Haute Couture der etwas anderen Art

Von der Kochweste bis zur Kapitänsuniform: Die Albiro-Gruppe in Sumiswald entwirft, produziert und vertreibt Arbeitskleidung. Sie ist für den Unternehmerpreis Espace Mittelland des Swiss Venture Club nominiert.

Video-Interview mit dem Albiro-CEO.
Mirjam Comtesse

Unzählige Nähmaschinen stehen im hellen Raum. Acht Frauen bücken sich über Feuerwehrjacken, Sweatshirts und Sicherheitswesten. Es surrt und knattert. Hier an der Dorfgasse 14 in Sumiswald ist der Hauptsitz der Albiro-Gruppe – und hier tüftelt die Firma an den neusten Kollektionen. Ihr gehören die Marken Albiro (Unternehmensbekleidung/Uniformen), Wikland (Arbeitskleider für Handwerker), Marsum (Arbeitskleider für Heimwerker) und Solida (Medizinal- und Gastronomiekleider).

Vor allem auf die Berufsuniformen ist Albiro spezialisiert. Zu ihren Kunden gehören zum Beispiel die Berner Polizei, die BLS, Kambly, die Landi und das Inselspital. «Eine Kleidung zu finden, die auf alle Bedürfnisse innerhalb eines Betriebs passt, ist die grosse Herausforderung», sagt Albiro-Chef Roland Loosli. Er erklärt: «Bei den Jungfraubahnen beträgt die Temperatur im Sommer im Schalterhaus 30 Grad. Oben auf dem Jungfraujoch sind es minus 5 Grad.» Da helfen nur Kleidungsstücke, die sich für den Zwiebellook eignen. Erfindergeist gefragt ist auch bei Kunden wie dem Energieunternehmen BKW, die besondere Ansprüche an die Sicherheit stellen. Im Fall der BKW verwendet Albiro spezielle Textilien, die vor elektrischen Funken schützen.

Laufend dem Trend angepasst

Wie die Designer in der glamourösen Laufstegwelt achten auch die Sumiswalder auf Trends: Ein- bis zweimal im Jahr werden die Kollektionen überarbeitet. «Ganz wichtig ist etwa die Jackentasche fürs Handy», sagt Loosli. «Früher waren die Mobiltelefone gross, da brauchte es riesige Taschen, dann wurden sie kleiner – und nun mit dem iPhone wieder breiter.»

Ebenfalls Rechnung trägt Albiro den Bedürfnissen der verschiedenen Generationen in einem Betrieb: Der Lehrling trägt die Hosen lieber auf der Hüfte, der ältere Angestellte zieht sie gerne hoch bis zur Taille.

Im Ausland wird produziert

Steht das Design für eine Kollektion, gehen die Schnittmuster nach Mazedonien und Marokko – seit kurzem auch nach Bosnien. Dort nähen insgesamt rund 800 Frauen die Kleider. «Die Produktion in der Schweiz wäre zu teuer», erklärt Loosli. In der Schweiz selbst beschäftigt Albiro in Sumiswald und im Lager in Entlebuch 70 Personen. Über 60 weitere Angestellte sind in Deutschland und Österreich tätig.

Kopfweh bereitet Loosli der derzeit hohe Preis für Baumwolle. Er ist um über 150 Prozent gestiegen. «Wir hoffen, dass wir weiterhin genügend Rohware für die Produktion beschaffen können», meint der Unternehmer.

Die Albiro-Gruppe entwirft und produziert die Kleidung nicht nur, sondern vertreibt sie auch. So liefert sie die fertigen Berufskleider den Mitarbeitern eines Auftraggebers direkt nach Hause. Loosli sagt: «Mit dieser personalisierten Logistik unterscheiden wir uns von anderen Firmen.»

Führend in der Schweiz

Das Familienunternehmen ist im zersplitterten Schweizer Markt führend. «In Österreich sind wir etwa die Nummer drei, und in Deutschland kämpfen wir noch um Aufmerksamkeit», sagt Loosli. Pro Jahr setzt Albiro rund 55 Millionen Franken um.

Entstanden ist die Holding vor 10 Jahren aus der Marti Berufsbekleidung AG in Sumiswald. Was der Name Albiro bedeutet, will Loosli nicht verraten: «Nicht einmal meine Kinder wissen das.» Erst in 15 Jahren, wenn das Unternehmen das 200-Jahr-Jubiläum feiert, wird er «das bestgehütete Firmengeheimnis» lüften.

Berner Zeitung

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