Schloter setzt aufs Internetgeschäft

Der Umsatz des Telecomkonzerns stagniert seit Jahren. Trotzdem spricht Swisscom-Chef Carsten Schloter von Wachstum. Er glaubt, dass der Zugang zum Internet in den nächsten zehn Jahren massiv an Bedeutung gewinnen wird.

Swisscom-Chef Carsten Schloter will den Kunden in Zukunft jederzeit und überall Zugriff via Internet auf ihre Daten bieten.

Swisscom-Chef Carsten Schloter will den Kunden in Zukunft jederzeit und überall Zugriff via Internet auf ihre Daten bieten.

(Bild: Keystone)

Jon Mettler@jonmettler

Die Lancierung des neuen Mobilfunkabonnements Natel infinity im Sommer 2012 war eigentlich der erste Schritt zu einem langfristigen Strategiewechsel bei der Swisscom. Das wurde gestern aufgrund von Aussagen von Swisscom-Chef Carsten Schloter klar, die er im Rahmen der Präsentation des Jahresergebnisses 2012 machte (siehe Kasten).

Natel infinity verrechnet die Übertragungsgeschwindigkeit und nicht mehr das Datenvolumen. Das erlaubt es dem Kunden, unlimitiert mobil im Internet zu surfen. Das neue Tarifmodell ist ein Bedürfnis: Per Ende 2012 nutzten bereits 889000 der 6,2 Millionen Swisscom-Mobilfunkkunden Natel infinity.

Das Abonnement führt auch zu einem massiven Wachstum beim Datenverkehr. Im Schnitt zirkulierten 2012 im Vergleich zum Vorjahr 85 Prozent mehr Daten über das Mobilfunknetz der Swisscom. Alleine im vierten Quartal 2012 stieg das Datenvolumen um 120 Prozent. «Im laufenden Jahr gehe ich von einer Verdreifachung aus», so Schloter.

Die Zahlen bestätigen Schloter in seinem gestern angekündigten Vorhaben, die Strategie der Swisscom den neuen Entwicklungen im Markt anzupassen. Im dritten Quartal 2012 überraschte der Konzernchef mit der Aussage, dass die Swisscom trotz stagnierenden Umsatzes in den nächsten fünf Jahren zu Wachstum zurückfinden könne. Nun legte Schloter dar, welche Trends das Unternehmen erwartet und wie es damit Geld verdienen will.

Schloter geht davon aus, dass in den kommenden zehn Jahren das Bedürfnis der Kunden zunehmen wird, in Echtzeit via Internet ständig auf berufliche und private Daten zuzugreifen. Die Nutzer werden dies mit verschiedenen Endgeräten tun und die Daten an einem einzigen Ort abspeichern – in einem virtuellen Speicher, der sogenannten Wolke. Im Umkehrschluss heisst das: Die Bedeutung des traditionellen Telefoniegeschäfts nimmt ab.

Schloter zeigte sich überzeugt, dass die Kunden bereit sein werden, für eine ständige, schnelle, sichere und zuverlässige Internetverbindung mehr zu bezahlen als bisher. «Unsere Kunden geben im Schnitt pro Tag sechs Franken für den Zugang zum Internet aus. Das entspricht etwa einem Kaffee mit Gipfeli», sagte Schloter. Er sei sich sicher: Müsste jemand zwischen Kaffee und Gipfeli oder einem höheren Preis für den schnellen Internetzugang wählen, würde er eher auf die Verpflegung verzichten und das gesparte Geld ins Internet investieren. Doch auch andere Entwicklungen dürften der Swisscom zu mehr Wachstum im Internetbereich verhelfen: Nicht nur wird die Bevölkerung in der Schweiz zunehmen. Auch die Zahl der Endgeräte pro Einwohner wird steigen.

Die Pläne der Swisscom erfordern Investitionen. 2013 will der Konzern 1,7 Milliarden Franken für den Ausbau der Infrastruktur ausgeben.Jon Mettler>

Berner Zeitung

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