Sawiris muss wieder einspringen

Hintergrund

Der Immobilien- und Hotelkonzern leidet unter den Unruhen in Ägypten. Wegen der schlechten Zahlen hat sich Mehrheitsaktionär Samih Sawiris verpflichtet, 2014 mindestens 40 Millionen Franken einzuschiessen.

Orascom-Mehrheitsaktionär Samih Sawiris will auch im neuen Jahr allfällige Verluste decken: Der Ägypter auf der Baustelle des Hotels Chedi in Andermatt.

Orascom-Mehrheitsaktionär Samih Sawiris will auch im neuen Jahr allfällige Verluste decken: Der Ägypter auf der Baustelle des Hotels Chedi in Andermatt.

(Bild: Keystone)

Andreas Möckli@AndreasMoeckli

Die Situation für Samih Sawiris ist ungemütlich. Der Immobilien- und Hotelkonzern Orascom, an dem der Ägypter knapp 63 Prozent hält, rutscht immer tiefer in die roten Zahlen. In den ersten neun Monaten hat sich der Verlust um knapp 30 Prozent auf 75,7 Millionen Franken ausgeweitet. Der Umsatz sank um 13 Prozent auf 164,7 Millionen Franken.

Auslöser der schwachen Ergebnisse sind die Unruhen in Ägypten, wo Orascom den Grossteil seiner Erträge erwirtschaftet. So sank die Auslastungsrate der Hotels auf 53 Prozent, weil zahlreiche Länder vorübergehend Reisewarnungen für Ägypten ausgesprochen hatten. Zum Vergleich: In guten Zeiten waren die Hotels zu 85 Prozent ausgelastet. Noch schwächer entwickelte sich das Immobiliengeschäft, dessen Umsatz um 30 Prozent einbrach. Der Grund sind hier geringere Verkäufe in Oman und eine kleinere Zahl an Übergaben von Immobilien in Ägypten und Oman.

Kurzfristig ist keine Erholung absehbar. Im Oktober bewegten sich die Auslastungsraten weiter unter Vorjahresniveau. Aufgrund des Verlusts ist die Nettoliquidität zwischen dem zweiten und dritten Quartal von 74 auf 53 Millionen gesunken. Die instabile Situation in Ägypten dürfte sich auch in den kommenden Monaten negativ auswirken. «Ich gehe davon aus, dass auch die Wintersaison für Orascom schlecht ausfallen wird», sagt Patrick Hasenböhler, Analyst bei der Bank J. Safra Sarasin.

Bessere sich die Situation in Ägypten nicht rasch, werde die Firma auf weitere Mittel von Sawiris angewiesen sein, sagt Hasenböhler. Im laufenden Jahr hat der Ägypter sich verpflichtet, 60 Millionen Franken zur Verfügung zu stellen. Davon werde Orascom rund 40 Millionen Franken benötigen, sagte Firmenchef Gerhard Niesslein an einer Telefonkonferenz. Für 2014 wird Sawiris nochmals 60 Millionen Franken bereit stellen, wobei die Firma davon ausgeht, erneut 40 Millionen Franken zu beanspruchen.

Auch im dritten Quartal ist der Ägypter eingesprungen. So hat er Orascom eine Beteiligung von 70 Prozent am Projekt in Rumänien abgekauft. Bereits Anfang Jahr hat Sawiris 51 Prozent des Projekts in Andermatt von Orascom übernommen. Dazu hat er seinen Kredit von 125 Millionen Franken an Orascom in Eigenkapital der Betreibergesellschaft Andermatt Swiss Alps umgewandelt. Zudem hat er weitere 150 Millionen eingeschossen, um die Finanzierung der Bauarbeiten bis 2017 sicherzustellen. Neben dem Chedi sind in Andermatt 5 neue Hotels, 42 Wohnhäuser mit 490 Appartements und 25 Villen geplant.

Für die finanzielle Lage von Orascom sei der Verkauf solcher Projekte positiv, sagt Hasenböhler. Gleichzeitig bleibt so aber die Abhängigkeit des Unternehmens von Ägypten bestehen.

Schulden senken und Kosten sparen

Die Verschuldung ist denn auch einer der wenigen Lichtblicke. Sie sank um 73 auf 351 Millionen Franken. Seit Anfang Jahr hat Orascom Vermögen und Beteiligungen in der Höhe von 63 Millionen Franken verkauft. Daneben hat das Unternehmen Mitte Jahr ein Kostensparprogramm lanciert, um die finanzielle Schieflage zu korrigieren. Insgesamt sollen 50 Millionen Franken eingespart werden.

Was die Situation in Ägypten anbelangt, so gibt sich Orascom zuversichtlich. Die Anstrengungen der Übergangsregierung, das Wirtschaftswachstum zu stärken, seien positiv. Der Entwurf einer neuen Verfassung und die erwarteten Wahlen im Frühling vermittelten den Eindruck, dass das Land in der Lage sei, die Stabilität wiederherzustellen und die Sicherheit nachhaltig zu garantieren. Zudem hätten mehrere Länder, darunter auch die Schweiz, die Reisebeschränkungen für Ägypten wieder gelockert.

Würden sich die positiven Entwicklungen bestätigen, sei Orascom gut positioniert, um von der wirtschaftlichen Erholung zu profitieren und «zu alter Stärke zurückzukehren». Helfen wird auch die Eröffnung dreier neuer Hotels, die ab dem neuen Jahr für frische Einnahmen sorgen dürften. Neben dem Chedi in Andermatt wird je ein Hotel in Oman und in Ägypten eröffnet.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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