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Nestlé gibt Milliarden-Übernahme bekannt – Aktie taucht überraschend

Nestlé auf Einkaufstour beim US-Pharmariesen Pfizer: Für insgesamt 11,85 Milliarden Dollar kauft der Schweizer Nahrungsmittelkonzern dessen Babynahrungssparte auf.

Wächst in der Sparte Babynahrung: Nestlé (im Bild der Firmensitz in Mailand).
Wächst in der Sparte Babynahrung: Nestlé (im Bild der Firmensitz in Mailand).
Keystone

Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé übernimmt für 11,85 Milliarden Dollar (rund 11 Milliarden Fr.) die wachstumsstarke Babynahrungssparte des US-Pharmariesen Pfizer. Der Kauf bedürfe aber noch der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden, teilte Nestlé am Montag mit.

Mit der Übernahme der Babynahrungssparte des weltgrössten Pharmakonzerns Pfizer erhöht der seinerseits weltgrösste Nahrungsmittelkonzern Nestlé seine Präsenz im Markt der Babynahrung. In den letzten Jahren erzielte Pfizer Nutrition, spezialisiert auf Babymilch und Ergänzungsprodukte für die Mütter, Umsätze von rund 2,1 Milliarden Dollar (1,9 Milliarden Franken).

Bald die Hälfte des Umsatzes in Schwellenländern

Für das Jahr 2012 erwartet Nestlé für das übernommene Geschäft nun gar einen Umsatz von bis zu 2,4 Milliarden Dollar. 85 Prozent seiner Umsätze erwirtschafte Pfizer Nutrition in den aufstrebenden Märkten der Schwellenländer wie China, Thailand und Mexiko mit einer grossen und schnell wachsenden Bevölkerung, erklärte Nestlé.

Die Menschen, die vermehrt in industrielle Arbeitsprozesse eingebunden sind und zunehmend besser verdienen, passen sich westlichen Ernährungsgewohnheiten an. Im ersten Quartal stieg der Nestlé-Umsatz in Schwellenländern um 13 Prozent, während der Konzern in Industrieländern nur um drei Prozent zulegte.

Bis 2020 will Nestlé den Anteil der Schwellenländer am Umsatz von derzeit knapp 84 Milliarden Fr. auf rund 50 Prozent von derzeit etwa 40 Prozent erhöhen. Im letzten Jahr übernahm Nestlé in China den Süsswarenhersteller Hsu Fu Chi und den Getränkeproduzenten Yinlu.

Asien als grösster Markt

Pfizers Babynahrungsgeschäft erzielt 60 Prozent seines Umsatzes in Asien, wie dem Pfizer-Geschäftsbericht zu entnehmen ist. Insbesondere das China-Geschäft ist interessant: Der schnell wachsende chinesische Markt für Babynahrung ist dank jährlich rund 16 Millionen Neugeborenen derzeit 6 Milliarden Dollar schwer und soll sich bis 2016 verdoppeln.

So verfügt Pfizer Nutrition in China denn auch über einen Produktionsstandort vor Ort, mit dem der lokale Markt beliefert wird. Weitere Standorte befinden sich in den Philippinen, in Singapur, China, Mexico und in Irland. Die Unternehmenszentrale war bisher in Madison im US-Bundesstaat New Jersey angesiedelt.

Marken werden weitergeführt

Ob dies weiter so bleibt, ist derzeit noch nicht klar. Sicher ist jedoch, dass sämtliche 5400 Mitarbeiter von Pfizer Nutrition – das Unternehmen ist in weltweit nahezu 60 Ländern präsent – von Nestlé übernommen werden. Dies teilte Pfizer seinerseits am Montag in einem Communiqué mit. Auch die bestehenden Pfizer-Nutrition-Marken wie S-26, SMA, Promil und Progress will Nestlé gemäss eigenen Angaben weiterführen und zu seinem Produkteportfolio mit Marken wie Gerber, Lactogen oder Cerelac hinzufügen.

Nestlé selbst erzielte mit seinem Babynahrungsgeschäft Nestlé Nutrition im Jahr 2011 einen Umsatz von 7,2 Milliarden Franken, dies vor allem dank zweistelligen Wachstumsraten in den Schwellenländern im Bereich Säuglingsnahrung.

Übernahme war erwartet worden

Die Übernahme von Pfizers Babynahrungssparte war seit längerem erwartet worden. Wer der neue Besitzer sein würde, war jedoch Basis von Spekulationen. Nebst Nestlé hätten sich auch der französische Lebensmittelkonzern Danone und der US-Nahrungsmittelhersteller Mead Johnson das ertragreiche Geschäft gerne einverleibt.

Ende Februar hatten sich die beiden Konzerne gar zusammengetan, um mit Nestlés finanzieller Schlagkraft mithalten zu können. Zuletzt hiess es jedoch verschiedenen Medienberichten zufolge, dass Nestlé den Zuschlag bekommt. Dabei wurde allerdings über einen geringeren Verkaufspreis von rund 9 Milliarden Dollar spekuliert. Beim Preis hatte Nestlé offenbar noch einmal nachlegen müssen, in Dollar gerechnet wurde die Transaktion am Ende zur zweitgrössten Übernahme seit dem Kauf des Tiernahrungsherstellers Ralston Purina für 10,2 Milliarden Dollar im Jahr 2002.

Nestlé-Aktien tauchen

Die Nestlé-Aktientitel sind am Montag mit deutlichen Kursverlusten in den Handel an der Schweizer Börse gestartet. Bei Börsenschluss stand das Wertpapier bei 55,50 Franken und damit 2,8 Prozent tiefer als am Vortag. Geschäftlich ist der Kauf nach Ansicht von Analysten sinnvoll: Der Weltmarkt für Babynahrung wird auf rund 30 Milliarden Dollar geschätzt, bei einem jährlichen Wachstum von rund zehn Prozent. Der Preis sei aber hoch, sagte Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy.

Aber Nestlé erhalte dafür auch ein rentables Geschäft und könne seine Position in Schwellenländern ausbauen. Auf dem chinesischen Markt werde der Konzern zur Nummer drei. Über die nötigen finanziellen Mittel für die Übernahme verfügt Nestlé dank dem Verkauf seines Pharmageschäfts Alcon an den Schweizer Pharmakonzern Novartis für rund 52 Milliarden Dollar im Jahr 2010.

SDA/mrs

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