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Olivenöl wird 60 Prozent teurer

Fliegen haben den Ölproduzenten in Italien die Ernte vermiest. Dies bekommen die Konsumenten zu spüren.

Die Maschinen der Biobauern im toskanischen Fiesole stehen still: Olivenöl von Cesare Buonamici.
Die Maschinen der Biobauern im toskanischen Fiesole stehen still: Olivenöl von Cesare Buonamici.

Normalerweise läuft die Olivenpresse von Cesare Buonamici bis Weihnachten auf Hochtouren. Doch dieses Jahr stehen die Maschinen des Biobauern im toskanischen Fiesole schon lange still. Grund: Die Olivenfliege hat einen Grossteil der Ernte vernichtet.

«Wir haben nur halb so viel wie sonst produziert», sagt Buonamici niedergeschlagen. So wie ihm geht es dieses Jahr den meisten Ölproduzenten in Italien.

Am stärksten betroffen sind ausgerechnet die Toskana und Umbrien - jene italienischen Regionen, die für Öle der höchsten Güteklasse «natives Olivenöl extra» berühmt sind. Die Missernte ruiniert nicht nur viele Produzenten, auch die Konsumenten bekommen sie zu spüren. «Der Preis wird für die Konsumenten um über 60 Prozent steigen», schätzt Buonamici.

Weiter südlich von Fiesole ist die Lage noch schlechter. «Das ist das einzige Öl, das noch übrig ist und das ist vom letzten Jahr», sagt Federico Leszczynski und hält eine halb leere Flasche dicken grünen Öls hoch. «Dieses Jahr haben wir keine einzige Flasche produziert.»

Leszczynski ist Agrarwissenschafter auf dem Landgut Tenuta Ronci. In guten Jahren können mit der Ernte von 1700 Olivenbäumen 10'000 Halbliterflaschen Öl bester Qualität abgefüllt werden - die Flasche zu acht Euro.

Massiver Einbruch

«Die Leute reden von einem Rückgang von 35 Prozent in der Produktion in ganz Italien. Das halte ich für optimistisch. Hier in der Gegend werden es 70 bis 80 Prozent sein», sagt Leszczynski. «Wir haben uns entschlossen, dieses Jahr gar kein Öl zu produzieren, da es sich gar nicht lohnte, die wenigen brauchbaren Oliven zu ernten.»

Wie stark sich die Olivenfliege ausbreitet, hängt sehr vom Wetter ab. Die Kombination aus sehr heissen Sommern und kalten Wintern hält den Schädling in Süditalien normalerweise unter Kontrolle. Doch dieses Jahr spielte das Wetter im Sommer verrückt. Es war kühl und regnete viel - ideale Bedingungen für die kleinen Fliegen.

Sie durchstechen die Haut der Oliven und legen ihre Eier darin ab, die dann in der Frucht zu Larven heranwachsen. Befallene Früchte fallen oft vorzeitig vom Baum und sind zudem anfälliger für Pilze. «Das Öl schmeckt dann oft ranzig, das merken selbst Laien», sagt der Agrarwissenschafter Leszczynski.

In Italien wird darüber diskutiert, ob die Olivenbauern die Schädlinge nicht besser mit Insektiziden und Fliegenfallen hätten bekämpfen können. Gegen einen Feind, der unter optimalen Bedingungen arbeitet, seien die Produzenten machtlos, weist Leszczynski die Vorwürfe zurück. «Da wären so viele Massnahmen nötig gewesen, das wäre sehr teuer und schlecht für die Umwelt gewesen und am Ende hätte es Rückstände im Öl geben können.»

Griechenland und Tunesien möchten profitieren

Auch in Spanien, das vergangenes Jahr die Hälfte der weltweiten Gesamtproduktion an Olivenöl lieferte, fällt die Ernte dieses Jahr miserabel aus. In Griechenland und Tunesien hingegen freuen sich die Olivenbauern über reiche Erträge und hoffen, den Italienern als Produzenten der edelsten Öle den Rang streitig zu machen.

Die hohen Preise für das von Feinschmeckern und Medizinern gleichermassen gepriesene Öl «extra vergine» sind auch Anreiz für Landwirte in anderen Weltregionen, es mit Oliven zu versuchen. Landwirtschaftsexperten sind sich einig: Australien, wo es traditionell gar keine Olivenhaine gab, wird zum grossen Ölproduzenten aufsteigen.

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