Sawiris nimmt Infos vom Netz

Hintergrund

Bis vor wenigen Tagen konnte man im Internet Bilder von Samih Sawiris’ Tourismusprojekt in Andermatt anschauen. Damit ist nun Schluss.

Bangt um die Reservationen seiner Appartements: Samih Sawiris.

Bangt um die Reservationen seiner Appartements: Samih Sawiris.

(Bild: Keystone)

René Staubli

Wie haben sich die Unruhen im arabischen Raum auf die Wohnungsverkäufe in Samih Sawiris Tourismusresort in Andermatt ausgewirkt? Lähmend, ist man versucht zu sagen, wenn man die Angaben auf der Internetsite der Andermatt Swiss Alps AG zum Massstab nimmt: Danach konnten seit Ende Januar keine zusätzlichen Umsätze mehr erzielt werden; per 29. März ging die Zahl der verkauften oder reservierten Objekte sogar leicht zurück. Besonders auffällig ist, wie viele Reservationen für Appartements in den geplanten 42 Häusern abhanden gekommen sind.

Dabei hatte sich Sawiris grosse Ziele gesetzt. Ende Januar sagte er an einer Medienkonferenz, er rechne im Jahr 2011 mit weiteren 120 Millionen Franken Umsatz. Damals hatte er gerade eben die 100-Millionen-Marke erreicht, indem er seinem Bruder eine Villa verkaufte. Vor einigen Tagen hat die Andermatt Swiss Alps AG die Verkäufe und Reservation plötzlich vom Netz genommen. Kommunikationschefin Ursi Ineichen begründet den Entscheid so: «Die Angaben im Internet führen immer wieder zu Missverständnissen.» Samih Sawiris bestätigt Ineichens Angaben telefonisch aus Oman. Es sei schädlich für das Geschäft, die Fortschritte permanent im Internet zu zeigen. Zu Beginn habe man das noch gemacht, weil die Neugierde des Publikums so gross gewesen sei. Nun habe man bewiesen, dass man erfolgreich geschäfte. Seit Januar bewirtschafte man die Angaben im Internet nicht mehr. Dagegen spricht allerdings, dass sich die Eintragungen seither dennoch verändert haben.

Diskreter Schweizer Immobilienmarkt

Im Schweizer Immobilienmarkt sei es üblich, bezüglich des Stands der Reservationen und Verkäufe Diskretion walten zu lassen, sagt Sawiris. Der Chef einer grossen Zürcher Immobilienberatungsfirma differenziert: Im Segment der preisgünstigen Wohnungen sei der Aufwand in der Regel zu gross, um die Verkäufe im Internet transparent zu machen. Im gehobenen Segment sei es gang und gäbe, dies ins Netz zu stellen. Im Hochpreissegment wiederum, in dem auch Sawiris’ Tourismusprojekt angesiedelt ist, sei es «nicht unbedingt üblich». Die Frage, was davon zu halten sei, dass Sawiris den Reservations- und Verkaufsstand zuerst ins Netz gestellt und nun wieder entfernt habe, beantwortet der Immobilienexperte so: «Entweder läuft der Verkauf sehr gut, oder Sawiris hat es satt, den Journalisten Angriffsfläche zu bieten.»

Investitionen von 100 Millionen

Der ägyptische Unternehmer sagt, man erkläre den Interessenten im persönlichen Gespräch, welche Appartements, Wohnungen und Villen zu welchen Konditionen zu haben seien. Die Reservations- und Verkaufszahlen seien künftig Teil der Halbjahresberichte; der erste erscheine nächsten Juni. Sawiris ist zuversichtlich: Das Interesse am Andermatter Projekt sei weitherum gross.

Vor einigen Tagen hatte die Andermatt Swiss Alps AG bekannt gegeben, die Bauarbeiten auf dem Gelände des Hotel Chedi seien wieder aufgenommen worden. Man habe Aufträge für 57 Millionen Franken vergeben. Insgesamt sollen in diesem Jahr 100 Millionen in das Tourismusresort fliessen.

Tages-Anzeiger

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