Zum Hauptinhalt springen

Shoppen mit Roger dem Roboter

In Tönisvorst nahe Düsseldorf hat die Zukunft bereits begonnen. Der deutsche Detailhandelsriese Metro betreibt dort seinen mit Technik vollgestopften Future Store. Ein Augenschein im Supermarkt der Zukunft.

Das Hautberatungs-Terminal ermittelt den Hauttyp und schlägt Pfegeprodukte vor.
Das Hautberatungs-Terminal ermittelt den Hauttyp und schlägt Pfegeprodukte vor.
Metro AG
Mit Komplettmenüs aus der Abteilung Frische & Convenience lassen sich schnell Mahlzeiten zusammenstellen.
Mit Komplettmenüs aus der Abteilung Frische & Convenience lassen sich schnell Mahlzeiten zusammenstellen.
Metro AG
Ausprobieren erwünscht: Die Sportabteilung im Future  Store
Ausprobieren erwünscht: Die Sportabteilung im Future Store
Metro AG
1 / 11

«Guten Tag», knarrt es mit leicht metallener Stimme. Selbstbewusst steht es da, das Metall-Plexiglas-Männchen, stilvoll mit blauer Fliege und artig, wie es sich für einen echten Roboter im ebenso echten Einkaufsladen der Zukunft gehört. Willkommen im Real Future Store, dem Supermarkt, wo schon heute die Technik und die Detailhandelskonzepte von morgen im Alltag erprobt werden. Ein paar Minuten zuvor schien die Zukunft noch weit weg zu sein. Tönisvorst liegt etwa 30 Kilometer westlich von Düsseldorf im Niemandsland, wo sich grundsätzlich keiner hinverirrt, so er denn nicht hierhingehört. 2 Kilometer vor dem Ziel der Fahrt der erste Hinweis. «Real Future Store – 2 Kilometer» steht auf dem Schild am Rande der Überlandstrasse. Kurz darauf ist der Einkaufsladen der Zukunft erreicht.

Seit Ende Mai betreibt

die Metro-Handelsgruppe (Cash&Carry, Media-Markt, Real) im nordrhein-westfälischen Örtchen Tönisvorst ihren Supermarkt der Zukunft. Kein Laborbetrieb, sondern ein ganz normaler Supermarkt, der jedermann zum Einkaufen offensteht. «Ganz normal» ist zwar vielleicht doch etwas untertrieben für das, was die Metro-Gruppe in Tönisvorst treibt. Mehrere Millionen Euro hat Metro in Planung und Entwicklung investiert. Wie viel genau, will man bei Metro nicht verraten. Zukunftsexperimente haben bei Metro Tradition. Von 2003 bis 2007 sammelte der Konzern Erfahrungen mit seinem Zukunftsladen in Rheinberg. Roger zeigt, wos langgeht Der erste Kontakt mit Roger, dem Roboter, scheint verheissungsvoll. Der Besucher lässt sich von ihm den Weg zu den Innovationen weisen. Mit einem leisen Surren macht sich Roger auf den Weg. Ab zum Rundgang und – wie es sich für einen aktiven Herrn gehört – auf in die Sportabteilung. Unterwegs fällt als Erstes eines jener Informationsterminals auf, die auch auf dem weiteren Rundgang immer wieder auftauchen werden. Vielfältige Details zu den angebotenen Produkten sind damit abrufbar.

Hmm Surrt da nicht leise ein Speichenrad? Zwitschert da nicht munter ein Vogel? «Doch, doch, Sie hören richtig», bestätigt Real-Mitarbeiter Jochen. Beim Herumgehen zwischen Fahrrädern und Wanderschuhen wird man in Tönisvorst dezent und punktgenau mit der passenden Geräuschkulisse beschallt. Modernste Lautsprechertechnik machts möglich.

Flinke Flunker-Fische

Weiter gehts, vorbei an Einkaufswagen, die Roboter Roger dank Infrarotaugen smart umkurvt, vorbei auch am Café mit kostenloser Internetbenutzung, hin zur Fischabteilung. Meine Güte, wie das duftet! Keine Spur vom ekligen Gestank, den man vom Fischmarkt her kennt. Beim Verkaufstresen riecht es dank ausgeklügelten Aromazerstäubern frisch nach Limone und Kräutern aus der Provence. Wer da nicht hungrig wird, ist selber schuld. Der grösste Gag ist aber die interaktive Projektion auf dem Boden vor dem Fischbuffet. Dort schwimmen auf einer Fläche von etwa sechs Quadratmetern bunte, computeranimierte Fische. Beim Tritt auf diese Fläche bilden sich leichte Wellen, und die Fische machen sich schnurstracks auf und davon. «Schau mal Mutti, ich jage Fische!», ruft ein kleiner Junge durch den Laden. Die Kinder lieben das Spiel, doch auch manch Erwachsener wagt einen zaghaften Schritt auf die Fläche, wenn er sich unbeobachtet wähnt. Zack! – und weg ist der Fisch.

Der trockene Typ

Leider ist hier schon Schluss mit der kurzen Bekanntschaft mit Roger: Der Supermarkt ist aufgeteilt in eine männliche und eine weibliche Roboterzone. Hier endet sein Territorium, Roger sagt Tschüss. Und weil Roboterkollegin Ally (Markenzeichen:?rote Halskette)?gerade am Stromnetz hängt und sich von den langen Fahrten durch den Laden erholt, wird der Rest des Supermarkts nun eben auf eigene Faust erkundet. Es geht dorthin, wo Frau sich pudelwohl fühlt: in die Beautyabteilung mit ihren tausend Puderdöschen, Mascarastiften und Nagellackflaschen. Der Besucher ist übrigens ein trockener Hauttyp, ergibt die Kurzanalyse. Bis zu diesem schonungslosen Befund werden an einem Beratungsterminal erst ein paar Fragen beantwortet («Haben Sie oft das Gefühl angespannter Haut? Neigen Sie zu Unreinheiten?»). Nun noch ein Tupfer zehn Sekunden lang an die Stirn gedrückt und anschliessend ins Analysefach gesteckt – fertig. Konsequenterweise schlägt das Gerät nun auch gleich sechs Pflegeprodukte vor, welche alle Hautprobleme lindern sollen.

Welch Wunderwerk! Auf die Farbberatung bezüglich Make-up und Haartönung am Terminal gleich nebenan verzichtet der männliche Besucher unter diesen Umständen gerne.

Automatisch degustieren

Auch Weinfreunde werden im Supermarkt der Zukunft überrascht. Wer sich vor dem Einkaufsbummel gegen Altersnachweis für den Wein-Degustationsautomaten registrieren lässt, kann nach Herzenslust Wein verkosten. Das Infoterminal mit weiterführenden Informationen zu Wein, Herkunft und Lagerung fehlt natürlich auch hier nicht. Doch das schenkt sich der Besucher und schenkt ein. Ein Prost auf Chardonnay, Shiraz und Zweigelt! Und wer danach den Ausgang nicht mehr selber findet: Der zuverlässige Pfadfinder Roger ist ja nicht weit.

In Tönisvorst hat die Zukunft begonnen. Und viele dieser Dinge (Roboter Roger gehört da kaum dazu) werden in ein paar Jahren auch im ganz normalen Supermarkt Realität werden. Sie denken nicht? Die Wette gilt.Peter Jost, Tönisvorst

www.future-store.org

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch