Zum Hauptinhalt springen

Madoffs mysteriöser Freund

Jeffrey Picower, Investor und Freund von Bernie Madoff, ist vor einem Jahr tot in seinem Swimming-Pool gefunden worden. Sein Tod war so rätselhaft wie sein Leben. «Forbes» ist auf Spurensuche gegangen.

Bernard Madoff hat in den USA einen Investmentfonds nach dem Schneeballsystem betrieben. Der Schaden, den der Grossbetrüger anrichtete, wird auf mindestens 65 Milliarden Dollar beziffert. Die Zahl der Geschädigten beträgt schätzungsweise 4800.
Bernard Madoff hat in den USA einen Investmentfonds nach dem Schneeballsystem betrieben. Der Schaden, den der Grossbetrüger anrichtete, wird auf mindestens 65 Milliarden Dollar beziffert. Die Zahl der Geschädigten beträgt schätzungsweise 4800.
Keystone
Der heute 72-jährige Madoff wirkte nicht nur als Finanz- und Börsenmakler und Chef der Firma Investment Securities LLC, sondern auch als Vorsitzender der Technologiebörse NASDAQ.
Der heute 72-jährige Madoff wirkte nicht nur als Finanz- und Börsenmakler und Chef der Firma Investment Securities LLC, sondern auch als Vorsitzender der Technologiebörse NASDAQ.
Reuters
Der einstige Finanzjongleur ist im Butner-Gefängnis im US-Bundesstaat North Carolina Häftling Nr. 61727-054. Madoff arbeitet in der Gefängnis-Küche, er schrubbt Pfannen und Töpfe. In der Freizeit spielt er gerne Boccia, Schach und Dame.
Der einstige Finanzjongleur ist im Butner-Gefängnis im US-Bundesstaat North Carolina Häftling Nr. 61727-054. Madoff arbeitet in der Gefängnis-Küche, er schrubbt Pfannen und Töpfe. In der Freizeit spielt er gerne Boccia, Schach und Dame.
Keystone
1 / 6

Jeffrey Picower war ein Mann der Superlative. Er gehörte zu den Superreichen Amerikas, er war ein erfolgreicher Investor, und er inszenierte sich als grosszügiger Philanthrop. Sein Ende war aber weniger glanzvoll als sein Leben. Am Nachmittag des 25. Oktober 2009 entdeckte seine Frau Barbara den 67-jährigen Picower leblos auf dem Boden seines Schwimmbeckens in seinem Anwesen in Florida. Offiziell erlitt Picower einen Herzinfarkt, als er im Pool seine Runden drehte. Es gab aber wilde Spekulationen, weil Picower ein grosser Profiteur des Betrugssystems seines Freundes Bernie Madoff gewesen sein soll. Die Rede war von Selbstmord, es gab sogar Mordgerüchte. Die Behörden dementierten heftig. Dann wurde es still um Picower.

Knapp ein Jahr nach dem Tod des Madoff-Freundes hat das US-Wirtschaftsmagazin «Forbes» versucht, das Leben des rätselhaften Mannes zu rekonstruieren. Picower wuchs in der New Yorker Bronx auf, als Sohn einer russischen Einwandererfamilie. In den Siebzigerjahren begann der 1942 geborene Picower mit riskanten Geschäften. Er kam erstmals in Kontakt mit einem Schneeballsystem, hinter dem die prominente Broadway-Produzentin Adela Holzer (u.a. «Hair») stand. Nach dem Zusammenbruch des Betrugssystems verbrachte Holzer den Rest ihres Lebens hinter Gittern.

Geschäfte mit Börsenspekulant Ivan Boesky

Ebenfalls in den Siebzigerjahren begann Picower, der ausgebildeter Rechtsanwalt und Buchhalter war, mit dem Finanzjongleur Bernard Madoff Geschäfte zu machen. Wie sich die beiden Männer kennengelernt haben, ist nicht bekannt. Gemäss den Recherchen von «Forbes» scheute sich Picower auch nicht, mit dem berüchtigten Börsenspekulanten Ivan Boesky Geschäfte zu machen. In einem der grössten Wirtschaftsskandale in den USA wurde Boesky im Jahr 1986 wegen Insiderhandels zu drei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 100 Millionen Dollar verurteilt.

Im Jahr 1996 steckte Picower rund eine Milliarde Dollar in die Firma des mittlerweile zu 150 Jahren Haft verurteilten Betrügers Madoff. In den folgenden Jahren liess sich Picower 7,2 Milliarden Dollar ausbezahlen. 1999 erzielte er die stolze Rendite von 950 Prozent. «Entweder er hat vom Betrug gewusst. Oder er hätte erkennen müssen, dass etwas faul ist», sagte Irving Picard gemäss Medienberichten. Picard ist ein New Yorker Anwalt, der sich für die Entschädigung der Madoff-Opfer einsetzt. Picard verlangt die Rückzahlung des Gewinns, den Picower machte. Dessen Witwe Barbara ist inzwischen bereit, eine einmalige Zahlung von zwei Milliarden zu leisten.

Führende gemeinnützige Stiftung der USA

Dass er mit Adela Holzer, Ivan Boesky und Bernie Madoff geschäftlich verbunden war, zeigt: Picower war in kriminelle Machenschaften verwickelt, er kam aber immer davon. Mit dem rasant zunehmenden Vermögen schlug Picower auch eine Laufbahn als Philanthrop ein. So leitete er gemeinsam mit seiner Frau die nach ihnen benannte Picower-Stiftung, eine der führenden gemeinnützigen Stiftungen der USA. Die Stiftung unterstützte Einrichtungen wie das Massachusetts Institute of Technology (MIT), Human Rights First und die New York Public Library mit Millionenbeträgen. Zuwendungen erhielt auch die Diabetes-Forschung der Universität Harvard. Ein pikantes Details: Es war Madoff, der das Stiftungsvermögen verwaltete.

Mit dem Zusammenbruch das Schnellballsystems von Madoff geriet auch dessen prominenter Freund Picower unter Druck. Die Opfer des Jahrhundertbetrügers wollten an das Geld von Picower, der gemäss verschiedenen Quellen ein Vermögen von mindestens sieben Milliarden Dollar besass, als er im letzten Herbst überraschend starb. Picower hat nicht nur viel Geld, sondern auch einige offene Fragen hinterlassen. Eine Frage lautet: Welche Rolle spielte er im Madoff-System? Der Madoff-Biograf Erin Arvelund äussert die Spekulation, so «Forbes», dass Picower der Mastermind des Betrugssystems war. Dass diese Frage vermutlich immer unbeantwortet bleiben wird, ist eines von vielen Rätseln um den Mann an der Seite von Grossbetrüger Madoff. Selbst ein Anwalt, der mit Picower rund 22 Jahre lang befreundet war, weiss nicht viel zu berichten. «Er hat ein sehr privates Leben», sagte er gemäss dem «Forbes»-Bericht. «Picower hatte ein grosse Interesse: Und das war Geld machen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch