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Rüstungs-Manager verzweifelt gesucht

Der Schweizer Rüstungskonzern Ruag hat ein Problem. Er findet seit Monaten keinen neuen Chef. Sind 850'000 Franken Lohn pro Jahr zu wenig für den Job?

«Der Lohn des neuen Chefs wird die Millionenschwelle nicht überschreiten»: Darum findet sich auch keiner.
«Der Lohn des neuen Chefs wird die Millionenschwelle nicht überschreiten»: Darum findet sich auch keiner.
Keystone

Einen schönen Titel hat die Ruag ihrem Verwaltungsratspräsidenten verliehen: Konrad Peter amtet derzeit als «Executive Chairman» – als Präsident und Chef zugleich. Auf diese Verlegenheitslösung musste das Rüstungs- und Technologieunternehmen zurückgreifen, weil Konzernchef Lukas Braunschweiler im letzten Juli überraschend die Kündigung eingereicht hatte.

Schleppende Kandidatensuche

Während Braunschweiler im November seinen neuen Posten als Chef des Hörgeräteherstellers Sonova antrat, war der Chefsessel des Rüstungskonzerns noch unbesetzt. Und auch bei der gestrigen Präsentation der Ruag-Jahreszahlen konnte «Executive Chairman» Peter noch keinen Nachfolger präsentieren. «Ich muss Sie leider enttäuschen», sagte er den Journalisten. Peter begründete die lange Suche damit, dass der neue Chef – oder die neue Chefin – vier Bedingungen erfüllen muss:

  • Der Kandidat muss einen Schweizer Pass haben, weil der Ruag-Chef mit militärischen Geheimnissen vertraut ist.
  • Er muss über industrielle Erfahrung verfügen – «nicht bei einem KMU» –, und dies möglichst in Verbindung mit Auslanderfahrung.
  • Der künftige Chef darf sich vom politischen Umfeld nicht abschrecken lassen. Einerseits ist der Bund Eigentümer des Unternehmens, andererseits ist das VBS mit Abstand der grösste Kunde. Die Angst, dass «zu viele Leute dreinreden», sei aber unbegründet, sagte Peter.
  • Und der Kandidat muss sich mit einem Lohn abfinden, der laut Peter in einem privatwirtschaftlichen Unternehmen deutlich höher wäre.

Besonders die Kombination dieser vier Bedingungen scheint schwierig zu sein. Peter nennt dabei die Höhe des Lohns als Hauptproblem. 2010 verdiente der damalige Ruag-Chef Braunschweiler 848'000 Franken.

De facto ein Lohndeckel

Was in absoluten Zahlen eigentlich sämtliche Ansprüchen decken müsste, ist im Quervergleich für einen Konzern mit 1,8 Milliarden Franken Umsatz eher wenig. Erwin Stoller etwa, Chef und Verwaltungsratspräsident des Textilmaschinenherstellers Rieter (1,0 Mrd. Franken Umsatz), verdiente letztes Jahr 1,5 Millionen Franken. Peter Pauli, Chef des Solarindustrie-Zulieferers Meyer Burger (1,3 Mrd. Franken Umsatz), kam auf knapp 1,1 Millionen Franken, und Heinz Loosli, Chef des deutlich kleineren Autozulieferers Feintool (360 Millionen Franken Umsatz), erhielt 926'000 Franken.

Beim Lohn habe er nur wenig Spielraum, sagt Ruag-Präsident Peter. «Der Lohn des neuen Chefs wird die Millionenschwelle nicht überschreiten.» Dem ist so, weil die Löhne der Ruag-Geschäftsleitung der Kaderlohnverordnung des Bundes unterstehen.

Die nächste Kandidatenrunde

Bei der Entlöhnung müssen laut Verordnung unter anderem auch die Löhne der obersten Beamten sowie die Unternehmensgrösse «berücksichtigt» werden. Daraus lässt sich auch ableiten, dass der Ruag-Chef nicht mehr als die Chefs der weitaus grösseren Konzerne Post und SBB verdienen darf (Cheflöhne 906'000 bzw. 957'000 Franken).

Auch von den vier Divisionsleitern, die Schweizer sind, ist niemand im Rennen – ihnen fehle langjährige internationale Erfahrung, wie Peter im Gespräch mit dem «Tages-Anzeiger» sagt, «und sie werden in ihren Divisionen gebraucht». Laut Peter folgt nun eine nächste Kandidatenrunde.

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