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Hochzeit unter Schweizer Versicherern

Der Versicherungskonzern Helvetia bietet für die Konkurrentin Nationale Suisse. Es soll eine «klaren Nummer 3» auf dem Schweizer Markt entstehen – und viele Stellen nicht mehr besetzt werden.

Setzt mit seiner Helvetia zur Übernahme an: Gruppen-Chef Stefan Loacker an der Bilanzmedienkonferenz 2013.
Setzt mit seiner Helvetia zur Übernahme an: Gruppen-Chef Stefan Loacker an der Bilanzmedienkonferenz 2013.
Keystone

Die Versicherung Helvetia setzt mit der Übernahme der Nationale Suisse in einem gesättigten Schweizer Markt zum Wachstumssprung an. Sie greift tief in die Tasche und bietet den anderen Nationale-Aktionären 1,432 Milliarden Franken. Unklar ist, wie viele Stellen wegfallen.

Der Verwaltungsrat von Nationale Suisse empfiehlt den Aktionären, das Angebot der Helvetia-Gruppe, die bereits 18,7 Prozent der Titel hält, anzunehmen. Noch vor wenigen Monaten tönte es ganz anders, das Traditionsunternehmen pochte auf seiner Eigenständigkeit, wie Verwaltungsratspräsident Andreas von Planta in Zürich vor den Medien einräumte.

Die Situation habe sich mit den Veränderungen im Aktionariat aber grundlegend gewandelt. So hat die Mobiliar einen Anteil von gut 19 Prozent erworben, Helvetia baute ebenfalls aus und die Baloise erhöhte auf 10 Prozent.

Die Interessenskonflikte im Aktionariat und Übernahmespekulationen hätten Mitarbeitende und Kunden verunsichert, das Tagesgeschäft belastet und das Management abgelenkt, erläuterte von Planta. Der Verwaltungsrat habe sich nun einstimmig für das Angebot von Helvetia entschieden.

Es sei die höchste von mehreren Offerten, sagte von Planta, ohne die anderen Bieter zu nennen. Bei der Mobiliar und der Baloise-Gruppe hiess es am Montag, sie prüften das Angebot.

«Klare Nummer 3»

Helvetia-Chef Stefan Loacker pries die Übernahmeofferte als Schulterschluss an, um zur «klaren Nummer 3» im Schweizer Versicherungsmarkt zu werden. Die Kernaktionäre von Helvetia, also die Patria Genossenschaft, Raiffeisen und Vontobel, unterstützten das Angebot.

Gemäss Loacker kommen Helvetia und Nationale zusammen auf einen Marktanteil von 12 Prozent. Mit den rund 2 Prozent Marktanteil von Nationale kann Helvetia ihre Konkurrenten Baloise, Zurich, Allianz und Mobiliar distanzieren, die auf 7 bis 9 Prozent kommen. An der Spitze stehen Swiss Life mit 18 Prozent und Axa Winterthur mit 28 Prozent.

Kommt die Übernahme zustande, stärkt Helvetia vor allem das Schadenversicherungsgeschäft und Nischengeschäfte wie Transport-, Kunst- und Rückversicherungen. Das Prämienvolumen würde, gemessen an den Ergebnissen von 2013, um 1,5 Milliarden oder fast 20 Prozent auf 9,1 Milliarden Fr. wachsen. Der Gewinn stiege gar um 28 Prozent auf 467 Millionen Franken.

Loacker peilt mittelfristig ein Prämienvolumen von über 10 Milliarden Fr. an und sieht ein Gewinnpotenzial von über 500 Millionen. Durch den Zusammenschluss könnten jährliche Kosten von 100 bis 120 Millionen Fr. eingespart werden. Die einmaligen Restrukturierungskosten werden auf 150 bis 180 Millionen Fr. veranschlagt.

Kaum Angaben zum Stellenabbau

Beschäftigen soll die neue Gruppe rund 7000 Mitarbeitende. Zum Umfang des Stellenabbaus gab es auch auf Nachhaken keine genauen Angaben, auch nicht bezüglich Standorte, da die Zusammenführung erst vorbereitet werde.

Während zwei bis drei Jahren sollen viele Stellen von ausscheidenden Mitarbeitenden nicht wieder besetzt werden. Angesichts der natürlichen Fluktuationsrate von 5 bis 10 Prozent pro Jahr könne «ein beträchtlicher Teil der personalbezogenen Effizienzgewinne» schonend realisiert werden, sagte Loacker. Kündigungen sind damit aber nicht ausgeschlossen.

Von den zusammen 71 Generalagenturen sollen 50 übrig bleiben. Der Name Nationale Suisse wird verschwinden: Die neue Versicherung wird unter der Marke Helvetia auftreten. Helvetia mit Stammsitz in St. Gallen hatte sich in den 1990er-Jahren bereits mit der Basler Versicherung Patria zusammengeschlossen und deren Marke später beerdigt.

St. Gallen soll Hauptsitz der Helvetia-Gruppe und Ankerstandort für die Schadenversicherung Schweiz bleiben. Basel ist laut den Plänen auch künftig Sitz der Helvetia Schweiz, der Nebengeschäfte (Specialty Lines) und des Lebengeschäfts.

Hoher Preis

Analysten sprachen zwar von einem logischen Zusammenschluss, wiesen aber auch unisono auf den hohen Kaufpreis von 80 Fr. pro Aktie hin. Gegenüber dem Schlusskurs der Nationale-Aktie vom Freitag zahlt Helvetia eine Prämie von 26 Prozent. Anfang Dezember hatte der Titel noch bei weniger als 50 Fr. notiert.

Pro Nationale-Suisse-Aktie bietet Helvetia 52 Fr. in bar und den Rest in Form von 0,068 neuen Helvetia-Aktien. Die Barzahlung von total 931 Millionen Fr. ist laut Helvetia durch ein Überbrückungsdarlehen sichergestellt, welches nach Abschluss der Transaktion über den Kapitalmarkt mit Anleihen refinanziert werden soll.

In die Helvetia-Führung sollen auch Nationale-Manager einziehen. Loacker bleibt aber CEO und Erich Walser Verwaltungsratspräsident. Nationale-Chef Hans Künzle soll zum zweiten VR-Vizepräsidenten gewählt werden. Er verzichtet nach eigenen Angaben auf die ihm zugesicherten 2,5 Jahresgehälter bei einem Besitzerwechsel. Nationale-Präsident von Planta soll bei Helvetia ebenfalls einen VR-Sitz erhalten.

SDA/cpm

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