Mobiliar hält trotz IT-Offensive am Agenturnetz fest

Vom leicht höheren Gewinn gehen 160 Millionen Franken an die Kunden.

Mobiliar-CEO Markus Hongler konnte an der Bilanzmedienkonferenz erfreuliche Zahlen präsentieren.

Mobiliar-CEO Markus Hongler konnte an der Bilanzmedienkonferenz erfreuliche Zahlen präsentieren.

(Bild: Peter Klaunzer/Keystone)

Julian Witschi

Während Poststellen und Bankfilialen reihenweise geschlossen werden, will die Mobiliar mit ihren über 160 Standorten in den Regionen präsent bleiben. «Wir bekennen uns zu unserer dezentralen Struktur mit einem Agenturnetz im ganzen Land», sagte Mobiliar-Chef Markus Hongler am Dienstag bei der Jahresmedienkonferenz in Bern.

Das Bekenntnis erstaunt auf den ersten Blick, denn die Versicherungsgruppe hat eine Offensive für die Digitalisierung der Angebote und neue IT-Systeme angekündigt. Sie erhöht dazu die Investitionen in ihre «technologische Fitness» in den nächsten fünf Jahren um 250 Millionen Franken auf total gegen eine Milliarde. 150 neue IT-Arbeitsplätze entstehen.

Die Mobiliar sieht aber trotz der Digitalisierung die Kundennähe und den Schadendienst vor Ort weiterhin als zentrale Erfolgsfaktoren. Die neuen IT-Systeme sollen dabei helfen, dass die Kundenberater in den Agenturen zusätzliche Produkte verkaufen können. «Einfach Haushalt- oder Autoversicherungen vertreiben, das reicht schon heute nicht mehr», sagte Hongler.

Hypotheken verkaufen

Ein neues Geschäft sieht die Versicherung bei den Hypotheken: Die Mobiliar gründete dazu mit der Swisscom, der Vaudoise-Versicherung und der Clientis Zürcher Regionalbank die Plattform Credit Exchange. Das ist eine Börse für Hypothekarkredite. Im Gegenzug kündigte sie die bisherige Partnerschaft mit der Berner Kantonalbank zum Vertrieb von Hypotheken. Die ersten drei Generalagenturen der Mobiliar verkaufen seit letztem Oktober mittels der neuen Plattform Hypotheken – eigene und solche von anderen Anbietern. Die restlichen Generalagenturen sollen schrittweise folgen.

Zufrieden zeigt sich die Mobiliar-Führung auch mit den neuen Cyberschutzversicherungen. Bis Ende 2018 seien bereits rund 35000 Deckungen verkauft worden. Die Mobiliar will hier weiter expandieren, etwa, indem sie Kosten für die Bekämpfung von Verleumdungen auf sozialen Medien versichert oder Diebstahl bei digitalen Zahlungssystemen wie Twint.

Insgesamt konnte die Mobiliar die Zahl der Kunden im vergangenen Jahr um weitere 30000 steigern. Jeder dritte Haushalt der Schweiz ist bei der Berner Genossenschaft versichert. Im Nicht-Leben-Geschäft knackte sie beim Prämienvolumen erstmals die Marke von 3 Milliarden Franken. Mit einem Plus von 3,7 Prozent wuchs sie erneut schneller als der Markt. Geschrumpft ist dagegen die kleinere Sparte, das Leben-Geschäft. Besonders unter Druck war das Geschäft mit den Risiko-Rückversicherungen für Pensionskassen.

Versicherte profitieren

Die Schäden blieben vergleichsweise tief. Während so das versicherungstechnische Geschäft zulegte, warfen die Kapitalanlagen weniger ab. Unter dem Strich blieb der Gewinn mit 443,5 Millionen Franken ziemlich konstant. Wiederum schüttet die Mobiliar davon 160 Millionen Franken an die Kunden aus. Dieses Mal mit einem Prämienrabatt von 20 Prozent bei den Haushalt- und Gebäudeversicherungen.

Berner Zeitung

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