke Zürich. Betroffen vom Engpass seien die Infusionen, welche in den Spitälern eingesetzt werden.

GSK bestätigt den Lieferunterbruch von Augmentin. Bei einem von den Behörden verordneten Sterilitätstest seien in der Produktion Keime entdeckt worden, worauf die Herstellung des Medikaments gestoppt worden sei, sagt Sprecher Urs Kientsch. Als vorsorgliche Massnahme seien auch bereits ausgelieferte Chargen des Produkts unter Quarantäne gestellt worden. Nun würden die Ursachen der Verunreinigung analysiert. Mit der Wiederaufnahme der Produktion und der Freigabe der Chargen sei nicht vor dem ersten Quartal des nächsten Jahres zu rechnen, sagt Kientsch.

Pflichtlager reichen nicht

Alternativen in Form von Generika sind zwar vorhanden, aber auch hier sind die Vorräte begrenzt. Die beiden Hersteller, die Novartis-Tochter Sandoz und die Firma Teva-Mepha, verfügten über gewisse Reserven bei der geringeren Dosierung (1,2 Gramm), bei der höheren Dosierung (2,2 Gramm) seien nur geringe Vorräte verfügbar, schreibt das BWL. Das Amt verfügt über Antibiotikapflichtlager. Diese würden freigegeben, sobald die Firmen ein entsprechendes Gesuch stellten, sagt Fosca Gattoni, stellvertretende Leiterin der Geschäftsstelle Bereich Heilmittel beim BWL. «Wir stehen in engem Kontakt mit den Herstellern und rechnen damit, dass die Gesuche noch vor Weihnachten eintreffen werden.» Der genaue Zeitpunkt hänge aber auch vom Bedarf der Spitäler sowie der dort noch vorhandenen Mengen ab. Es sei aber jetzt schon klar, dass zumindest bei der höheren Dosierung von Augmentin das Pflichtlager nicht ausreichen werde, sagt Gattoni.

Problematische Alternativen

Das Bundesamt fordert die Spitäler deshalb nun auf, Augmentin nicht mehr in jedem Fall abzugeben. Zusammen mit der Schweizerischen Gesellschaft für Infektiologie hat das BWL mehrere Massnahmen ausgearbeitet. So werden etwa Alternativen zu Augmentin aufgeführt, die verwendet werden sollen.

«Diese Alternativen sind aber nicht unproblematisch», sagt Enea Martinelli, Chefapotheker der Spitalgruppe Frutigen-Meiringen-Interlaken, der bezüglich der Engpässe bei den Medikamenten zu den Wortführern gehört. Die Antibiotika, die als Ersatz infrage kommen, wirkten breiter. Damit stelle sich die Frage, ob bei den Patienten Resistenzen gebildet würden. «Die Gefahr besteht vor allem dann, wenn diese Breitbandantibiotika über eine längere Zeit eingesetzt werden müssen.» Martinelli sagt aber auch, dass man der Not gehorchend, auf diese Alternativen zurückgreifen müsse.

Zudem bestehe nun die Gefahr, dass auch bei den Alternativen die Vorräte ausgingen, sagt Martinelli. «Da der Bund bei Antibiotika Pflichtlager aufgebaut hat, haben wir in der Schweiz mehr Zeit, um auf solche Engpässe zu reagieren.» Es sei möglich, dass auch auf die Pflichtlager der alternativen Antibiotika zurückgegriffen werden müsse, sagt Gattoni vom BWL dazu.

Man sei nun daran, die Verfügbarkeit von Alternativen für Augmentin sicherzustellen, sagt Kantonsapotheker Hintermann. Dies bedeute zusätzlichen Aufwand für die Spitalapotheker, jedoch aber auch für die Ärzte, die neue Behandlungswege suchen müssten. «Die Patienten in den Spitälern werden jedoch vom Engpass nichts bemerken», sagt Hintermann.

Derweil versucht die Firma Teva-Mepha zusätzliche Mengen des Augmentin-Generikums von ihrem europäischen Lieferanten zu beziehen, wie Schweiz-Chef Andreas Bosshard sagt. Dies sei aber nicht einfach, da der Engpass europaweit bestehe. Gleichzeitig liefert das Unternehmen den Spitälern pro Bestellung nur noch eine Menge, die den Bedarf für zwei Wochen abdecke. Dies habe die Firma mit dem BWL so abgesprochen.

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