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Krise? Finanzjongleur Behring meldet wieder Traumrenditen

Dieter Behring ist seit April mit einem neuen Anlagesystem zurück im Geschäft. Während die Aktienkurse weltweit stürzen, will er gutes Geld verdient haben. Finanzexperten warnen.

Vier Jahre ist es her, seit Dieter Behring mit seinem Börsenhandelssystem Schiffbruch erlitten und über tausend Anleger um ihr Geld gebracht hat. Seither ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen gewerbsmässigen Betrugs und Geldwäscherei gegen den Basler. Ein halbes Jahr sass er im Gefängnis und wurde danach auf freien Fuss gesetzt.

Noch hinter Gittern tüftelte Behring, der sich weiterhin für unschuldig hält, an einer neuen Anlagestrategie. Mit dem sogenannten Contracts-of-Difference-System spekuliert er mit einem computergestützten System auf steigende und fallende Aktienkurse. Und er wirbt um Kunden, die mindestens eine Million anlegen.

«Wir werden siegen»

Das neue Finanzprodukt ist seit 1. April in Betrieb: Und bereits vermeldet Behring mit seiner neuen Firma Venceremos («Wir werden siegen») hohe Renditen. Während die Aktienmärkte weltweit zusammenkrachen, will er mit seinem Börsensystem in den zurückliegenden sechs Monaten 23 Prozent zugelegt haben. Zum Vergleich: Der Swiss Market Index hat in der gleichen zeit fast 10 Prozent verloren.

Zuletzt, im August, erzielte Behring gemäss eigenen Angaben eine Rendite von immerhin 4.5 Prozent. Und auch in den vergangenen, überaus turbulenten Wochen brach der Erfolg nicht ab. Damit könnte Behring sein beim Start des Finanzprodukts verlautetes Ziel erreichen, den Durchschnitt der wichtigsten Aktienindizes jeweils um mindestens 10 Prozent pro Jahr zu schlagen.

Profis nehmen Anlagesystem nicht ernst

So schön die Renditen klingen - Finanzexperten raten davon ab, in das Anlagesystem zu investieren. «Ich würde keinen Fünfer in das Anlagesystem investieren», sagt etwa Erwin Heri, Finanzprofessor der Universität Basel. Er hält das Behring-Trading-System für undurchsichtig. «Ein paar Zahlenreihen auf der Website präsentieren kann jeder. Ernst genommen wird man damit von Profis aber nicht.» Was Behrings System leiste, lasse sich nicht nachvollziehen, das Gestrüpp an Modellen und Berechnungen sei kaum zu durchdringen.

Behring selber wehrt sich gegen diese Vorwürfe: Man habe sich von Anfang an bereit erklärt, «dass alle Interessenten regelmässig Einsicht in alle wichtigen Informationen erhalten», erklärt er auf Anfrage von Redaktion Tamedia.

Keine Angaben zu Kunden und Anlagevermögen

Der Börsenhändler selbst weist auf Anfrage darauf hin, alle Kunden müssten sich schriftlich dazu verpflichten, dass ihre Konten jährlich von einer «renommierten Revisionsgesellschaft» geprüft werden dürfen. Ob dies allerdings auch tatsächlich geschehen wird, darüber macht er keine Angaben. Ebenfalls unklar ist, ob es Behring gelungen ist, Anleger von seinem neuen Finanzprodukt zu überzeugen: «Über die Anzahl der Kunden und deren Anlagevolumen veröffentlichen wir keine Informationen», erklärt er.

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