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Larry Ellison tritt ab

Eine der schillerndsten Figuren der IT-Branche hört auf. Larry Ellison tritt als Chef von Oracle zurück.

Der bislang erste und einzige Chef von Oracle: Larry Ellison.
Der bislang erste und einzige Chef von Oracle: Larry Ellison.
Reuters

Oracle hadert mit dem Umstieg ins Cloudgeschäft: Auch die aktuellen Quartalszahlen enttäuschen. Gleichzeitig gab der IT-Konzern die Übergabe des Chefpostens von Firmengründer Larry Ellison an Safra Catz und Mark Hurd bekannt - doch damit ändert sich wenig.

Die einzige Änderung sei, dass Hurd und Catz von nun an direkt dem Verwaltungsrat anstatt ihm unterstehen würden, erklärte Ellison. Der Verwaltungsrat wiederum wird künftig von ihm präsidiert. «Wir drei arbeiten seit mehreren Jahren gut zusammen», erklärte Ellison. Dies solle «auf absehbare Zeit» so bleiben.

Der Multimilliardär will als Technologiechef und Präsident des Verwaltungsrats weiterhin Vollzeit für das Unternehmen arbeiten, wie Oracle nach US-Börsenschluss am Donnerstag mitteilte. Zudem bleibt er mit einem Anteil von einem Viertel Oracles grösster Aktionär.

Chef über fast 4 Jahrzehnte

Hurd soll sich künftig um Verkauf, Marketing und Strategie kümmern, Catz bleibt zuständig für Finanzen und übernimmt die Bereiche Recht und Produktion. Ellison erklärte weiter, nach seinem Rückzug werde sich an Oracles Strategie nichts ändern. Der 70-jährige ist bekannt dafür, sein Unternehmen bis ins Detail zu kontrollieren.

Der laut dem Magazin «Forbes» fünftreichste Mensch der Welt war bisher der einzige Chef von Oracle seit der Gründung von 1977. Über fast vier Jahrzehnte baute er die in Kalifornien ansässige Firma zu einem Schwergewicht auf dem Markt der Software, Hardware und Dienstleistungen auf.

Ellison hatte das Wachstum von Oracle mit vielen zum Teil milliardenschweren Übernahmen vorangetrieben. Zu den grösseren Zukäufen gehörten der Spezialist für Programme für Kundenmanagement Siebel Systems und der Entwickler von Personalsoftware PeopleSoft.

Wettlauf im Cloudgeschäft

Heute ist Oracle an der Börse über 180 Milliarden Dollar schwer und macht rund 40 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr. Allerdings sieht sich das Unternehmen mit grossen Herausforderungen konfrontiert.

In den vergangenen Jahren lieferte sich der Konzern einen Wettlauf mit SAP um Übernahmen im Cloudgeschäft, bei dem Programme, Dienste und Daten direkt aus dem Netz bereitgestellt werden. Bezüglich Umsatz mit Clouddiensten hat SAP jedoch momentan die Nase vorn.

Ausserdem zieht der Weg ins Cloudgeschäft hohe Kosten nach sich, die Oracle zu schaffen machen. Und nicht zuletzt entwickelte sich die Übernahme des Server-Spezialisten Sun Microsystems für den IT-Riesen zu einem teuren Unterfangen: Solche Hardware-Geschäfte sind derzeit nicht besonders lukrativ.

Enttäuschende Zahlen

So fielen auch die zeitgleich zum Personalwechsel veröffentlichten Zahlen für das Ende August abgeschlossene erste Geschäftsquartal durchwachsen aus: Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um rund drei Prozent auf 8,6 Milliarden Dollar und blieb damit unter den Erwartungen der Analysten. Der Reingewinn trat mit 2,2 Milliarden Dollar auf der Stelle.

Die Anleger reagierten enttäuscht, woran auch die Ankündigung von Aktienrückkäufen im Umfang von 13 Milliarden Dollar nichts änderte. Nachdem die Nachricht von Ellisons Rücktritt die Runde machte, rutschte die Oracle-Aktie im nachbörslichen Handel deutlich ab. Zuletzt notierte das Papier mit rund zwei Prozent im Minus.

Doppelspitze «nicht ideal»

Analysten zeigten sich vom Zeitpunkt des Rückzugs überrascht. Bill Kreher vom Finanzberater Edward Jones sagte, es sei grundsätzlich «nicht ideal», mit einer Doppelspitze zu arbeiten. So seien die 52-jährige Catz und der 57-jährige Hurd sehr unabhängige Denker mit einem starken Willen. Allerdings hätten sie in der Vergangenheit gut zusammenarbeitet.

Hurd war einst Chef des Computerkonzerns Hewlett-Packard. Er ging dort im Streit mit dem Verwaltungsrat. Ellison kritisierte den HP-Verwaltungsrat scharf und holte Hurd 2010 in die Oracle-Spitze. Davor galt Catz, die seit 1999 bei Oracle ist, als wahrscheinliche Nachfolgerin Ellisons.

Wie die «New York Times» schreibt, ist der 70-Jährige einer der letzten Grossen der ersten Tech-Generation, der sich in den Ruhestand verabschiedet.

sda/AP/AFP/ldc/chk

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