Schweiz leitet Verfahren gegen Booking.com ein

Der Preisüberwacher hat Hinweise auf Missbrauch bei einem der führenden Reiseportale gefunden. Die Amerikaner wollten sich aber nicht mit den Schweizern an einen Tisch setzen.

Potentiell marktbeherrschende Stellung: Eine Person sieht sich die Webseite von Booking.com auf einem Tablet-Computer an.

Potentiell marktbeherrschende Stellung: Eine Person sieht sich die Webseite von Booking.com auf einem Tablet-Computer an. Bild: Lukas Lehmann/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Reisebranchenriese Booking.com könnte seine Marktmacht missbrauchen und Preise in unzulässiger Art und Weise diktieren. Der Preisüberwacher Stefan Meierhans hat das Gespräch gesucht, stiess bei der Firma aber auf taube Ohren, wie die Preisüberwachung in ihrem heute veröffentlichten Newsletter schreibt.

«Wir haben Hinweise darauf, dass Booking.com in der Schweiz seine potentiell marktbeherrschende Stellung zur Durchsetzung missbräuchlicher Preise einsetzen könnte», erklärt Meierhans gegenüber 20 Minuten. Nun liefen formelle Abklärungen, ob dem tatsächlich so sei.

«Schweizerische Konfliktlösung» scheitert

Das Schweizer Vorgehen sieht zuerst die Suche nach einer einvernehmlichen Lösung vor. Die Amerikaner «wollten aber nicht mit mir an den Verhandlungstisch sitzen», sagt Meierhans.

Logische Folge des Scheiterns der «typisch schweizerischen Konfliktlösung» ist die Eröffnung eines Verfahrens nach Preisüberwachungsgesetz (PüG) oder Ver- waltungsverfahrensgesetz (VwVG). Diesen Schritt hat Meierhans vergangenen Freitag getan.

Meierhans könnte Preise verfügen

Wenn die Voraussetzung der marktbeherrschenden Stellung und des Preismissbrauchs gegeben sind, endet das Verfahren mit einer Verfügung. Darin würde der Preisüberwacher die Schweizer Tarife für Booking.com festsetzen.

Das Online-Reisebüro gehört der US-Firma Priceline Group mit Sitz im Bundesstaat Connecticut. Der Europa-Sitz des Unternehmens, das auch einige Mitarbeiter und einen Anwalt in der Schweiz hat, ist in Amsterdam.

Die Untersuchung gegen Booking.com hatte Preisüberwacher Stefan Meierhans im Februar bei der Präsentation seines Jahresberichts publik gemacht. Man überprüfe, ob es sich um ein «marktmächtiges» Unternehmen handle, wie viel ein Hotelier bezahle, damit er auf der Plattform aufgeschaltet sei, wo er aufgeführt werde und wie viel Kommission ihn das koste, hiess es damals.

Erfolgreich und umstritten

Online-Buchungsplattformen sind wegen ihrer einschränkenden Teilnahmebedingungen umstritten. Die Plattformen machen den Hotels unter anderem Preisvorschriften, die es ihnen untersagen, ihre Betten auf anderen Verkaufskanälen günstiger anzubieten. Die Hotels und ihr Verband sehen darin einen Eingriff in die Unternehmensfreiheit.

Dennoch gewinnen die Plattformen bei Hotels immer stärker an Bedeutung: Laut Zahlen des Instituts für Tourismus der Fachhochschule Westschweiz Wallis in Siders stieg ihr Anteil 2016 bei Buchungen in der Schweiz gegenüber dem Vorjahr um 6,7 Prozent auf rund 27 Prozent.

Das Geschäft würden die drei Plattformen Booking, Expedia und HRS beherrschen, die zusammen 93 Prozent der Direktbuchungen generierten. Der Löwenanteil entfalle dabei auf Booking.com, das zur US-Gruppe Priceline gehört.

Die Fachhochschule schätzt den Gesamtumsatz von Booking, Expedia und HRS auf mehr als 1 Milliarde Franken. Die von den Hotels an die Plattformen bezahlten Kommissionen beliefen sich auf 150 Millionen Franken.

Mit Material von 20 Minuten. (rub)

Erstellt: 12.09.2017, 11:00 Uhr

Sieht Verfahren als logische Folge der Gesprächsverweigerung: Preisüberwacher Stefan Meierhans. (Bild: Keystone Lukas Lehmann)

Artikel zum Thema

Post schenkt den Schweizern 2 Franken

Post und Preisüberwacher haben ihren Streit beigelegt. Alle Schweizer Haushalte erhalten bald je zwei Web-Briefmarken. Mehr...

Swisscom soll Gebühr fürs Einzahlen abschaffen

Seit Februar müssen Kunden der Swisscom für Bareinzahlungen am Postschalter drauflegen. Für den Preisüberwacher ist das nicht akzeptabel. Mehr...

Preisüberwacher greift Medikamentenpreise an

Stefan Meierhans will nicht nur Online-Buchungsplattformen genauer unter die Lupe nehmen. Ein Schwerpunkt sind zudem auch die Gesundheitskosten. Mehr...

Paid Post

Die Bank der Zukunft

Hohe Depotgebühren, unzureichende Services: Es gibt zahlreiche Gründe, die Bank zu wechseln, aber der wahrscheinlich wichtigste Grund ist im digitalen Zeitalter der Mangel an Innovation und Ideenreichtum.

Kommentare

Blogs

Foodblog Insekten-Dinner im Werkhof
Serienjunkie Pferdestarke Frauen
Foodblog Vor der Nacht der langen Messer

Paid Post

Die Bank der Zukunft

Hohe Depotgebühren, unzureichende Services: Es gibt zahlreiche Gründe, die Bank zu wechseln, aber der wahrscheinlich wichtigste Grund ist im digitalen Zeitalter der Mangel an Innovation und Ideenreichtum.

Die Welt in Bildern

Es herbstelt: Sonnenaufgang im Morgennebel bei Müllrose, Ostdeutschland (19. September 2017).
(Bild: Patrick Pleu) Mehr...