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«Neu zusammenstellen – und zwar schnell»

In den USA wird fieberhaft an einem neuen Rettungsplan für die Finanzbranche gearbeitet. Eine Einigung könnte am Wochenende zustande kommen.

Die Abgeordneten müssten unbedingt handeln, erklärte US-Präsident George W. Bush am Dienstag. Das Repräsentantenhaus hatte das 700 Milliarden-Dollar-Paket am Montagabend abgelehnt, wobei der grösste Widerstand aus Bushs eigener republikanischer Partei kam.

Die Wirtschaft warte auf ein «entschlossenes Handeln» von Seiten der Regierung, sagte Bush. Den Bürgern der USA und in aller Welt wolle er versichern, dass dies nicht das Ende des parlamentarischen Verfahrens sei.

Weitere Optionen werden geprüft

Zuvor hatte die Regierung bereits einen weiteren Anlauf gestartet, um den Kongress zur Annahme ihres Plans zu bewegen. «Wir arbeiten daran, eine Strategie zu entwickeln», erklärte Bush am Montag. Finanzminister Henry Paulson ergänzte: «Wir müssen etwas neu zusammenstellen, was funktioniert - so schnell wie möglich.»

Ein Sprecher des Weissen Hauses sagte, Paulson und andere ranghohe Mitarbeiter der Regierung führten mit der Führung von Repräsentantenhaus und Senat Gespräche, wie der Rettungsplan doch noch durch den Kongress gebracht werden könne. Auch andere Optionen zur Stabilisierung der Finanzmärkte würden diskutiert. Die Abgeordneten zogen sich am Dienstag für einen Feiertag zurück und wollten erst am Donnerstag wieder zu einer Sitzung zusammenkommen.

Schuldzuweisungen der Präsidentschaftskandidaten

Nach dem Scheitern des Regierungsplans im Repräsentantenhaus machten sich die Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain gegenseitig für das Desaster verantwortlich. Obama warf seinem republikanischen Rivalen vor, seit 20 Jahren gegen eine Regulierung des Finanzsystems gekämpft zu haben. «Senator, von welcher Wirtschaft sprechen Sie?» fragte Obama, der in Umfragen vor McCain liegt. Die USA könnten es sich nicht leisten, dass McCain diese Politik als Präsident fortsetze.

McCain konterte, der Demokrat stelle nicht das Land, sondern seine persönlichen Ziele an die erste Stelle. Der Präsidentschaftswahlkampf könne auf einen Nenner gebracht werden: «Das Land zuerst oder Obama zuerst?», sagte McCain und warf seinem Konkurrenten und den Demokraten vor, einen unnötigen Parteienstreit in die Diskussion hineingebracht zu haben.

Im Repräsentantenhaus hatten zwei Drittel der Republikaner gegen das 700-Milliarden-Dollar-Paket gestimmt. Bei den Demokraten waren 40 Prozent dagegen.

«Die allerbeste Lösung für dieses Land»

Die republikanische Abgeordnete Marsha Blackburn, die gegen das Rettungspaket gestimmt hatte, erklärte, es könne doch noch einen Kompromiss geben. Möglicherweise einigten sich die Parteien bis zum Wochenende. Ihr Parteikollege Tom Price, der ebenfalls mit Nein gestimmt hatte, sagte, es sei wichtiger, die Abstimmung richtig hinzubekommen als sie schnell über die Bühne gehen zu lassen. Die Republikanerin Marilyn Musgrave sagte: «Wir versuchen, uns die allerbeste Lösung für dieses Land auszudenken.»

Das Platzen des von Bush und Spitzenpolitikern beider Parteien ausgehandelten Rettungsplans löste am Montagabend an der Wall Street ein Beben aus; der Dow-Jones-Index schloss mit dem Rekordverlust von 777,68 Punkten oder 6,98 Prozent. Es war - gemessen in Punkten - der stärkste Einbruch in der Geschichte der New Yorker Börse, der sogar noch den Rückgang nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 übertraf.

AP/cpm

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