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Nach Peta-Gruselvideo: Händler verbieten Mohair, Kaschmir & Co.

Händler wie Asos, Zalando und H&M schränken den Verkauf von Kleidung aus tierischen Produkten ein. Tierschützern reicht das noch nicht.

Mohair wird unter teils grausamen Bedingungen von der Angoraziege gewonnen: Angoraziege bei der Schur. (Screenshot: Peta)
Mohair wird unter teils grausamen Bedingungen von der Angoraziege gewonnen: Angoraziege bei der Schur. (Screenshot: Peta)

Die Modeindustrie wendet sich gegen immer mehr tierische Materialien. Nachdem Echtpelz seit Jahren bei vielen Herstellern auf der roten Liste ist, kamen zuletzt Produkte aus Mohair unter Beschuss. Marken wie H&M, Zara und Gap verabschiedeten sich von der Wolle, die von der Angoraziege gewonnen wird und als besonders wärmend gilt. Ab 2020 sollen keine Produkte daraus mehr in ihrem Sortiment zu finden sein.

Sie reagierten damit auf ein Video, das die Tierschutzorganisation Peta veröffentlicht hatte.

Dieses hatte auf sozialen Medien hohe Wellen geschlagen. Die Aufnahmen, die in Südafrika entstanden sind, zeigen die grausamen Bedingungen, unter denen die Mohair-Wolle gewonnen wird. Scherer ziehen die Angoraziegen brutal an den Beinen, Hörnern oder am Schwanz in die Luft. Einigen der Tiere kann so das Rückgrat gebrochen werden. Ausserdem erleiden viele Schnittverletzungen.

Viele Tiere sterben nach Schur

Bauern gaben zu, dass viele Tiere nach der Schur sterben, wenn sie Wind und Wetter ausgesetzt sind und ihren natürlichen Schutz nicht mehr tragen. Ein Schärer gab zudem an, die Tiere vor der Schur zur Reinigung in eine Lösung zu tauchen, die für die Ziegen giftig sein kann. Bis zu 80 Prozent der Ziegen überleben die Schur laut Peta in gewissen Ställen nicht. Das Problem sei demnach bei vielen Schärern, dass sie pro geschorenes Tier und nicht pro Stunde bezahlt würden.

Nach dem Aufschrei über die Produktion von Mohairwolle und dem Verbot dieser bei vielen Händlern geht der britische Onlineshop Asos, der auch in die Schweiz liefert, jetzt noch einen Schritt weiter: Ab Januar 2019 werden auch Produkte aus Federn und Daunen, Seide und Kaschmir nicht mehr über die Plattform verkauft. Diese neue Regelung betreffe einem Sprecher zufolge das globale Sortiment, sprich die rund 850 Fremdmarken, die über die Plattform verkauft werden, sowie Eigenmarken. Auch Schweizer Kunden, die über Asos einkaufen, werden bald keine Produkte aus diesen Materialien mehr finden.

Gänse gerupft, Seidenraupen gekocht

Die Tierschutzorganisation Peta begrüsst den Schritt: «Jedes Jahr nutzen die Mohair-, Kaschmir-, Daunen- und Seidenindustrie unzählige Ziegen, Gänse, Enten und Seidenraupen aus und verursachen diesen fühlenden Wesen unnötige Schmerzen und Leiden», schreiben die Tierschützer.

Denn auch für die feine Kaschmirwolle werden Kaschmirziegen, die mehrheitlich in China und der Mongolei gezüchtet werden, mitten im Winter geschoren. Da sie ihr Fell brauchten, um sich gegen die Kälte zu schützen, würden viele der geschorenen Tiere sterben, so Peta. Junge Tiere mit vermeintlichen Defekten im Fell würden geschlachtet.

Wichtiges Signal

Bei der Daunenproduktion sieht es nicht besser aus: Die Federn für warme Winterjacken stammten von Vögeln, die oft für die Fleisch- und Gänseleberindustrie verwendet würden, schreiben die Tierschützer. Sie würden oft gewaltsam zu Boden gedrückt, um ihnen die Federn aus der empfindlichen Haut zu reissen. Für die Produktion von Seide würden Seidenraupen in ihren Kokons lebendig gekocht oder vergast. Für jedes Pfund Seide würden rund 3000 Insekten getötet.

Auch andere Tierschützer freuen sich deshalb über den Vorstoss vonseiten Asos: Dies sei ein grosser Schritt in die richtige Richtung, sagte Andrea Mäder, Sprecherin von Vier Pfoten. Asos sei ein grosser Player im Textilmarkt und sende mit der Massnahme ein wichtiges Signal, dass die Modeindustrie tierquälerisch erzeugte Materialien nicht länger toleriere. Es sei derzeit ein klarer Trend erkennbar, solche Produkte durch Alternativen zu ersetzen. Dies zeige sich auch in der Auslistung von Echtpelz bei Luxuslabels wie Gucci, Armani und Versace.

Tierschützer fordern mehr Kontrollen

Man dürfe allerdings nicht ausser Acht lassen, dass Asos auch weiterhin tierische Produkte wie Leder und Wolle im Sortiment habe, merkt Mäder von Vier Pfoten an. «Asos hat zwar Richtlinien zu tierischen Produkten», so Mäder. «Der nächste Schritt ist nun, dass das Unternehmen mehr Verantwortung für diese Tiere übernimmt, indem es Kontrollen fordert um sicherzustellen, dass qualvolle Praktiken wie zum Beispiel das Mulesing bei Merinoschafen tatsächlich nicht stattfindet.»

Beim Mulesing werden grosse Teile der Haut rund um den Schwanz von Schafen ohne Betäubung herausgeschnitten. Dadurch soll verhindert werden, dass Fliegen Eier in den Hautfalten der Tiere legen und sich stattdessen eine glatte, vernarbte Fläche bildet, schreibt Peta. Die Praxis ist vor allem in Australien gängig.

Kleiner Teil des Sortiments

Die Umweltorganisation WWF wendet zudem ein: Es handle sich bei der Einschränkung bei Asos nur um einen kleinen Teil des Sortiments. Asos verarbeitet im Jahr beispielsweise nur rund 10'000 Tonnen Kaschmir, was entgegen den rund 54 Millionen Tonnen verarbeiteter Baumwolle relativ wenig ist. Aus umwelttechnischer Sicht sei ausserdem nicht nur die Wahl der Rohmaterialien wichtig, sagt Sprecherin Corina Gyssler.

«Andere Aspekte, wie beispielsweise Polyester nur noch aus Recyclingquellen oder Baumwolle nur aus nachhaltig verifizierten Quellen zu beziehen, wirken sich bei Rohstoffen relevanter für die Umwelt aus.» Denn Kunstfasern wie Polyester würden aus Erdöl produziert, wofür viel Energie nötig sei. Zudem sonderten sie beim Waschen Mikrofasern ab, die als Mikroplastik in die Gewässer gelangten, so Gyssler. Entsprechend sind auch Alternativen zu Kaschmir, Mohair und Co. wie Polyester nicht per se umweltfreundlich – es kommt immer auf die gesamte Wertschöpfungskette hinter einem verwendeten Material an.

Zalando und H&M verkaufen weiter Kaschmir & Seide

Andere Händler gehen unterdessen noch nicht so weit wie Asos: Zalando, nach Digitec.ch der grösste Onlineshop der Schweiz, verzichtet auf echten Pelz und Lederarten wie Schlangen- und Krokodilleder. Neu soll auch Mohair nicht mehr verkauft werden. Kaschmir, Seide und Federn würden nicht grundsätzlich aus dem Shop genommen, Geschäftspartner müssten sich aber an die ethischen Beschaffungsstandards von Zalando halten, sagt eine Sprecherin.

Bleibt die Frage nach der Überprüfung dieser Standards. Auf Nachfrage teilt Zalando mit: Es würde bei Wareneingang eine Qualitätssicherung durchgeführt, um zu prüfen, ob es sich beispielsweise um Kunstpelz oder echten Pelz handle. Ausserdem stehe man mit Geschäftspartnern und Tierschutzorganisationen im engen Austausch – gegebenenfalls lasse man sich Herkunftszertifikate der einzelnen Bestandteile eines Kleidungsstücks schicken.

Auch H&M verzichtet seinen Richtlinien zufolge derzeit auf Mohair und echtes Fell. Bei Seide heisst es in den Bestimmungen, dass diese nicht aus Indien bezogen würde, weil die Arbeitsbedingungen dort zu schlecht seien. Zu Kaschmir macht der Konzern keine Angaben. Der Zara-Mutterkonzern Inditex reagiert auf eine Anfrage gar nicht erst.

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