Postfinance sucht neue Geldquellen

Die Eigenmittel der Bank müssen gestärkt werden. Doch ein Teilverkauf des staatlichen Instituts scheint in der Politik kaum Chancen zu haben.

Postfinance-Chef Hansruedi Köng will Kredite vergeben. Foto: Marco Zanoni / Lunax

Postfinance-Chef Hansruedi Köng will Kredite vergeben. Foto: Marco Zanoni / Lunax

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Bankenregulierung ist ein schwieriges Geschäft. Man löst ein Problem und schafft gleich ein neues. So geschehen bei der Postfinance, der Finanztochter der Post. Die vom Bundesrat verabschiedete Eigenmittelverordnung sorgt dafür, dass die staatliche Bank bis zu 2 Milliarden Franken zusätzliches Eigenkapital braucht. Dieser Risikopuffer soll dafür sorgen, dass die Postfinance im Krisenfall die Mittel hat, um ihr Zahlungsverkehrssystem zu betreiben. Doch: Wo soll das Geld herkommen?

Ende März hat die Führung der Postfinance dem zuständigen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation einen Bericht mit Vorschlägen dazu vorgelegt. Im Juni soll der Bundesrat sich über das Geschäft beugen, um dann dem Parlament einen Vorschlag zu unterbreiten. Der Bericht enthält politischen Sprengstoff.

Das Papier beschreibt drei Varianten zur Geldbeschaffung. Die erste ist die einfachste: Der Bund vergibt einen Verpflichtungskredit. Er verspricht so, im Krisenfall das Geld der Postfinance einzuschiessen. Die zweite Option wäre, dass die Postfinance die Mittel aus eigener Kraft verdient. Dafür muss die Postfinance mehrere Jahre einen Teil des Gewinns von zuletzt 420 Millionen Franken einbehalten. Damit würde aber der Post Geld fehlen, um dem Bund die Dividende von jährlich 200 Millionen Franken zu bezahlen. Die Postfinance ist der wichtigste Gewinnlieferant im Konzern.

Bundesrätin Doris Leuthard hält eine Teilprivatisierung der Postfinance für schwierig.  

Option drei ist die politisch heikelste: eine Teilprivatisierung der Postfinance. Damit Investoren bei der Postfinance anbeissen, müsste das Institut die Erlaubnis bekommen, Kredite und Hypotheken zu vergeben. «Unsere Präferenz wäre, dass der Bund vollständig Eigentümer bleibt, aber gleichzeitig das Kreditverbot fällt», sagt Postfinance-Chef Hansruedi Köng gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnet. «Sollte der Preis für die Aufhebung des Endes des Kreditverbots jedoch eine Teilprivatisierung sein, wären wir dazu bereit.»

Unerwünschter Konkurrent

Noch hat der Bundesrat seine Meinung dazu nicht gebildet. Aber die zuständige Ministerin Doris Leuthard sagte am Rande einer Veranstaltung des Zürcher Clubs der Wirtschaftsjournalisten, sie halte eine Privatisierung für «schwierig». Leuthard verwies auf den gesetzlichen Grundauftrag der Postfinance, für die Schweiz ein Zahlungsverkehrssystem zu betreiben. Vor einer Privatisierung müsste dieser gestrichen werden. Leuthard zeigte sich auch kritisch, der Postfinance den Einstieg ins Kreditgeschäft zu erlauben. Dies würde massiven Widerstand der Banken heraufbeschwören. So verweist zum Beispiel der Verband der Regionalbanken darauf, dass es in der Schweiz keinen neuen staatlichen Player im Hypothekengeschäft brauche. Schon jetzt sei der Wettbewerb im Hypothekenmarkt, der rund 1 Billion Franken umfasst, sehr hart.

Neben Versicherungen steigen auch Pensionskassen ein und drücken die Zinsen. Laut Bankenexperte Andreas Venditti von der Bank Vontobel wäre ein Einstieg der Postfinance für die Kunden wohl eine gute Nachricht: «Der Preisdruck dürfte zunehmen.»

Ausbau des Anlagegeschäfts

Die Postfinance-Führung will dringend in den Kreditmarkt einsteigen, um ihre Kundeneinlagen profitabel anlegen zu können. Ohne Kredite ist die Post auf Investments in Anleihen angewiesen. Und die werfen immer weniger ab. Allein im vergangenen Jahr sank das Zinsergebnis um 77 Millionen Franken. Auch ohne Erlaubnis, ins Kreditgeschäft einsteigen zu dürfen, muss Postfinance-Chef Köng versuchen, die sinkenden Zinseinnahmen auszugleichen. «Wir werden das Anlagegeschäft ausbauen und dazu unter anderem eine eigenen Robo-Advisor starten», kündigt Köng an.

Ein Robo-Advisor ist eine Software, die einem Bankkunden bei der Zusammenstellung seines Portfolios hilft. Zwar hat die Postfinance eine Kooperation mit der Online­bank Swissquote. Doch der Robo-Advisor könne auch von einem Anbieter kommen, heisst es von der Post-Tochter. Derzeit läuft der Auswahlprozess. 2019 soll das neuen Angebot dann starten.

Noch einige Baustellen

Mit dem neuen Angebot hofft Köng, mittelfristig das Volumen der verwalteten Vermögen von derzeit zehn Milliarden Franken zu verdoppeln. «Die Zusatzerträge werden aber nicht reichen, um den Ertragsrückgang im Zinsengeschäft zu kompensieren», warnt Köng.

Ein Selbstläufer werde das Angebot nicht, meinen Experten: «Die Postfinance wird nicht als Anlagebank angesehen», sagt Vontobel-Analyst Venditti. «Dieses Image zu ändern, dazu sind ein grosser Werbeeffort und viel Zeit nötig.» Neben ihrer Kapitalausstattung hat die Bank also noch so einige Baustellen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.04.2018, 19:22 Uhr

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