Globus kämpft um Schild-Kunden

Die ehemaligen Schild-Filialen in Thun und in Bern sind in Globus-Filialen umgewandelt worden. Damit setzt das Warenhaus seine sogenannte One-Brand-Strategie um.

<b>In der neuen Globus-Filiale in Thun</b> können sich die Kunden die Koffer nur anschauen. Das gewünschte Modell wird ihnen dann zugestellt.

In der neuen Globus-Filiale in Thun können sich die Kunden die Koffer nur anschauen. Das gewünschte Modell wird ihnen dann zugestellt. Bild: Nicole Philipp

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Warenhaus Globus macht vorwärts mit der neuen Strategie. Der Detailhändler hat bis ­April 27 ehemalige Schild-Filialen in Globus-Filialen umgewandelt, beispielsweise die Filiale in Thun. Im ganzen Geschäft fällt auf: Die ­Modebereiche sind neu gemixt mit Minimarkets auf Rädern oder Thementischen.

Hier werden zum Beispiel Produkte aus der Haushaltswarenabteilung angeboten: Teller, Gläser und Lichterketten. Die Filiale ist wohnlich gestaltet, so hat es Sitzgelegenheiten und Kaffeemaschinen. Dies mit dem Ziel, dass es sich einkaufsmüde Männer dort gemütlich machen können. Deren Frauen können dann in aller Ruhe ihren Einkauf fortsetzen.

Neu wird auch mit dem Konzept eines Showrooms gearbeitet. Im ersten Stock hat es in einem Bereich etwa zwanzig Koffer. Daneben, gut ersichtlich, ein grosser Bildschirm. «Keinen der Koffer kann man mitnehmen», sagt Globus-Chef Thomas ­Herbert.

Der Kunde kann ein ­Modell mit der Etikette beim Bildschirm einscannen und sieht dann gleich, in welchen Farben und Grössen der Koffer erhältlich ist. Das ­gewünschte Modell kann er nach Hause oder in eine ­Globus-Filiale bestellen. Auf diese Weise braucht Globus keine Lager mehr an den verschiedenen Stand­orten, sondern kann die Ware zentral lagern.

Neuausrichtung als Reaktion

Die Modemarken Schild und Herren-Globus, beide gehören zur Globus-Gruppe und damit zum Migros-Verbund, verschwinden bis spätestens Ende 2019 unter der Dachmarke Globus. Hintergrund dieser Neuausrichtung ist, dass die Migros in den letzten Jahren mit ihren Ketten Globus, Herren-Globus und Schild kontinuierlich an Umsatz verloren hat.

Seit 2014 sind die Verkäufe jährlich um 4 Prozent zurückgegangen. Gründe dafür sind der Einkaufstourismus, der Online­handel und neue Konkurrenten auf dem Schweizer Markt.

Thementische mit Haushaltsartikeln stehen neu neben Kleiderständern. Bild: Nicole Philipp

«Die Tatsache, dass es Schild nicht mehr gibt, tut mir weh. Schild war mein Baby», sagt ­Thomas Herbert, der das ­Modehaus Schild von 2006 bis 2014 geführt hat. Herbert verrät, dass er die Idee einer gemeinsamen ­Marke mit dem Migros-Handelschef Beat Zahnd entwickelt hat.

«Wir müssen uns jetzt neu erfinden mit einer Modernisierung der Filialen und einer umfassenden digitalen Transformation.» Herbert will nicht ­sagen, wie viel die Vereinheit­lichung des Marktauftritts und der Umbau der ­Filialen kostet.

Die Strategie, am Markt nur noch unter einem Namen aufzutreten, hält der Berner Professor Harley Krohmer für logisch. «Die Premiummarke Globus hat in der Schweiz eine sehr gute Reputation.

Mit der Zusammenlegung unter der Dachmarke Globus können darüber hinaus auch Kosten im Marketing eingespart werden», sagt er. Habe man früher für Herren-Globus, Schild und Globus einzeln Werbung ­gemacht, könne man ­diese Aktivitäten nun bündeln.

Bleiben die Schild-Kunden?

Die grosse Herausforderung für die Globus-Spitze wird es sein, die Schild-Kunden bei der Stange zu halten. Schild war image­mässig und preislich in einem ­tieferen Segment angesiedelt als Globus. Für Krohmer ist klar: «Ein Teil der Schild-Kunden wird wahrscheinlich abwandern, das ist wohl unvermeidlich.

Generell tun sich Anbieter im mittleren Segment schwer – gegen Premium und gegen das Niedrigpreissegment.» Die Strategie und die Chance der Migros lägen darin, mit dem verstärkten Fokus auf das Premiumsegment neue ­Kunden von Premiumwettbewerbern abzuwerben.

Um die Schild-Kunden möglichst zu behalten, versucht ­Globus, bewährte Konzepte von Schild weiterzuführen. So hat es in der Globus-Filiale in Thun ­beispielsweise eine Massschneiderei. Kunden können ein Modell eines Hemdes, einer Hose, einer Jacke oder eines Anzugs auswählen und den Stoff, die Passform, Details wie Knöpfe nach Wunsch bestellen.

Neuer Trend aus den USA

Zudem versucht der Detailhändler, auf neue Trends aufzusteigen. So gibt es in der Stadt Bern in der ehemaligen Schild-Filiale an der Spitalgasse beispielsweise eine sogenannte Athleisure-Abteilung. Dieser Trend ist benannt nach einer Wortkombination aus «athletic» und «leisure» – sprich Sport und Freizeit.

Die Ideen für die Kollektionen kommen aus dem Sportbereich und werden in die Alltagsmode übertragen. Es ist noch gar nicht so lange her, da galten Jogginghosen als ästhetische Zumutung. Aber was schert die Modeleute ihre Meinung von gestern. Die Lässigkeit des sportlichen Freizeitlooks wird mit ­etwas Eleganz gebrochen.

Die Bewegung kommt aus den USA und hängt zusammen mit dem Gesundheits- und Wellnesstrend und Sportarten wie Yoga oder Pilates. Für die schwächelnde Bekleidungsindustrie ist der Trend ein Segen: Gemäss einer Schätzung der Beratungsfirma Brean Capital konnte der Athleisure-Markt, inklusive Schuhe und Accessoires, in den USA im Jahr 2015 um rund 7 Prozent auf 35 Milliarden Dollar Umsatz wachsen.

Thomas Herbert sagt dazu: «Das Bewusstsein, gesund und sportlich zu leben, hat die Freizeitgestaltung verändert.» Auch Globus wolle diesen Trend vorantreiben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.04.2018, 08:58 Uhr

Artikel zum Thema

Aus für Schild und Herren-Globus

In der Schweiz verschwinden zwei weitere Modeketten. Die Migros gibt die Marken ihrer Tochterfirmen Schild und ­Herren-Globus auf. Den grösseren Teil der Filialen will sie als Globus-Läden weiterführen. Doch einige gehen zu. Mehr...

Berner Globus wird zum Testladen

Der Umbau des Warenhauses Globus in Bern ist abgeschlossen. Der neue Globus ist digitaler und bietet mehr Gastrofläche. Zudem ist jetzt klar, was mit der Schild- und der Herren-Globus-Filiale in der Spitalgasse geschieht. Mehr...

Globus verkleinert Kindersortiment

Das Warenhaus Globus will sich radikal erneuern. Die Migros-Tochter entrümpelt wegen sinkender Umsätze das Sortiment und bietet zum Beispiel in Bern viel weniger Spielwaren an. Mehr...

Service

Schnelle Info für zwischendurch

Lesen Sie die Nachrichten aus der Region in Echtzeit.

Kommentare

Blogs

History Reloaded Es geht um Respect, Mann!

Sweet Home Es bleibt noch eine Weile grün

Service

Auf die Lesezeichenleiste

Hier lesen Sie unsere Blogs.

Die Welt in Bildern

Dicht an dicht: Was aussieht wie die Nahaufnahme eines Blütenstandes sind tatsächlich Rasierpinsel. Sie stehen bei einem Pinselhersteller im bayerischen Bechhofen. (25. September 2018)
(Bild: Daniel Karmann/dpa) Mehr...