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Kritisch wird es bei einem UBS-Kurs unter 10 Fr.

Das globale Börsendesaster reisst die Kurse der Schweizer Banken nach unten. Wie gefährdet ist die UBS? Die Risikoanalyse von Manuel Ammann, Professor der Universität St.Gallen.

Die UBS habe das Schlimmste hinter sich, hiess es lange Zeit. Nun ist die Aktie wieder im freien Fall. Weshalb das? Durch Liquidationen von amerikanischen Privatbanken könnten die Wertpapiere weiter ins Rutschen geraten. Dies könnte dazu führen, dass weitere Kapitalerhöhungen nötig werden. Davor hat man Angst, denn dies würde den bisherigen Aktionärswert verwässern.

Haben wir es mit einem irrationalen Vorgang zu tun, dass der Aktienkurs der UBS noch einmal so stark abrutscht? Nein, das sollte man nicht vorschnell als irrational abqualifizieren. Die UBS ist im amerikanischen Markt exponiert und folglich durch die dortigen Verwerfungen betroffen. Die wird in die Kurse einbezogen. Auch wenn bei der UBS nur eine geringe Ausfallwahrscheinlichkeit besteht – ein gewisses Risiko besteht immer. Dass Investoren in einer solchen Situation mit einer Flucht in die Sicherheit reagieren, ist durchaus rational.

Falls es hart auf hart kommt: Würden sich nochmals private Investoren finden, welche der UBS unter die Arme greifen? Die UBS bekommt Kapital, solange der Aktienkurs noch einigermassen hoch ist. Der Moment ist dann verpasst, wenn der Kurs zu tief gefallen ist, so wie bei Lehman Brothers oder AIG. Die UBS ist aber noch nicht in dieser Situation.

Wann würde es kritisch? Würde der UBS-Kurs in die Gegend von 10 Franken rutschen, kämen wir in die Gefahrenzone. Dann würde sich die Frage stellen, ob die UBS noch weiter Kapital aufnehmen könnte.

Sollte in diesem Worst-Case-Szenario der Bund einspringen? Bei der UBS gehe ich davon aus, dass es zu einer staatlichen Rettungsaktion käme. Auch der Staat mit seinen Organen hat aber nur beschränkte Möglichkeit, Kapital einzuschiessen. Eine solche Aktion wäre für die Schweiz eine grosse Belastung. Im allerschlimmsten Fall wäre nicht einmal die Schweiz in der Lage, die UBS zu retten.

Die CS hält sich im Gegensatz zur UBS erstaunlich gut. Wie erklären Sie sich dies? Das hat viel mit Vertrauen zu tun. Ist dieses weg, wird die Situation für eine Bank sehr schwierig. Die UBS war einfach weit stärker exponiert als die CS, und ist grössere Risiken eingegangen. Darunter hat das Vertrauen gelitten.

In der Presse wurde spekuliert, dass es zu einer Übernahme der UBS durch die CS kommen könnte. Ein realistisches Szenario? Nein. Ich glaube nicht, dass die CS dazu in der Lage wäre. Denn Die CS verfügt nicht über genügend Überschusskapital.

Die Finanzmärkte weltweit verzeichnen massive Verluste, Bundesrat Merz gibt derweil Entwarnung: Die Ereignisse hätten keine direkten Auswirkungen auf unsere Volkswirtschaft. Kommt die Schweiz tatsächlich unbeschadet davon? Das denke ich nicht, nein. Zwar muss die Schweiz keine direkten Effekte fürchten, da wir es im Moment mit einem Problem des amerikanischen Bankenmarktes zu tun haben. Indirekt aber werden wir hier die Auswirkungen zu spüren bekommen. Einerseits könnten aufgrund der Verwerfungen die Kurse weiter sinken, was auch für die Schweizer Grossbanken nachteilig wäre, da auch sie exponiert sind. Andererseits kann eine Bankenkrise von diesem Ausmass nicht ohne gesamtwirtschaftliche Auswirkungen überstanden werden. Die Folge wird eine Flucht in die Sicherheit sein, die zu einer Kreditverknappung in den USA führt. Diesen rezessiven Tendenzen wird sich auch die Schweiz nicht entziehen können.

In den USA hat die Finanzkrise auch die Versicherungsbranche erfasst. Wird dies auch in der Schweiz passieren? Ich glaube kaum, dass eine akute Gefährdung für die Schweizer Branche entsteht. Die Schweizer Versicherungen sind viel weniger exponiert als die amerikanischen Konzerne. AIG hatte eine eigentliche Investmentbank mit entsprechenden Derivate-Positionen. Auch Schweizer Unternehmen besitzen ähnliche Arme, aber in einem viel kleineren Ausmass.

Schlussfrage: Müssen Banker und Versicherer in der Schweiz um ihren Job fürchten? Wenn sich die Finanzkrise nicht in nächster Zeit beruhigt, muss man davon ausgehen. Sinken die Börsenkurse weiter, führt dies zu einer – wenn auch temporären – Schrumpfung des Sektors. Dies bedeutet auch, dass es zu einem Abbau von Stellen kommt.

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