Machtkampf um den Flughafen

Belp

Investoren um Skywork-Besitzer Daniel Borer wollen die Kontrolle über den Flughafen Bern-Belp gewinnen. Über ihre Strategie schwiegen sich die Investoren am Montag noch aus. Heute werden erste Weichen gestellt.

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Dominik Balmer@sonntagszeitung

Heute ist ein wichtiger Tag für den Flughafen Bern-Belp. In den Büros der Flughafenbetreiberin Alpar AG treffen sich am Nachmittag die Verwaltungsräte zur Sitzung. Es könnte spät werden auf dem Belpmoos.

Eingeladen ist auch Daniel Borer. Der Arzt und Spross aus der Rolex-Dynastie ist Besitzer der Berner Airline Skywork. Diese Woche wurde bekannt, dass Borer mit Gleichgesinnten die Kontrolle über den Flughafen übernehmen möchte. Über die Pläne gibt es bislang wenig gesicherte Informationen. Heute will Borer in Belp die 13 Alpar-Verwaltungsräte ins Bild setzen.

700 Aktionäre

Bekannt ist die Strategie: Im Wesentlichen plant die Gruppe eine Art unfreundliche Übernahme der Alpar und damit des Flughafens. Angeführt wird der Tross von Airline-Besitzer Borer; mit dabei sind auch Hans-Ulrich Müller, noch bis Ende Jahr Regionalleiter bei der Credit Suisse sowie Investor beim Bernapark Deisswil, Alfred Siegenthaler von den Rehau-Kunststoffwerken Muri und Sébastien Mérillat von Skywork. Die Gruppe will den Verwaltungsrat auf 7 Sitze reduzieren und primär eigene Leute installieren. An einer ausserordentlichen Generalversammlung soll die neue Crew gewählt werden.

Offen ist, ob das gelingt. Die Borer-Gruppe braucht mehr als 50 Prozent der Stimmen, um neue Verwaltungsräte zu installieren. Ob sie diese Stimmen hat, wollte Borers Sprecher Franco Gullotti gestern nicht verraten. Bekannt ist bloss: Die Alpar hat rund 700 Aktionäre. 40 Prozent der Aktien halten Unternehmen, 20 Prozent Banken und Versicherungen. 18 Prozent sind im Besitz von Kleinaktionären. 6 Prozent hält die öffentliche Hand, wobei auf Stadt und Kanton Bern je rund 2 Prozent entfallen.

Eine Rolle spielen könnten die 14 Prozent Aktien, welche die Borer-Gruppe von der Airline Swiss gekauft hat. Allerdings: Diese Aktien sind vinkuliert. Das heisst: Solange der Alpar-Verwaltungsrat nicht zustimmt, bleiben die mit den Aktien verbundenen Stimmrechte bei der Swiss. Die Fluggesellschaft dürfte aber im Sinne Borers stimmen.

Grossniklaus unter Druck

Auch wenn die Investoren die nötigen über 50 Prozent der Aktien nicht besitzen oder kontrollieren sollten – der Druck auf den Alpar-Verwaltungsrat ist so oder so gross. Präsident Fritz Grossniklaus wollte die Pläne der Borer-Gruppe gestern aber nicht im Detail kommentieren. Er wolle die Diskussion nicht «noch weiter aufheizen». Grossniklaus sagte nur, dass der Verwaltungsrat vermutlich einen Antrag für eine zweite Sitzung stellen werde. Schnellschüsse werde es keine geben. Die Öffentlichkeit soll heute oder am Mittwoch näher informiert werden.

Partylokal am Flughafen?

Weiterhin unklar ist auch, was die Borer-Gruppe genau mit dem Flughafen bezweckt. Gegenüber der BZ hiess es, man wolle Synergien zwischen Skywork und dem Flughafen nutzen. Dies könne der Airline helfen. Aber bedenkenswert seien auch neue Angebote in den Bereichen Freizeit und Erholung. Vermutlich wegen solcher Aussagen machte das Gerücht die Runde, ein Einkaufszentrum sei geplant. Gleichzeitig war die Rede von einer Party-Location. Alpar-Präsident Grossniklaus sagte dazu nur, die Anträge aus der Borer-Gruppe seien teilweise «nicht nur klar» formuliert. Mehr gab er nicht preis. Und der Belper Gemeindepräsident Rudolf Neuenschwander betonte: Ein Einkaufszentrum wäre so oder so «nicht zonenkonform».

So bleibt offen, welche Interessen die Borer-Gruppe verfolgt und was diese der unrentablen Skywork nützen könnten. Der Flughafenpoker geht heute in eine weitere Runde. Vielleicht die letzte.

Berner Zeitung

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