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Mit Recyclingplastik auf Kundenfang

Der Nahrungsmittelmulti Nestlé will sein Image aufpolieren und investiert Milliarden in umweltfreundlichere Verpackungen. Das lohnt sich auch aus wirtschaftlicher Sicht.

Angelika Gruber
Verpackungen aus rezyklierten und natürlichen Materialien in einem Testlabor von Nestlé. Foto: Laurent Gilliéron (Keystone)
Verpackungen aus rezyklierten und natürlichen Materialien in einem Testlabor von Nestlé. Foto: Laurent Gilliéron (Keystone)

Umweltschützer haben Nestlé jüngst als einen der grössten Plastikverschmutzer weltweit gebrandmarkt. Diesen Ruf will der Konzern loswerden und steckt in den kommenden fünf Jahren zwei Milliarden Franken in die bessere Wiederverwertung. Für Firmenchef Mark Schneider ist das auch ein Marketinginstrument im Ringen um die Gunst junger, umweltbewusster Kunden.

«Weltweit zeigt sich das gleiche Bild: Je jünger, gebildeter und vermögender die Kunden sind, umso wichtiger ist ihnen die Umwelt», sagte Schneider heute an einer Medienveranstaltung. Nicht nur die Lebensmittel müssten nachhaltig sein, sondern auch die Verpackung. Das zu ignorieren, wäre aus Marketingsicht «schlichtweg falsch», so Schneider.

Der Konzern mit Marken wie Nestea und Maggi will künftig daher weniger neues Plastik verwenden und für seine Verpackungen zunehmend auf wiederverwertetes Material zurückgreifen. Doch das ist teuer, weil das Recyclingplastik speziellen Anforderungen für Lebensmittel genügen muss – anders als bei vielen anderen Konsumgütern. «Jeder wird sich sicher dabei fühlen, Wasser aus einer PET-Flasche zu trinken. Aber man dürfte sich nicht so sicher fühlen, Wasser aus einer Shampoo-Flasche zu trinken», sagte Schneider.

Mit dem grössten Teil der Investitionen – über 1,5 Milliarden Franken – will Nestlé die Mehrkosten für lebensmittelverträgliche Recyclingkunststoffe abdecken. Mit weiteren 250 Millionen Franken plant das Unternehmen einen Fonds für junge Firmen, die nachhaltige Verpackungen entwickeln.

Greenpeace kritisiert «Scheinlösung»

Die Firma befindet sich als weltgrösster Nahrungsmittelhersteller auf schwarzen Listen von Umweltschützern: Nach einer im Herbst veröffentlichten Studie von Greenpeace belegte der Konzern den zweiten Platz der grössten Plastikverschmutzer – hinter Coca-Cola und vor Pepsi und Mondelez. Das liege auch an der schieren Grösse von Nestlé, sagte Schneider. Es sei jedoch nicht zielführend, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen und ihm Versäumnisse der vergangenen 50 Jahre vorzuhalten. «Das bringt niemanden weiter. Wir machen jetzt grosse Schritte», sagte der Firmenchef.

Doch auch andere Unternehmen sind nicht untätig und setzen sich teilweise noch ambitioniertere Ziele: Unilever mit Marken wie Dove oder Knorr will den jährlichen Verbrauch von neuem Plastik bis 2025 halbieren. Nestlé will den Bedarf an Neuplastik bis dahin um ein Drittel reduzieren. Allerdings hat der Schweizer Konzern auch mehr Nahrungsmittel im Sortiment, für die wiederum spezielle lebensmittelverträgliche Kunststoffe nötig sind. Unilever verkauft hingegen auch Putzmittel und Hygieneartikel.

Greenpeace bezeichnet die Ankündigung von Nestlé als Schritt in die richtige Richtung. Allerdings warnte die Organisation vor der «Scheinlösung», Plastik durch Recyclingplastik oder andere Einwegmaterialien zu ersetzen. Nestlé solle stattdessen auf Einwegverpackungen verzichten und in neue Systeme wie Offenverkauf und Mehrweg investieren.

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