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Merck Serono: Personal kündigt neuen Streik an

Die Proteste der Mitarbeitenden haben nicht gefruchtet: Der Pharmariese Merck Serono hält an der Schliessung seines Genfer Standorts fest. Jetzt gehen die Angestellten in die Offensive.

Merck Serono hält am Entscheid, den Standort Genf zu schliessen, fest: Eine Mitarbeiterin des Unternehmens in Genf. (14. Juni 2012)
Merck Serono hält am Entscheid, den Standort Genf zu schliessen, fest: Eine Mitarbeiterin des Unternehmens in Genf. (14. Juni 2012)
Keystone
Vor Verkündung des definitiven Entscheids haben die Mitarbeiter mehrere Tage gestreikt: Eine Merck-Serono-Angestellte in Genf. (14. Juni 2012)
Vor Verkündung des definitiven Entscheids haben die Mitarbeiter mehrere Tage gestreikt: Eine Merck-Serono-Angestellte in Genf. (14. Juni 2012)
Reuters
500 Stellen sollen gestrichen, 750 weitere ins Ausland verlegt werden: Eine Angestellte von Merck Serono mit Boxhandschuhen bei einer Protestaktion in Genf. (9. Juni 2012)
500 Stellen sollen gestrichen, 750 weitere ins Ausland verlegt werden: Eine Angestellte von Merck Serono mit Boxhandschuhen bei einer Protestaktion in Genf. (9. Juni 2012)
Keystone
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Das Personal von Merck Serono in Genf will ab morgen streiken. Die Beschäftigten sind enttäuscht. Trotz monatelanger Verhandlungen hält der Konzern an seinem Entscheid fest: Der Standort in Genf wird definitiv geschlossen. Damit gehen rund 1250 Arbeitsplätze verloren.

Das Management bestätigte am Dienstag seinen im April angekündigten Entscheid. Rund 750 Arbeitsplätze werden ausgelagert, 500 gestrichen. Zudem sollen im Kanton Waadt 80 Stellen abgebaut werden, der Standort Coinsins (VD) wird ebenfalls geschlossen.

Mit drei Vorschlägen gescheitert

Der Entscheid sorgte bei den Mitarbeitenden in Genf heute Dienstag für Verärgerung. «Wir alle sind wütend über den Entscheid der Konzernleitung nach zwei Monaten mit Protesten und Verhandlungen», sagte der Regionalsekretär der Gewerkschaft Unia, Alessandro Pelizzari, gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

An einer Versammlung entschieden sich die Beschäftigten, in den Streik zu treten. Von den rund 650 anwesenden Mitarbeitenden stimmten nur 3 dagegen, 51 enthielten sich.

Um den Stellenabbau wenigstens teilweise zu verhindern, hatte das Personal drei Vorschläge ausgearbeitet. Merck Serono habe diese geprüft, schreibt das Unternehmen. Um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, müssten aber Doppelfunktionen abgebaut werden - deshalb könne der Standort Genf nicht erhalten werden.

Streit um den Sozialplan

Die Arbeitnehmerorganisation Angestellte Schweiz teilte mit, es sei inakzeptabel, dass Merck Serono nicht auf die Vorschläge eingegangen sei. Die Organisation sehe sich bestätigt darin, mit der Klage gegen Merck Serono den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Vor Gericht soll unter anderem geklärt werden, ob das Konsultationsverfahren den rechtlichen Standards entspricht.

Pelizzari sagte, die Unia sei erstaunt, dass das Management nicht auf seinen Entscheid zurückgekommen sei. «Noch erstaunter sind wir aber über die Weigerung der Konzernleitung, den Sozialplan signifikant zu verbessern.»

Merck hingegen sprach von Verbesserungen beim Sozialplan. So sei beispielsweise das Alter für Frühpensionierungen von 58 auf 56 gesenkt worden. Merck Serono biete den Mitarbeitern zudem Unterstützung bei der Gründung von neuen Unternehmen an und stelle dafür einen Fonds über 30 Millionen Euro zur Verfügung.

«Bilaterale Gespräche» bevorzugt

Die Unia werde sich im Rahmen der Taskforce weiterhin bemühen, die Arbeitsplätze am Standort Genf zu erhalten, kündigte Pelizzari an. Bisher weigerte sich Merck Serono, sich an der Taskforce zu beteiligen. Man bevorzuge bilaterale Gespräche, sagte François Naef, Verwaltungsratspräsident von Merck Serono, am Dienstag der Nachrichtenagentur sda.

Die Mitarbeitenden sollen bis Ende Juli über ihre persönliche Situation informiert werden. Der Standort Genf soll bis Mitte des Jahres 2013 geschlossen werden, der Standort Coinsins bis 2014.

Weltweites Sparprogramm bei Merck

Der Stellenabbau in der Schweiz ist Teil des im Februar angekündigten Sparprogramms von Merck. Mit Kosteneinsparungen von weltweit jährlich 300 Millionen Euro will der Konzern gemäss Finanzchef Matthias Zachert die Pharmatochter Merck Serono ähnlich profitabel wie die Mitbewerber machen.

Merck hatte das Genfer Biotechunternehmen Serono 2007 für rund 16,6 Milliarden Franken übernommen und sein biopharmazeutisches Geschäft am Standort Genf gebündelt. Die Merck Sparte Serono beschäftigt knapp 17'000 Personen, darunter bisher 2100 in der Schweiz.

SDA/ami

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