«Gute Neuigkeiten für Andermatt»

Orascom schreibt Verluste, Samih Sawiris wird Mehrheitsaktionär bei der Swiss Alps. Was bedeutet dies fürs Tourismusprojekt in Andermatt? Wir haben nachgefragt bei Aktienanalyst Patrick Hasenböhler.

Simon Schmid@schmid_simon

Herr Hasenböhler, wie schwierig ist die Lage für Samih Sawiris? Aus Schweizer Sicht muss man unterscheiden zwischen dem Unternehmen Orascom und dem Tourismusprojekt Andermatt. Wegen der Probleme auf dem Heimmarkt Ägypten steckt Orascom nach wie vor in grossen Schwierigkeiten. Der Firma fliesst nach wie vor sehr wenig Bargeld zu. Für Andermatt gab es heute dagegen gute Neuigkeiten.

Inwiefern? Samih Sawiris wandelt sein Darlehen an die Tochtergesellschaft Swiss Alps in Eigenkapital um und wird damit Mehrheitsaktionär. Zudem hat er angekündigt, bis 2017 mindestens 150 Millionen Franken zu investieren. Wäre ich Eigentümer einer Wohnung in Andermatt, so würde ich mich heute wohler fühlen. Aus der Sicht von Wohnungskäufern ist das grösste Risiko zum heutigen Zeitpunkt jenes, dass die Infrastruktur nicht wie vorgesehen fertiggestellt wird. Diese Gefahr hat nun abgenommen. Im schlimmsten Fall wird Orascom zahlungsunfähig – aber auch dann könnte das Projekt in Andermatt weitergeführt werden.

Sawiris haftet nun mit einem Teil seines eigenen Vermögens für Andermatt – ähnlich wie ein Privatbankier. Die Investition kann als Bekenntnis für das Urner Tourismusresort gedeutet werden. Geht etwas schief in Andermatt, so ist Sawiris derjenige, der am meisten verlieren kann. Auch wenn der Zeithorizont sehr ambitioniert ist, darf man für das Tourismusprojekt in Andermatt insgesamt also optimistisch bleiben. Für Sawiris' Commitment spricht auch, dass er bereit ist, das Defizit für die gesamte Orascom im Jahr 2013 zu tragen.

Verschiedene Gründe wurden angeführt, warum das Projekt harzig verlief: Frankenstärke, Eurokrise, arabischer Frühling… Die Frankenstärke sehe ich nicht als Grund für die Verzögerungen beim Wohnungsverkauf – obwohl das zum Teil so behauptet wurde. Der Schweizer Immobilienmarkt läuft allgemein sehr gut, und dies trotz der Probleme in den umliegenden Ländern. Für Orascom ist die Situation in Ägypten dagegen wirklich ein Klotz am Bein. Die Touristen bleiben aus, die Einnahmen gehen zurück, Investitionen müssen verschoben werden.

Wie wirkt sich dies auf die anderen Projekte von Orascom aus? Auch an Standorten wie Grossbritannien oder Marokko fehlen die flüssigen Mittel, um Projekte wie ursprünglich geplant voranzutreiben. Aus diesem Grund würde ich aktuell auch nicht in Orascom investieren. Der Aktienpreis des Unternehmens ist im Vergleich zu den Vorjahren zwar tief. Trotzdem rechnen wir weiterhin mit einer unterdurchschnittlichen Kursentwicklung. Es zeichnet sich nicht ab, dass Orascom mittelfristig an der Börse besser als der Markt abschneidet.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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