Gute Zeiten für die Swatch Group

Günstige Uhren sind für die Hersteller zu einem schwierigen Geschäft geworden. Doch Swatch konnte in diesem Segment Marktanteile gewinnen.

Nick Hayek, CEO der Swatch Group.

Nick Hayek, CEO der Swatch Group.

(Bild: Keystone Peter Schneider)

Jon Mettler@jonmettler

Die Swatch Group hat im vergangenen Jahr zurück auf den Wachstumspfad gefunden: Nach den Krisenjahren 2015 und 2016 gab der weltgrösste Uhrenkonzern am Dienstag starke Kennzahlen für 2017 bekannt. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 5,4 Prozent auf 7,9 Milliarden Franken. Der Reingewinn nahm um 27,3 Prozent auf 755 Millionen Franken zu. Zur Gruppe mit Sitz in Biel gehören Marken wie Omega, Tissot und Swatch.

Im Branchenvergleich konnte die Swatch Group überdurchschnittlich zulegen. Die Schweizer Uhrenindustrie exportierte 2017 Waren im Wert von 19,9 Milliarden Franken, was einem Plus von 2,7 Prozent entspricht. Allein im vierten Quartal mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft verbesserte die Swatch Group den Umsatz um knapp 15 Prozent. Konkurrent Richemont aus Genf – mit Marken wie Cartier, IWC und Montblanc – meldete für den gleichen Zeitraum ein Umsatzwachstum in Euro von 1 Prozent.

Die Kennzahlen der Swatch Group zeigen, dass die Kauflust der Konsumenten zurückgekehrt ist. Am deutlichsten war das in Asien der Fall, wo sich eine aufkommende Mittelschicht im wichtigen Markt China wieder vermehrt Schweizer Uhren leistet. Zuletzt hatten kaufkräftige Touristen aus dem Reich der Mitte aus Angst vor Terroranschlägen europäische Reiseziele gemieden. Das schlug sich auf die Verkäufe in den Uhrenboutiquen der Metropolen nieder.

Marktanteile gewonnen

Die ausgabefreudigen Konsumenten sorgten dafür, dass die Swatch Group in allen Preisklassen Marktanteile gewonnen hat. «Mechanische Uhren legen zu. Das obere Preissegment boomt. Die Leute mögen Produkte ohne Batterien», freute sich Konzernchef Nick Hayek. Dazu passt, dass das Flaggschiff Omega im zweiten Halbjahr 2017 «eine sehr starke Beschleunigung» hingelegt hat.

Hayek sagte, dass die Luxusuhrenmarke auf dem Weg sei, jährlich 3 Milliarden Franken Umsatz zu erwirtschaften. Mit dem oberen Preissegment sind Zeitmesser ab 3000 Franken gemeint. Auffallend ist, dass die Swatch Group mit ihren Marken Swatch und Flik Flak in der unteren Preisklasse ebenfalls spürbar zulegen konnte. Die meisten Billiguhren unter 200 Franken sind batteriebetriebene Quarzprodukte.

Dieser Geschäftsbereich war unter Druck geraten. Branchenfremde Produzenten wie der US-Technologiekonzern Apple oder Samsung aus Südkorea lancierten ihre Computeruhren in diesem Preissegment. Sie brachten die Gewinnmargen unter Druck, wie Hayek erklärte. Die Hersteller könnten die Preise nicht einfach erhöhen. Das sei ein «echtes Problem». Die Swatch Group sei aber von den sinkenden Gewinnspannen nicht betroffen.

Analysten vermuten, dass der Bieler Uhrenkonzern Marktanteile gewinnen konnte, weil in den Krisenjahren einige Konkurrenten sich aus dem unteren Preissegment verabschiedet hatten.

Höhere Dividende für Aktionäre

Die Aktionäre der Swatch Group können sich aufgrund der soliden Geschäftszahlen auf einer höhere Gewinnausschüttung freuen. Der Verwaltungsrat schlägt der Generalversammlung vom 24. Mai eine Dividende pro Inhaberaktie von 7.50 Franken vor. Im Vorjahr waren es noch 6.75 Franken. Der Aktienmarkt reagierte mit Wohlwollen auf die Geschäftszahlen. Bei Börsenschluss notierte die Inhaberaktie bei 423.80 Franken. Gegenüber dem Vortag ist das ein Plus von 5,1 Prozent.

Ein Grund für die Zuversicht der Anleger ist der optimistische Ausblick fürs laufende Jahr. Die Swatch Group geht von einem «sehr positiven Wachstum» aus. Ein Treiber ist der Sport. Bei den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang tritt Omega als offizieller Zeitnehmer auf. Tissot kehrt als Sponsor und Zeitnehmer an die Tour de France zurück. Beide globalen Sportanlässe nutzt die Swatch Group, um den Verkauf ihrer Uhren anzukurbeln.

Berner Zeitung

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