So heikel geschäftet der Investor des Schweizer Gütermetro-Projekts

Eine nutzlose 1,4-Millionen-Software als Preis für ein Kreditrating? Kein Problem für Dagong, den chinesischen Geldgeber von Cargo sous Terrain.

Guan Jianzhong will 100 Millionen in die Schweizer Gütermetro investieren. Doch jetzt hat er Probleme. Foto: Jason Lee (Reuters)

Guan Jianzhong will 100 Millionen in die Schweizer Gütermetro investieren. Doch jetzt hat er Probleme. Foto: Jason Lee (Reuters)

Yvonne Debrunner@yvonnedebrunner

Ein gutes Kreditrating bedeutet: Ein Unternehmen kann neue Kredite zu tieferen Zinsen aufnehmen: Es spart also Geld. Für ein gutes Rating zu zahlen, kann sich demnach lohnen – theoretisch, denn erlaubt ist das natürlich nicht. Bei der chinesischen Ratingagentur Dagong war es offenbar dennoch möglich, wie das chinesische Wirtschaftsmagazin «Caixin» kürzlich berichtete.

Dass es bei Dagong Missstände gibt, wurde bereits letzte Woche bekannt. Das Unternehmen sei vom Staat mit Sperren belegt worden, meldete die US-Nachrichtenagentur Bloomberg. Dagong dürfe ein Jahr lang keine Wertschriften mehr bewerten. Die chinesischen Behörden kritisierten «schwerwiegende» Verletzungen der Unabhängigkeit als Ratingfirma.

Viel Geld für nutzlose Software

Was das bedeutet, zeigt nun ein Bericht von «Caixin». Offenbar hat Dagong mehreren Unternehmen angeboten, deren Rating aufzubessern – wenn sie im Gegenzug eine Software kaufen. In mindestens 26 Fällen soll das geschehen sein. Die Software koste 9,7 Millionen Yuan, rund 1,4 Millionen Franken. Dazu komme eine Servicegebühr von 800’000 Yuan jährlich, rund 115’000 Franken. Viel Geld für eine offenbar ziemlich nutzlose Software.

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«Caixin» beruft sich bei seinen Aussagen auf «mehrere mit der Angelegenheit vertraute Quellen». Überprüfen lassen sich die Angaben nicht. Sie decken sich allerdings teilweise mit Angaben der chinesischen Wertpapieraufsichtsbehörde (CSRC). Diese berichtete in einer Mitteilung vor zwei Wochen von hohen Gebühren für Beratungsleistungen bei Dagong. Bei der Software handelt es sich gemäss «Caixin» um eine «Beratungssoftware».

Die Machenschaften der chinesischen Ratingagentur sind für die Schweiz relevant. Denn Dagong ist ein Investor von Cargo sous Terrain, einem der aufsehenerregendsten Projekte, die derzeit in der Schweiz vorangetrieben werden. Die Idee: Eine Metro soll Güter unterirdisch und vollautomatisch durch das gesamte Schweizer Mittelland transportieren. So soll das überirdische Verkehrsnetz entlastet werden. Hinter dem Projekt stehen grosse Schweizer Player wie die Migros, Coop, die Post oder die Swisscom. Und eben Dagong, der chinesische Geldgeber.

Gefährdet ist das Projekt Cargo sous Terrain offenbar nicht, wie Sprecher Patrik Aellig mitteilt. Die Abklärungen hätten bestätigt, was schon vor einer Woche mitgeteilt worden sei: dass es sich nämlich um zwei verschiedene Unternehmen handle. Die chinesischen Behörden hätten die Ratingagentur, genannt: Dagong Global Credit Rating, mit Sanktionen belegt, so Aellig. Weil deren Geschäftsgebaren zu Beanstandungen Anlass gab.

So soll die unterirdische Metro funktionieren. Video: CST

Die Investorin von Cargo sous Terrain, genannt: Dagong Global Investment Holding, sei von den Sanktionen hingegen nicht betroffen. Es handle sich bei ihr um eine «vollkommen eigenständige Firma innerhalb der Dagong-Gruppe». Cargo sous Terrain habe somit keine Veranlassung, das Zustandekommen der zugesicherten Investition infrage zu stellen, teilt Aellig mit.

Hinter der Ratingfirma Dagong und der Investorin Dagong steht derselbe Mann: Guan Jianzhong. Der Chinese ist Verwaltungsratspräsident beider Unternehmen. Er reiste Anfang dieses Jahres nach Bern, ins Hotel Bellevue. Dort fand eine Medienkonferenz statt, an der verkündet wurde, dass die 100 Millionen Franken für die Planung des ersten Streckenabschnitts zwischen Härkingen und Zürich nun zusammen seien – auch dank dem Geld von Dagong.

Bildstrecke: Unterirdischer Gütertransport durch die Schweiz

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