Schlechte Prognose führt zu Kurssturz bei Meyer Burger

Die Meyer Burger AG steht mitten im Sturm. Ihre Aktie hat am Dienstagabend an der Börse 22 Prozent verloren – und mit einem historischen Tiefwert von 4.46Franken geschlossen. Finanzanalysten malen in ihren Prognosen schwarz.

Schlechte Nachrichten für die Belegschaft: Meyer Burger steckt in der Krise, der Aktienkurs fällt und fällt.

Schlechte Nachrichten für die Belegschaft: Meyer Burger steckt in der Krise, der Aktienkurs fällt und fällt.

(Bild: Keystone)

Tobias Habegger@TobiasHabegger

Der Dienstag begann an der Schweizer Börse mit einem Paukenschlag: Innerhalb weniger Minuten büsste die Meyer-Burger-Aktie 22 Prozent an Wert ein – und fiel zwischenzeitlich auf den historischen Tiefstand von 4.44 Franken pro Stück – so tief wie seit acht Jahren nicht mehr.

Was war geschehen? Die Finanzanalysten der Credit Suisse hatten eine Studie verschickt. Darin setzten sie ihre Empfehlung der Meyer-Burger-Aktie zurück von «neutral» auf «underperform». Und sie reduzierten das Kursziel von 9.50 Franken pro Aktie auf 5 Franken.

«Es ist schwierig für uns, eine umfassende Erklärung zur unerfreulichen Kursentwicklung der letzten Tage abzugeben», vermeldete der Solarkonzern auf Anfrage. Die Drähte bei der Pressestelle liefen heiss. Die 520 Angestellten am Hauptsitz in Thun und die Geschäftsleitung mussten mit ansehen, wie externe Faktoren den Aktienkurs ihres Arbeitgebers in Schieflage brachten.

Der Aktienkurs hat sich seit Januar halbiert

Die jüngste Entwicklung nährt im Berner Oberland Befürchtungen. Dabei ist man sich bei Meyer Burger ja einiges gewohnt. In den vergangenen drei Wochen büsste deren Aktie an der Börse 43 Prozent ein. Und seit Jahresbeginn hat sich der Wert der Firma mit einem Kursverlust von 55 Prozent mehr als halbiert.

Auch die Geschäftszahlen des laufenden Jahres geben keine Entwarnung. Die Verlustphase hält seit längerem an: Im ersten Halbjahr 2014 schrieb Meyer Burger einen Betriebsverlust von 88,1 Millionen Franken. Der Auftragseingang betrug bei Jahreshälfte bescheidene 156,8 Millionen Franken.

Solarbranche steckt trotz Wachstum in der Krise

Was ist los in dieser Branche, wo doch die Nachfrage nach Solarenergie weltweit wächst? «In den letzten Jahren wurde eine Überkapazität an Produktionsanlagen geschaffen. Deshalb kann die steigende Nachfrage nach Solarmodulen mit den bestehenden Anlagen bedient werden», sagt Panagiotis Spiliopoulos, Leiter Research bei Vontobel Investmentbanking. Zudem gebe es noch immer zu viele Player.

Bis Börsenschluss erholte sich der Kurs zwischenzeitlich um ein paar Prozentpunkte – doch am Ende schloss die Aktie bei 4.46 Franken. Man arbeite weiter hart, um die Kunden bestmöglich zu bedienen und zu unterstützen, liess Meyer Burger verlauten.

«Es sieht schlecht aus», sagt derweil Panagiotis Spiliopoulos. «Firmenchef Peter Pauli spricht seit langer Zeit vom Silberstreifen am Horizont.» Doch die Grossaufträge würden weiterhin ausbleiben. Zudem verbrauche die Firma monatlich zwischen acht und zehn Millionen Franken Kapital. «Wegen des tiefen Ölpreises verliert die Solarenergie relativ zu fossiler Energie an Attraktivität. Gerade im mittleren Osten verzögern sich deshalb die erhofften Grossaufträge», so der Finanzanalyst. «Ohne Grossaufträge dürfte Meyer Burger auch 2015 zu wenig Umsatz erwirtschaften, um die Gewinnschwelle zu erreichen.»

Berner Zeitung

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