Mit risikoarmer Strategie zum Erfolg

Die erst vor 16 Jahren gegründete Berner OLZ-Gruppe zählt heute bereits zu den bedeutendsten Vermögensverwaltern der Schweiz. Den Erfolg verdankt sie einer innovativen Methode, die hauptsächlich die Minimierung der Risiken bezweckt.

CEO Pius Zgraggen (links) und Carmine Orlacchio sind Gründungsmitglieder der OLZ und repräsentieren die Geschäftsleitung.

CEO Pius Zgraggen (links) und Carmine Orlacchio sind Gründungsmitglieder der OLZ und repräsentieren die Geschäftsleitung.

(Bild: Urs Baumann)

«Wenn ich geahnt hätte, was die ersten Jahre auf uns zukommt, hätte ich den Schritt in die Selbstständigkeit wohl nicht gemacht», sagt OLZ-CEO und Mitgründer Pius Zgraggen heute. Vor 16 Jahren wagte er mit dem Berner Finanzwissenschafter Claudio Loderer und seinem Mitassistenten Carmine Orlacchio den Sprung ins kalte Wasser. Mit einem An­lageansatz, der weder bei privaten noch institutionellen Anlegern bekannt war, und mit null Franken an verwaltetem Vermögen oder zu Neudeutsch Assets under Management.

«Unsere Hauptmotivation war die Erkenntnis, dass die Praxis nicht dem entsprach, was wir am Berner Finance-Institut gelernt und erforscht hatten.» Das Ziel sei gewesen, transparenter, fairer und kostengünstiger zu sein als die von versteckten Anreizen wie Kickbacks oder nicht ausgewiesenen Produktekosten verzerrte Finanzindustrie.

Das Erfolgsrezept

«Keine falschen Anreize, effi­ziente Diversifikation und kostengünstige Umsetzung sind unser Fundament, das uns von den meisten unserer Konkurrenten differenziert», ergänzt Philipp Bregy, Partner der OLZ seit 2008. Eine Strategie, die nach schwierigen Anfängen zum Durchbruch beitrug. Heute zählt die OLZ mit rund drei Milliarden Franken verwalteten Vermögen und 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu den fünf grössten unabhängigen Vermögensverwaltern der Schweiz.

Gern in Bern

In der nicht gerade als grosser Bankenplatz bekannten Stadt Bern fühlt sich das Finanzunternehmen wohl: «Wir sind gern in Bern», sagen Zgraggen und Bregy unisono. «Einerseits aus Tradition, die OLZ ist ja von Absolventen der Uni Bern gegründet worden.» Andererseits findet das Unternehmen hier gute Leute.

Doch effizient Geld anlegen, was heisst das eigentlich konkret? Die Antwort der beiden OLZ-Vertreter: In erster Linie bedeute dies, die Risiken zu verstehen und ein gutes Verhältnis zwischen Risiko und Rendite zu finden. «Anleger sollten schlicht keine Risiken eingehen, für die sie nicht mit einer adäquaten Risikoprämie entschädigt werden.» Und die Forschung habe gezeigt, dass Aktienportfolios mit einem geringeren Risiko (Volatilität) besser rentierten als solche mit sehr hohen Risiken.

Im Widerspruch zur Theorie

Das stehe eigentlich im Widerspruch zu einem Teil der Portfoliotheorie, die besage, dass mehr Rendite nur mit mehr Risiko zu bewerkstelligen sei. Aber das gelte eben nicht in jedem Fall. «Und wir nutzen genau diese Anomalie aus.» Die Märkte seien eben nicht immer effizient. Allerdings: Aktien mit tiefer Volatilität schneiden nicht in jeder Marktphase besser ab «Das ist richtig. Aktuell ist die Volatilität an den Aktienmärkten so tief, dass wir hinter den Marktindizes zurückliegen», geben die OLZ-Vertreter zu.

Vorsorgegelder im Visier

Rund 80 Prozent der von der OLZ verwalteten Vermögen sind Gelder von Institutionellen, also vorwiegend Gelder von Pensions­kassen, Versicherungen und Stiftungen. Bei den Privatanlegern würden die Berner gerne noch ­etwas bekannter werden. Einen günstigen Weg dazu sehen sie bei den Vorsorgegeldern der zweiten und der dritten Säule.

Seit Herbst des letzten Jahres bietet die OLZ den Privatanlegern deshalb über verschiedene Banken an, ihre Vorsorgegelder in der Säule 3a nach dem Minimum-Volatilität-Ansatz zu investieren. «Dank geringerer Schwankungen gegenüber dem Markt kann man mit dem gleichen Risikobudget einen deutlich höheren Aktienanteil halten», betonen Bregy und Zgraggen. Konkret enthält die OLZ-Säule-3a einen Aktienanteil von 65 Prozent.

Die Volatilität ist aber nur ähnlich hoch wie bei einem Portfolio mit 40 Prozent Aktien, die gemäss den klassischen Marktindizes gewichtet sind. «Im Gegensatz zu diesen Marktindizes haben wir beispielsweise so gut wie keine Finanzwerte im Portfolio», erklärt er. «Dazu hat man uns nach der Finanzkrise gratuliert – doch dafür haben wir ausser der Fest­setzung der Regeln gar nichts getan.»

Berner Zeitung

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