Sawiris muss Millionen einschiessen

Der Bau- und Hotelkonzern Orascom fährt einen Verlust von 97,2 Millionen Franken ein. Samih Sawiris deckt das Defizit mit mindestens 150 Millionen Franken.

Grosses Hotelprojekt: Samih Sawiris in Andermatt. (26. November 2012)

Grosses Hotelprojekt: Samih Sawiris in Andermatt. (26. November 2012)

Samih Sawiris kümmert sich wieder persönlich um das Tourismusprojekt in Andermatt und wirft mindestens 150 Millionen Franken zum Ausbau bis 2017 ein. Dies nährt Zweifel an den Perspektiven seines Immobilienentwicklers Orascom Development.

Orascom fehle es wegen des sehr schwierigen Umfelds im Heimmarkt Ägypten und weiteren Ländern an den nötigen Erlösen, um alle geplanten Investitionen selber finanzieren zu können, räumte Konzernchef Gerhard Niesslein an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich ein.

In Andermatt UR stehen die Fertigstellung des Chedi-Hotels sowie der Bau von Klubhaus, Villen, Sportzentrum, Golfplatz und Skianlagen an. Nur ein Jahr nach dem Rückzug übernimmt Sawiris bei der Andermatt Swiss Alps (ASA) und damit beim Tourismusprojekt das Zepter wieder in die eigene Hand.

Er wandelt bestehende Kredite an der börsenkotierten Orascom, die ihm zusammen mit seiner Familie mehrheitlich gehört, in Eigenkapital von ASA um. Sawiris erhält damit eine Mehrheit von 51 Prozent an ASA. Gleichzeitig übernimmt er das Verwaltungsratspräsidium.

Vor- und Nachteile

Orascom verbleiben die restlichen 49 Prozent. Der Konzern kann damit zwar Schulden abbauen und die Kapitalkosten drücken. Auf der anderen Seite schwäche dieser Schritt einen wichtigen Wachstumstreiber des Unternehmens, kommentierte UBS-Analyst Rudolf von Rohr laut der Finanznachrichtenagentur AWP.

Für Patrick Hasenböhler von der Bank Sarasin ist das schwache Jahresresultat ein Ausdruck der Summe an Problemen, mit welchen Orascom konfrontiert sei. Trotz Zugeständnissen von Sawiris sei es schwierig, positive Impulse auszumachen.

Die angekündigte Transaktion unterstreiche, dass man als Orascom-Aktionär «auf Gedeih und Verderben» den Plänen von Samih Sawiris ausgeliefert sei, kommentierte ZKB-Analyst Marco Strittmatter. Für ihn ist das Ergebnis des Immobilienentwicklers mit einem Verlust von 97,2 Millionen Franken schlechter als erwartet ausgefallen. Die Orascom-Aktie verlor bis am Mittag 3,4 Prozent.

Weitere Defizite

Für 2013 geht das Unternehmen von einem Defizit von 60 Millionen Franken aus, nach der Teil-Dekonsolidierung von Andermatt Swiss Alps. Sawiris werde auch für das erwartete Cash-Defizit von 40 bis 50 Millionen Franken im Jahr 2014 gerade stehen, sagte Niesslein. Danach soll die Firma mit Fokus auf Projekte in Ägypten und Oman aber wieder auf eigenen Füssen stehen können.

Bis zum arabischen Frühling habe Orascom sehr erfolgreich gearbeitet, erklärte Niesslein. Seither ist die Hotelbett-Auslastung deutlich gesunken und auch die Immobilienverkäufe nahmen markant ab. Um die Kostenbasis anzupassen, habe Orascom allein im vergangenen Jahr die Zahl der Vollzeitstellen um 600 gedrückt.

In Andermatt konnte 2012 lediglich der Verkauf von 14 Apartments unterzeichnet werden, nach 28 im Vorjahr. Die restlichen 73 Apartments der Chedi-Anlage in Andermatt wurden beim Investor Acuro parkiert, an dem Sawiris beteiligt ist.

Die Leute warteten offenbar auf die Fertigstellung und den Ausbau der Skianlagen, auch die Zweitwohnungsinitiative habe für Unsicherheit gesorgt, sagte Niesslein. Mit dem Chedi-Hotel soll nun im Dezember ein erster Teil des Projekts in Betrieb gehen.

kle/sda

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