Weihnachtsmärchen bei Meyer Burger

Das Zittern um die Zukunft von Meyer ­Burger hat ein Ende. Neun Tage vor Weihnachten steht fest, dass die Kapitalerhöhung zustande ­gekommen ist. Fast alle ­Aktionäre haben mitgemacht.

Es geht weiter: Die knapp 400 Mitarbeiter von Meyer Burger in Thun können aufatmen.<p class='credit'>(Bild: Patric Spahni)</p>

Es geht weiter: Die knapp 400 Mitarbeiter von Meyer Burger in Thun können aufatmen.

(Bild: Patric Spahni)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Der Zusammenbruch ist abgewendet: Das Thuner Solarunternehmen Meyer Burger hat am Donnerstagabend nach Börsenschluss bekannt gegeben, dass ihm die angestrebte Kapitalerhöhung gelungen ist.

Bis Donnerstagmittag sind 99,9 Prozent der Bezugsrechte ausgeübt worden. Bereits an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 2. Dezember war zu spüren, dass das Vertrauen der Aktionäre in die Technologie von Meyer Burger ausgesprochen gross ist.

Hohe Zahlungsbereitschaft

Jetzt haben die Aktionäre auch mit dem Portemonnaie gezeigt, dass sie an die Zukunft von Meyer Burger glauben. Sie haben grossmehrheitlich neue Aktien gezeichnet, sodass dem Unternehmen mindestens 164,5 Millionen Franken zufliessen. Meyer Burger hatte eine Summe von 160 Millionen Franken angestrebt. Die meisten Aktionäre ­haben damit auch deutlich gemacht, dass sie eine Verwässerung ihres Anteils nicht in Kauf nehmen wollten. Die bisherigen Aktionäre hatten die Möglichkeit, pro gehaltene Namenaktie fünf neue Aktien zu zeichnen.

Damit ist das Schlimmste ab­gewendet. Hätten die Aktionäre nicht mitgemacht, dann wäre ein Kollaps des Unternehmens nicht ausgeschlossen gewesen.

Anzeichen waren positiv

In den letzten Tagen hatte es sich bereits abgezeichnet, dass die ­Sanierung des Unternehmens zustande kommen dürfte. Der Verwaltungsrat konnte mitteilen, dass er Investoren gefunden hatte, die bereit waren, sich mit insgesamt 49 Millionen Franken an der Kapitalerhöhung zu beteiligen. Dies für den Fall, dass viele Aktionäre auf die Ausübung ihres Bezugsrechts verzichten würden. Dieses Geld muss Meyer Burger nun nicht abrufen.

Schliesslich wurden nur für knapp 600'000 Aktien die Bezugsrechte nicht ausgeübt, was 0,1 Prozent des neuen Aktien­kapitals entspricht. Diese Bezugsrechte werden nun am Markt verkauft. Der erste Handelstag der neuen Aktien wird der 20. Dezember sein.

Damit das Sanierungsprogramm effektiv unter Dach und Fach ist, steht noch ein formaler Schritt aus: Das Obergericht des Kantons Bern muss noch die Änderung der Bedingungen für die bis 2020 laufende Anleihe von 100 Millionen genehmigen.

Geld für Schuldendienst

Trotz aller Freude über die Sanierung: Etwas unschön an der Geschichte ist, dass Meyer Burger das frische Kapital nur zu einem kleinen Teil für Investitionen einsetzen kann. Den Grossteil des Geldes muss das Unternehmen nämlich verwenden, um die im Mai 2017 auslaufende Anleihe von 130 Millionen zurück­zuzahlen.

Berner Zeitung

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