«Ich komme an die Kasse wie jeder andere auch»

Für SBB-Chef Andreas Meyer ist eine Kürzung seines Lohns kein Thema. Künftig wird er aber wie alle Mitarbeiter 0,8 Prozent seines Salärs an die Pensionskasse abgeben müssen.

SBB-CEO Andreas Meyer im Interview. Interview: Mirjam Comtesse Video: Sibylle Hartmann
Mirjam Comtesse

Am Donnerstagmorgen kündigten die SBB ein umfassendes Sparprogramm an. Bis 2020 sollen die Kosten drastisch gesenkt werden, unter anderem, um die Kosten im Personenverkehr nicht weiter ansteigen zu lassen.

Herr Meyer, die Billettpreise sollen dank dem Sparprogramm der SBB nicht weiter steigen. Können Sie dies in den nächsten Jahren einlösen?
Andreas Meyer: Wir können nichts versprechen, weil die Politik tendenziell eine stärkere Finanzierung des öffentlichen Verkehrs durch die Nutzer wünscht. Das ist nicht verwunderlich: Bund und Kantone zahlen über zwei Milliarden Franken für Unterhalt und Betrieb der Infrastruktur sowie für den bestellten Regionalverkehr. Diese Kosten steigen, weil der Unterhalt zunimmt und es Ausbauten gibt. Zwei Drittel des ­Effekts unseres Sparprogramms sollen zur Dämpfung dieser Kosten beitragen. Das zeigt, dass wir es ernst meinen mit der Stabilisierung der Preise.

1400 Stellen werden abgebaut. Wird der Service beim Zug­reisen nachlassen?
Wir werden keine Abstriche bezüglich Qualität machen. Der Kunde soll unsere Massnahmen höchstens im Portemonnaie spüren. Wir sparen beim Personal vor allem in Bereichen, in denen wir vieles automatisiert haben. Gleichzeitig benötigen wir teilweise mehr Lokführer und mehr Zugbegleiter. Es handelt sich also eher um einen ­Umbau als um einen Abbau.

Wie viele Leute werden Sie entlassen müssen?
Wir haben den wohl sozialsten Gesamtarbeitsvertrag der Schweiz. Er enthält ein Verbot von Kündigungen aus wirtschaftlichen Gründen. Das werden wir respektieren. Wir rechnen damit, dass etwa doppelt so viele Personen, wie wir abbauen müssen, in den betroffenen Berufsgruppen über natürliche Fluktuationen und Pensionierungen das Unternehmen verlassen werden.

Der Gesamtarbeitsvertrag gilt für 95 Prozent der Mitarbeiter und nur bis 2018. Wird es ­danach Entlassungen geben?
Wir wollen keine Entlassungen.

In den Medien wird immer wieder Ihr hohes Salär von über einer Million Franken kritisiert. Wieso gehen Sie nicht mit gutem Beispiel voran und sparen hier Geld ein?
Im Rahmen der Risikobeiträge bei der Pensionskasse wollen wir den Anteil der Arbeitnehmer gleich gross gestalten wie den des Arbeitgebers. Das ist bei den meisten Unternehmen der Fall. Auf allen Ebenen bei den SBB werden deshalb künftig 0,8 Prozent des Lohns abgezogen. Da komme ich ebenso an die Kasse wie jeder andere auch.

Eine mögliche Sparmassnahme wären selbstfahrende Züge ohne Lokführer. Die Südostbahn hat Tests angekündigt. Wie sieht es bei den SBB aus?
Ich sehe dies nicht unbedingt als Sparmassnahme, aber na­türlich schauen wir uns solche Ideen auch an. In den komplexen Hauptbahnhöfen wie in ­Zürich und in Bern wird es allerdings noch sehr lange gehen, bis wir die Ein- und Ausfahrten ohne Lokführer bewältigen ­können.

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