Skywork droht Ende Oktober das Grounding

Die Fluggesellschaft Skywork steckt in Nöten. Der Bund verlangt die Zusicherung, dass sie auch den Winterflugplan finanzieren kann. Skywork hat nur noch zwei Wochen Zeit. Es droht das Aus.

Am Boden: Flugzeuge von Skywork-Maschinen am Flughafen Bern-Belp.

Am Boden: Flugzeuge von Skywork-Maschinen am Flughafen Bern-Belp.

(Bild: zvg)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Am Montag sind in vielen Gemeinden des Kantons Bern die Herbstferien zu Ende gegangen. Und es ist kein Zufall, dass das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) ebenfalls am Montag kurz nach 14 Uhr eine brisante Meldung veröffentlichte: «Das Bazl hat der Berner Fluggesellschaft Skywork aus wirtschaftlichen Gründen die ­Betriebs­bewilligung bis Ende ­Oktober 2017 befristet», heisst es darin.

Es ist davon auszugehen, dass das Bazl der Airline entgegengekommen ist und mit der Veröffentlichung der Mitteilung bis zum ­Ende der Herbstferien zugewartet hat. Dies, um es Skywork zu ermöglichen, das wichtige Herbstferien­geschäft ohne Turbulenzen abzuschliessen.

Unter Beobachtung

Beim Bazl war man sich schon seit längerem darüber im Klaren, dass das Geld bei Skywork knapp ist. «Es gibt immer gewisse Unternehmen, bei denen wir die finanzielle Lage genauer prüfen. Skywork gehörte hier dazu», erklärt Bazl-Sprecher Urs Holder­egger auf Anfrage. Im Rahmen dieser Überwachung ­habe das Bazl bereits Ende ­August fest­gestellt, «dass es im Winter eng werden könnte».

Die Nachricht vom Montag kam also auch für die Fluggesellschaft Skywork nicht überraschend. In einer knappen Medienmitteilung räumt die Fluggesellschaft ein, dass es «trotz intensiver ­Be­mühungen» nicht gelungen sei, Investoren für einen Weiterbetrieb zu finden.

Investoren winken ab

Skywork-Chef Martin Inäbnit war am Montagnachmittag für die Medien nicht zu sprechen. Kurz vor 18 Uhr liess er eine kurze ­Medienmitteilung mit folgendem Zitat von ihm verschicken: «Unser Fokus liegt zurzeit im ­Finanzierungsnachweis, den wir innerhalb der gesetzten Frist erbringen wollen. Daran arbeiten wir mit Hochdruck. Auf den aktuellen Flugbetrieb hat das keinen Einfluss.» Skywork bietet derzeit Flüge zu 17 Destinationen an.

Der Bruder im Hintergrund

Da der Skywork-Chef sich zugeknöpft gibt, lässt ich nur darüber spekulieren, bei wem er für eine weitere Finanzierungs­runde angeklopft hat. Ein Adressat dürfte sein Bruder Walter ­Inäbnit gewesen sein. Es ist davon auszugehen, dass der Chef und Mitinhaber des Medizinaltechnikunternehmens Haag-Streit mit Sitz in Köniz zu den Geld­gebern von Skywork gehörte. Bestätigt hat er dies allerdings nie. Doch nun sind er und seine Familie offenbar nicht mehr gewillt, für die Airline ­erneut Geld zur Verfügung zu stellen.

«Unser Fokus liegt zurzeit im Finanzierungsnachweis, den wir innerhalb der gesetzten Frist erbringen wollen»: Martin Inäbnit, Skywork-Chef. Bild: zvg

Bedarf an Liquidität steigt

Die Meldung vom Montag dürfte für Skywork schwere Konsequenzen haben. Von anderen Fluggesellschaften in finanzieller Schieflage ist bekannt, dass die Buchungen stark einbrechen, wenn finanzielle Probleme ­bekannt werden.

Und auf der Ausgabenseite ­besteht das Risiko, dass Lieferanten wie die Treibstofffirmen ­darauf bestehen, dass offene Rechnungen sofort bezahlt werden. Und weitere Lieferungen oder Dienstleistungen erbringen sie in solchen Fällen oft nur gegen eine ­sofortige Bezahlung. Der ­Bedarf an Liquidität steigt dadurch ­massiv an. Ob die Reserven von Skywork dafür ausreichen, ist nicht bekannt. Zahlen hat die Airline nie bekannt gegeben.

Kunden im Risiko

Sollte Skywork bis Ende Oktober den Finanzierungsnachweis nicht erbringen können, droht der Fluggesellschaft das Grounding. Die drei Dornier 328 und die drei Saab 2000 müssten dann am Boden bleiben. In diesem Fall stellt sich die Frage, was mit den Tickets geschieht, welche die Kunden für Flüge an einem späteren Datum gekauft haben. Laut dem Bazl ist die Fluggesellschaft verpflichtet, für die betroffenen Kunden eine Lösung zu suchen, das heisst eine Um­buchung auf eine andere Flug­gesellschaft vorzunehmen. Voraussetzung dafür ist aber, dass Skywork noch Geld dafür in der Kasse hat. Ist dies nicht der Fall, droht den Kunden der Verlust der Summe, die sie für das Ticket bezahlt ­haben.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt