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Glasenberg greift bei Glencore zu drastischen Mitteln

Mit einer Kapitalerhöhung, dem Verkauf von Firmenteilen und einem Dividendenverzicht will der Rohstoffkonzern seinen Schuldenberg abtragen.

Er muss vorerst auf einen Teil seiner üppigen Dividende verzichten: Glencore-Chef Ivan Glasenberg.
Er muss vorerst auf einen Teil seiner üppigen Dividende verzichten: Glencore-Chef Ivan Glasenberg.
Tyrone Siu, Reuters

Die Sprache der Börse versteht Glencore-Chef Ivan Glasenberg am besten. So musste er zusehen, wie die Aktie des Rohstoffkonzerns binnen eines Jahres um über 60 Prozent absackte. Schliesslich trifft der Kurssturz den ehemaligen Kohlehändler auch selber, da er mit einem Anteil von 8,4 Prozent hinter der Katar Holding der zweitgrösste Aktionär ist.

Glasenberg will dem Börsendebakel seiner Firma nicht mehr länger zusehen. Er hat deshalb mehrere einschneidende Massnahmen angekündigt, darunter eine Kapitalerhöhung und einen markanten Schuldenabbau. So will Glencore neue Aktien im Wert von 2,5 Milliarden Dollar herausgeben. Das Management des Rohstoffkonzerns hat sich verpflichtet, rund ein Fünftel davon zu übernehmen. Zudem ist ein Verkauf von Unternehmensteilen im Wert von weiteren 2 Milliarden Dollar geplant.

Dividende von Glasenberg sinkt um 132 Millionen

Schmerzhaft ist die Ankündigung, die Dividende zu streichen. Während Glencore an der Ausschüttung für die erste Jahreshälfte festhält, fällt sie für das zweite Halbjahr weg. Geplant ist, auch die Dividende für die ersten sechs Monate im kommenden Jahr zu streichen. Die Massnahme trifft vor allem auch Glasenberg selber.

Sein im Vergleich zu anderen Topmanagern geringer Lohn von 1,5 Millionen Dollar wird durch die enormen Dividendenzahlungen kompensiert, die er dank seiner Beteiligung erhält. Allein für das Jahr 2014 belief sich die Summe auf 198,3 Millionen Dollar. Dennoch muss Glasenberg auch in diesem Jahr nicht darben, da ja die Dividende für das erste Halbjahr ausbezahlt wird. Für ihn bedeutet das eine Auszahlung von 66 Millionen Dollar Anfang September.

Mit all diesen Massnahmen will Glencore seine Verschuldung von derzeit rund 30 Milliarden Dollar massiv reduzieren. Laut Berechnungen der «Financial Times» könnte die Zahl bis auf 20 Milliarden Dollar sinken. Die Erleichterung der Aktionäre darüber ist grösser als der Ärger über den Dividendenverzicht. Die Titel, die in London gehandelt werden, stiegen zum Börsenstart über 11 Prozent.

150-Milliarden-Fusion bleibt ein Traum

Glencore leidet unter dem Nachfrageschwund zahlreicher Rohstoffe. Dazu gehört Kupfer, das für die Firma einen wichtigen Teil des Geschäfts ausmacht. Da China als wichtigster Abnehmer zuletzt deutlich geringere Mengen des Metalls benötigte, sank der Preis auf ein Sechsjahrestief. Ähnlich ergeht es auch Kohle, einem weiteren wichtigen Rohstoff für Glencore.

Glasenberg muss sich deshalb vorerst von seinen Plänen verabschieden, den grössten Minenkonzern der Welt zu schaffen. Mit der Übernahme des australisch-britischen Kohle- und Erzkonzerns Rio Tinto wollte er einen Giganten mit einem Börsenwert von über 150 Milliarden Dollar schaffen. Trotz mehrerer Anläufe konnte Glasenberg die Chefs von Rio Tinto nicht überzeugen. Konzernchef Sam Walsh sprach von einer «kompletten Fantasie».

Den Investoren hat das Engagement in Glencore vor allem Ärger und Verluste eingebracht. Seit dem Börsengang verlor die Aktie bis auf 2014 jedes Jahr an Wert. Profitiert haben dagegen zahlreiche Glencore-Manager, die durch den Gang an die Börse Milliardäre wurden. Einziger Trost für die Anleger ist die Tatsache, dass auch deren Aktienpakete inzwischen an Wert verloren haben. So ist der Wert des Aktienpakets von Ivan Glasenberg innerhalb eines Jahres von umgerechnet knapp 6 auf 2,2 Milliarden Franken geschmolzen. Die Beteiligungen von Daniel Maté, Leiter des Zinkhandels, oder Telis Mistakidis, Chef der Kupfersparte, sind auf unter 1 Milliarde Franken gesunken.

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