Schild reagiert auf Zalando

Die tradi­tionellen Modehäuser leiden unter Internethändlern wie Zalando. Ihr Problem ist, dass viele Kunden gar nicht wissen, dass sie einen Internetshop haben. Nun stellt Schild Touchscreen-Computerbildschirme in die Filialen.

Schild-Chef Reto Braegger sagt: «Wenn ein Kunde die passende Grösse eines Kleidungsstücks in der Filiale nicht gefunden hat, verzichtete er bislang oft auf einen Kauf. Inskünftig wird die Verkäuferin mit dem Kunden zum Bildschirm gehen und mit ihm die Bestellung des passenden Teils auslösen.»

Schild-Chef Reto Braegger sagt: «Wenn ein Kunde die passende Grösse eines Kleidungsstücks in der Filiale nicht gefunden hat, verzichtete er bislang oft auf einen Kauf. Inskünftig wird die Verkäuferin mit dem Kunden zum Bildschirm gehen und mit ihm die Bestellung des passenden Teils auslösen.»

(Bild: Beat Mathys)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Der Modehandel muss sich neu erfinden. Vor allem seit Onlinehändler wie Zalando den Markt aufgemischt haben. Die meisten traditionellen Modehäuser ­­­ha­ben den Onlinetrend verschlafen. Umso energischer versuchen sie jetzt, Gegensteuer zu geben.Mittlerweile verfügen auch die alteingesessenen Modehäuser über ganz passable Onlineshops. Doch ihr Problem ist, dass nur ein kleiner Teil der Kunden dies weiss und ein noch kleinerer Teil die Shops auch nutzt.

Das will das Modehaus Schild nun ändern. Die Migros-Tochter hat in den letzten Wochen in allen 31 Filialen Touchscreen-Computerbildschirme installiert. Diese sind grosszügig bemessen und schräg an einem Tisch montiert. Und senden die Botschaft aus: «Schild hat im Fall auch einen Onlineshop». Schild ist das erste Modehaus in der Schweiz, welches solche Bildschirme in den Filialen installiert.

Schild-Chef Reto Braegger will, dass auch das Verkaufspersonal den Bildschirm nutzt: «Wenn ein Kunde die passende Grösse eines Kleidungsstücks in der Filiale nicht gefunden hat, verzichtete er bislang oft auf einen Kauf. Inskünftig wird die Verkäuferin mit dem Kunden zum Bildschirm gehen und mit ihm die Bestellung des passenden Teils auslösen», sagt er. Die Pakete werden von der Post am Folgetag ausgeliefert.

Erste Erfolge

Braegger ist erfreut, wie die Kunden bislang das neue Angebot aufgenommen haben: «Rund drei Prozent des Umsatzes in den neu ausgerüsteten Filialen haben wir über die Grossbildschirme erzielt», sagt er. Zum Vergleich: Schild erzielte im vergangenen Jahr rund zehn Prozent des Jahresumsatzes aller Schild-Filialen über den ­Onlinekanal. Insgesamt erzielt Schild einen Umsatz von 165 Millionen Franken.

Und was sagt Braegger Kundinnen, die vom Shopping mit einem Erfolgserlebnis, sprich neuen Kleidern, nach Hause kommen wollen? Diese muss er etwas vertrösten. Sein Ziel ist es, dass Schild künftig die Ware am gleichen Tag ausliefert. «Die Kundin könnte somit ihren Einkauf schon vor der Haustüre vorfinden, sobald sie vom Shopping nach Hause zurückkehrt», sagt er. Wann dies so weit sein wird, weiss er indes noch nicht.

Zehn Prozent weniger Ware

Die Bildschirme werden es Schild zudem ermöglichen, die Filialen leicht anders zu gestalten: «Wir werden rund zehn Prozent weniger Ware in den Läden haben», sagt der Schild-Chef. Die Reduktion des Sortiments betrifft vor allem weniger nachgefragte Produktekategorien. «Der Kunde wird von der Reduktion des Sortiments in der Regel kaum etwas spüren», betont Reto Braegger. Bei den kleineren Filialen sieht er den Bildschirm als Chance: «Sie können den Kunden ab sofort das gesamte Sortiment anbieten», sagt er.

Den freigespielten Platz will der Schild-Chef nutzen, um die Filialen wohnlicher zu gestalten. So plant Braegger, in der Damenabteilung Sitzgruppen einzurichten. Dies mit dem Ziel, dass sich quengelnde Männer dort gemütlich einrichten können und deren Frauen in aller Ruhe ihren Einkauf fortsetzen können.

Die Zukunftsvision

Für Braegger ist diese Offensive aber erst ein Anfang. So denkt man bei Schild bereits darüber nach, wie man einen Kunden auf Wunsch ausmessen könnte, sodass ihm der Onlineshop – sei es in der Filiale oder zu Hause – die passende Grösse vorschlägt. Doch das ist Zukunftsmusik. Vor allem die männlichen Kunden, die den Kleiderkauf möglichst rasch hinter sich bringen wollen, würden es Schild ­sicher danken.

Berner Zeitung

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