Immobilienboom beunruhigt Nationalbank

Die Entspannung am Schweizer Immobilienmarkt hat sich im dritten Quartal des letzten Jahres nicht bestätigt. Die SNB ist deshalb alarmiert. Positives gibt es von der Verteidigung der Frankenuntergrenze.

Entscheid über die Aktivierung weiterer Kapitalpuffer bei den Banken liegt beim Bundesrat: Arbeiter auf einer Baustelle in St. Moritz im Engadin. (28. Juni 2011)

Entscheid über die Aktivierung weiterer Kapitalpuffer bei den Banken liegt beim Bundesrat: Arbeiter auf einer Baustelle in St. Moritz im Engadin. (28. Juni 2011)

(Bild: Keystone)

Der Immobilienmarkt bereitet der Schweizerischen Nationalbank (SNB) weiterhin Sorgen. Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg hielt sich in einem Interview mit der Sendung «ECO» von SRF aber bedeckt, ob die SNB die Aktivierung zusätzlicher Kapitalpuffer empfiehlt.

Im zweiten Quartal habe die Notenbank das Gefühl gehabt, dass sich die Lage am Immobilienmarkt und bei den Hypothekarausleihungen etwas entspannt habe, sagte Zurbrügg in dem heute vorab zugestellten Interview mit der Wirtschaftssendung.

Das habe sich im dritten Quartal aber nicht bestätigt, daher sei die Notenbank beunruhigt. Auf die Frage, ob der antizyklische Kapitalpuffer in diesem Jahr angesichts der weiteren Zuspitzung aktiviert werde, sagte Zurbrügg, die SNB überprüfe diese Aktivierung laufend.

Kapitalpufferprozess initiiert

Die Zunahme der Liegenschaftspreise und des Hypothekarkreditvolumens würden sorgfältig analysiert. Die SNB inititiiere nach Anhörung der Finanzmarktaufsicht (Finma) zwar den Kapitalpufferprozess, der Entscheid über die Aktivierung obliege aber dem Bundesrat.

Äusserungen von Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann an einer Medienkonferenz Mitte Dezember, wonach die Lage nicht so dramatisch sei, seien «ein bisschen hochgeschaukelt» worden, sagte Zurbrügg. Der Bundesrat werde seinen Entscheid aufgrund der eigenen Analyse treffen.

Keine Zinserhöhung

Eine Zinsanhebung als einfache Massnahme gegen eine Überhitzung am Immobilienmarkt schloss Zurbrügg aus. Geldpolitisch lasse sich das überhaupt nicht umsetzen. Darum müsste gegebenenfalls der zusätzliche Kapitalpuffer verordnet werden.

Gegen eine mögliche Immobilienblase in der Schweiz ist seit Ende Juli 2012 die Aktivierung eines zusätzlichen Kapitalpuffers bei den Banken möglich. Falls sich das Hypothekarkreditvolumen übermässig stark ausweitet, kann der Bundesrat von den Banken zusätzliche Eigenmittel in der Höhe von 2,5 Prozent der risikogewichteten Positionen verlangen.

Devisenreserven stabil

Die Devisenreserven der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sind im Dezember leicht gesunken. Sie erreichten Ende Monat gemäss provisorischen Zahlen 427,2 Milliarden Franken nach 427,4 Milliarden im November, wie die Notenbank mitteilt.

Den Bestand per Ende November revidierte die SNB leicht von 424,8 Milliarden Franken nach oben. Die Devisenreserven sinken seit Oktober. Damals nahmen sie erstmals nach acht Monaten drastischen Anstiegs wieder ab. Die Notenbank kommentierte die Zahlen nicht.

Rekordstand im September

Im September vergangenen Jahres hatten die Devisenreserven nach umfangreichen Käufen zur Sicherung des Euro-Mindestkurses von 1.20 Franken einen Rekordstand von 429,5 Milliarden Franken erreicht.

Wie bereits im Vormonat dürften im Dezember Wechselkursschwankungen die Entwicklung bestimmt haben. Die SNB errechnete für den Euro einen Durchschnittskurs von 1.2052 Franken nach 1.2098 Franken im November. Dies brachte eine Absenkung der Euro-Anlagen umgerechnet in Franken mit sich. Demgegenüber stieg der durchschnittliche Dollarkurs von 0.9328 auf 0.9392 Franken im Dezember.

Die SNB hält ihre Devisenreserven überwiegend in Euro, Dollar, Yen und britischem Pfund. Kursveränderungen dieser Währungen gegenüber dem Franken schlagen sich im Frankenwert der Devisenbestände nieder.

Seit der Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB) im September 2012, sie kaufe notfalls unbeschränkt Staatsanleihen kriselnder Eurostaaten, notiert der Euro deutlich über dem SNB-Mindestkurs.

Insgesamt verfügte die Nationalbank Ende Dezember ohne Gold über Reserven von 434,2 Milliarden Franken. Ende November waren es nach revidierten Zahlen 434,9 Milliarden gewesen.

mw/rub/sda

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