Meyer Burger greift durch beim deutschen Sorgenkind

Thun

Der Thuner Solarzulieferer Meyer Burger baut im deutschen Bundesland Sachsen voraussichtlich rund 120 Stellen ab. Der Fokussierungsprozess am Produktionsstandort der Tochter Roth & Rau werde damit vorangetrieben.

Meyer Burger baut in Deutschland voraussichtlich rund 120 Stellen ab.

Meyer Burger baut in Deutschland voraussichtlich rund 120 Stellen ab.

(Bild: Keystone)

Jon Mettler@jonmettler

Seit dem Jahr 2012 schreibt Meyer Burger rote Zahlen. Um die Kosten besser in den Griff zu bekommen, baut die Solartechnologiefirma ihren Produktionsstandort in Deutschland um. Im Bundesland Sachsen verlieren 120 Personen ihre Stelle. Im Geschäftsbereich Solarzellen will Meyer Burger die Kräfte bündeln und nur noch auf Technologien setzen, die das Unternehmen mit Sitz in Thun als relevant betrachtet. Die Folgen dieser Fokussierung, die Meyer Burger gestern bekannt gab, treffen die Tochtergesellschaft Roth&Rau AG in Deutschland.

Solarzellen werden effizienter

Den Produktionsstandort in Hohenstein-Ernstthal im Bundesland Sachsen richtet Meyer Burger auf die Kerntechnologien Heterojunction (HJT) und Passivated Emitter Rear Cell (Perc) aus. Diese beiden Verfahren kommen zum Einsatz, wenn es um die Beschichtung von Solarzellen geht. Die Effizienz der Zellen nimmt dank HJT und Perc um ein Fünftel zu. Von den angekündigten Massnahmen ebenfalls betroffen ist der Bereich Oberflächenbearbeitung. Meyer Burger stellt in Hohenstein-Ernstthal Anlagen her, die in der Halbleiterindustrie gefragt sind.

Arbeitsplätze, die ausserhalb der erwähnten Technologien angesiedelt sind, streicht Meyer Burger. Das Unternehmen rechnet mit einem Abbau von 120 Stellen in Deutschland. Damit kann Meyer Burger die operativen Kosten um 12 Millionen Franken senken. Mit den Gewerkschaften vor Ort arbeite Meyer Burger an einer sozialverträglichen Lösung, sagte Firmensprecher Werner Buchholz. «Ziel ist, dass wir die Betroffenen bei der Suche nach einer neuen Stelle unterstützen», so Buchholz.

Für Finanzanalyst Michael Foeth von der Privatbank Vontobel ist klar, was Meyer Burger beabsichtigt: «Meyer Burger ist weiterhin bemüht, ihre Kosten in einem schwierigen Marktumfeld niedrig zu halten», schrieb Foeth gestern in seinem Morgenkommentar.

Mit «schwierigem Umfeld» gemeint ist die schlechte Auftragslage im weltweiten Solarmarkt. Die Krise hat Meyer Burger die Ergebnisse der vergangenen zwei Geschäftsjahre gründlich verhagelt. Das Unternehmen musste für 2012 und 2013 einen Verlust ausweisen. Meyer Burger rechnet erst im kommenden Jahr damit, in die Gewinnzone zurückzukehren.

Wenig hilfreich vor diesem Hintergrund ist, dass sich die Roth & Rau AG zu einem Sorgenkind für Meyer Burger entwickelt hat. Die Oberländer hatten den deutschen Mitbewerber im Jahr 2011 für 350 Millionen Franken gekauft. Meyer Burger begründete damals die Übernahme als «strategisches Muss», um Lücken im Know-how für Zellbeschichtungstechnologie zu schliessen.

Die zugekaufte Kompetenz hat allerdings einen hohen Preis: Abschreiber und Wertberichtigungen auf die Roth & Rau AG liessen den Reingewinn von Meyer Burger im Geschäftsjahr 2011 empfindlich schmelzen. Die Roth&Rau AG schreibt seit vier Jahren rote Zahlen. Im Jahr 2012 kündigte Meyer Burger bei der deutschen Tochtergesellschaft zweimal einen Stellenabbau an. Mit dem aktuellen Personalabbau bei der Roth&Rau AG ist auch eine Verkleinerung der Geschäftsleitung verbunden. Diese wird von vier auf zwei Mitglieder halbiert. Die Führung des geschrumpften Managements bleibt bei Peter Frankfurter, der neben den Finanzen für den neuen Geschäftsbereich «spezialisierte Technologien» verantwortlich ist. Jürgen Bode leitet weiterhin das Ressort Fotovoltaik. Thomas Hengst scheidet per 30.Juni 2014 aus der Geschäftsleitung aus. Er wird seine leitende Vertriebstätigkeit bei der Roth&Rau AG mit anderen Schwerpunkten fortsetzen.

Bernhard Gerber schliesslich, bisher interimistisches Mitglied der Geschäftsleitung, wird wie angekündigt Chief Operating Officer (COO) von Meyer Burger.

Aktie im Plus

Die Börse reagierte wohlwollend auf die Pläne von Meyer Burger. Die Aktie legte im Vergleich zum Schlusskurs vom Freitagabend um 2,4 Prozent auf 12,6 Franken zu.

Berner Zeitung

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