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Helvetic Airways erfindet sich neu

Die Fluggesellschaft will bis zu 24 neue Flugzeuge kaufen – und sucht damit auch die Unabhängigkeit von Marktführerin Swiss.

Rot und Weiss: Die Fluglinie Helvetic legt viel Wert auf Swissness. Foto: Thomas Hodel (Keystone)
Rot und Weiss: Die Fluglinie Helvetic legt viel Wert auf Swissness. Foto: Thomas Hodel (Keystone)

Vielleicht war es die Euphorie angesichts vieler neuer Bestellungen, die dafür sorgte, dass Embraers Verkaufschef Arjan Meijer der Fauxpas unterlief. An der Luftfahrtmesse Farnborough Air Show nahe London gab er bekannt, dass Helvetic Airways bis zu 24 Flugzeuge bei den Brasilianern kaufen will – und fügte gleich an, wie schön es sei, dass die Flieger in der Lufthansa-Gruppe fliegen werden. Doch: Helvetic Airways gehört nicht zum deutschen Lufthansa-Konzern, sie ist im Besitz des Schweizer Investors Martin Ebner. Gegründet wurde die Fluggesellschaft 2003. Sie hat ihren Hauptsitz in Zürich, mit Zentren an den Flughäfen Zürich und Bern-Belp.

Was in Bezug zur Lufthansa-Gruppe stimmt: Helvetic operiert für Swiss zahlreiche Flüge im sogenannten Wet ­Lease – stellt also Flugzeuge und Crew für Flüge zur Verfügung, welche die Swiss vermarktet. Und Swiss wiederum gehört seit 2005 zur Lufthansa-Gruppe. Swiss ist mittlerweile sogar die grösste Airline-Kundin von Helvetic. So sind vier der zwölf Flieger aus der Helvetic-Flotte für die Swiss im Einsatz. Der Rest fliegt für andere Airlines, ist im Charter- oder Linienverkehr für Reiseveranstalter oder Firmen un­ter­wegs. Helvetic bietet zudem auch eigene Linienflüge an.

Die Abhängigkeit von Swiss, so tönt es zumindest bei Helvetic Airways, will man künftig etwas reduzieren. Und dabei spielt die aktuelle Bestellung neuer Flugzeuge eine wichtige Rolle.

Die Bestellung beinhaltet zum einen den Kauf von zwölf Embraer E190-E2; der neueren Variante der sogenannten E-Jets des brasilianischen Flugzeugbauers, von denen Helvetic bereits sieben in ihrer Flotte hat.

Der neue Jet wurde erst in diesem April an die Erstkundin Wideroe in Norwegen ausgeliefert. Der Treibstoffverbrauch soll pro Sitz 16 bis 24 Prozent tiefer liegen – dank neuer Triebwerke und anderer Verbesserungen, etwa bei der Aerodynamik. Zudem sind die neuen Modelle leiser, was vor allem für den Standort Bern wichtig sei, wie Helvetic-Chef Tobias Pogorevc sagt.

Wenn alle zwölf neuen Flugzeuge in der Flotte von Helvetic Airways sind, wird das Durchschnittsalter dementsprechend niedrig liegen. Man werde nicht nur die Regionalairline mit den modernsten, sondern auch mit den neuesten Flugzeugen in Europa sein, kommentiert Pogorevc gegenüber dieser Zeitung. «Und das bietet auch Raum für Wachstum», sagt er. Was Tobias Pogorevc damit meint: Zusätzlich sicherte sich die Airline noch Kaufrechte für zwölf weitere Flieger des Typs. Und die könnten sogar von der grösseren Variante E195-E2 sein, in die rund 25 Passagiere mehr passen. Das wäre eine Verdoppelung der Helvetic-Flotte.

Martin Ebner, Eigner von Helvetic Airlines, wird bei seinen Ausführungen etwas deutlicher. Die Bestellung, so der Investor, sei ein Zeichen dafür, dass bei Helvetic gerade ein «Paradigmenwechsel» stattfinde. Bisher setzte man auf gebrauchte Flugzeuge, die relativ günstig zu haben waren. Diese Option habe Helvetic auch bei der neuen Bestellung gehabt. «Es ging um die Frage: Fahren wir das alte Modell weiter? Dann wären wir bei den älteren Modellen geblieben.» Doch das wollte Martin Ebner nicht. «Wir wollten den Schritt wagen, mit relativ gesehen teureren Jets das Fundament zu schaffen, eine moderne und starke Regionalairline zu werden», erklärt Ebner. Bedeutet dies, dass Helvetic Airways weniger anhängig von Swiss werden will? «Durchaus», sagt Ebner. «Es ist nie gut, immer sehr stark abhängig von einem Kunden zu sein.»

Von der Billig-Airline zum Qualitätsflieger

Auch wenn das Ganze noch mehr Pläne sind als Tatsachen: Was Ebner bei Helvetic sagt, hat Gewicht. Noch 2006 kämpfte Helvetic Airways mit finanziellen Problemen und stand kurz vor dem Grounding. Im März 2006 kauften Martin Ebner und seine Frau Rosemarie die Fluglinie und retteten sie vor dem Aus.

Bereits beim Besitzerwechsel kam es zu einem erfolgreichen Paradigmenwechsel bei der Fluggesellschaft. Vor Martin Ebners Einstieg war Helvetic eine Billigairline mit greller lila Bemalung. Ebner passte dieses Image gar nicht. Er wollte aus Helvetic eine grundschweizerische Fluglinie machen. Er legt deshalb viel Wert auf Swissness und Qualitätsverständnis. Zwei Eigenschaften, die laut dem Investor zusammengehören.

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