Zum Hauptinhalt springen

Generalversammlung während der Corona-Krise – wie geht das?

Aktionärstreffen mit mehr als 1000 Teilnehmer fallen unter das Verbot für Grossveranstaltungen. Die Unternehmen prüfen nun verschiedene Möglichkeiten.

Die Novartis-Generalversammlung in Basel hätte mit 1189 Aktionären nicht stattfinden können. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)
Die Novartis-Generalversammlung in Basel hätte mit 1189 Aktionären nicht stattfinden können. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Das war knapp: Vergangenen Freitag verhängte der Bundesrat ein Verbot von Veranstaltungen, an denen mehr als 1000 Menschen teilnehmen, um die Ansteckungsrisiken mit dem Coronavirus zu senken. Und just an diesem Tag hielt der Pharmakonzern Novartis seine Generalversammlung (GV) ab – zu der 1189 Aktionärinnen und Aktionäre gekommen waren.

Das Verbot von Grossveranstaltungen gilt zunächst bis zum 15. März, doch würde es niemanden überraschen, wenn diese Vorsichtsmassnahme verlängert würde. Die Corona-Krise bringt damit Aktiengesellschaften in der nun laufenden General­versammlungssaison in die Bredouille. Sind sind gesetzlich verpflichtet, die Aktionärstreffen zu organisieren. Wie können aber Aktionäre abstimmen und Voten abgeben, ohne sich der Gefahr einer Ansteckung auszusetzen?

Aktionäre sollten ihre Stimme elektronisch abgeben, empfiehlt Roche.

Die Generalversammlung des Pharmariesen Roche ist für den 17. März terminiert. Der Konzern hält an dem Termin fest. Aber: «Aufgrund der aktuellen Situation in der Schweiz empfehlen wir Aktionärinnen und Aktionären, ihre Stimme mittels elektronischer Fernabstimmung an die unabhängige Stimmrechtsvertreterin Testaris AG zu übertragen», schreibt der Konzern auf seiner Website.

Bei Schindler (GV am 19. März), ABB (26. März) und Credit Suisse (30. April) heisst es unisono, dass man bis dato ebenfalls an den GV-Terminen festhalte. «Wir prüfen gegenwärtig, ob und, wenn ja, inwieweit diese Massnahmen möglicherweise Auswirkungen auf unsere General­versammlung am 26. März 2020 haben», teilte ABB mit.

Generalversammlungen könnten aufgeteilt werden

Die Verunsicherung ist gross. ­Daher hat die Wirtschaftsjuristin Ines Pöschel von der Kanzlei Kellerhals Carrard gemeinsam mit der Kommunikationsberatung Dynamics Group an ihre Klienten einen Leitfaden für die GV-Saison verschickt, der dieser Zeitung vorliegt.

Bei einer GV, bei der mehr als 1000 Teilnehmer zu erwarten sind, ist der Bund zu kontaktieren. «Eventuell ist eine Aufteilung der GV auf verschiedene Räume/Orte zu prüfen», empfiehlt ­Pöschel, die selbst Verwaltungsrätin bei Implenia, Alcon und der Graubündner Kantonalbank ist. In diesem Szenario muss eine ­Gesellschaft sicherstellen, dass die GV in allen Räumen simultan übertragen wird und in jedem Raum Stimmzähler anwesend sind und die elektronische Stimmabgabe funktioniert.

Kommen erwartungsgemäss weniger als 1000 Menschen, so ist der jeweilige Kanton für die ­Bewilligung zuständig. «Einladungen zu GV mit normalerweise weniger als 1000 Teilnehmern können nach unserem Ermessens derzeit in Abhängigkeit von den Haltungen der kantonalen Regierungen wie geplant versendet werden», heisst es weiter.

Teilnahme auf eigenes Risiko

In jedem Fall empfiehlt die Wirtschaftsjuristin, die Aktionäre mit einem zusätzlichen Anschreiben über die Risiken im Zusammenhang mit dem Coronavirus zu informieren. Das Musterschreiben enthält den Hinweis, dass «die Teilnahme an der GV auf eigenes Risiko erfolgt». Wer sich krank fühle oder Angst vor einer ­Ansteckung habe, sollte seine Stimme über eine Vollmacht an den unabhängigen Stimmrechtsvertreter delegieren. So, wie es auch Roche seinen Aktionären empfiehlt.

Wer plant, an eine General­versammlung zu kommen, sollte wissen: Aktionäre können grundsätzlich nicht an der Teilnahme gehindert werden – auch nicht solche, die krank sein könnten. «Sollte ein Aktionär ­offensichtlich krank sein, könnte allenfalls das Tragen eines Mundschutzes verordnet oder vor Ort um eine Vollmacht gebeten werden», schreibt Pöschel in ihrem Leitfaden.

Rein virtuelle Generalversammlungen, die komplett im Internet ohne physisches Treffen abgehalten werden, sind in der Schweiz bis jetzt nicht erlaubt. Doch niemand muss zum Treffen fahren, um seine Rechte wahrzunehmen. Die Stimmabgabe kann an den Stimmrechts­delegierten bis kurz vor Beginn der GV übertragen werden. «Es gibt zudem diverse technische Lösungen, dass Aktionäre auch während der GV elektronisch von aussen Anträge und Voten einbringen können», schreibt ­Pöschel. So könnte der Stimmrechtsvertreter auch Anträge und Voten für einzelne Aktionäre einbringen.

Wenn Aktiengesellschaften noch keine Einladungen versandt haben, können sie den ­angesetzten Termin für ihre GV auch verschieben.

Und selbst an die beliebten «Bhalties» – also kleine Geschenke für die anwesenden Aktionäre – hat Pöschel in ihrem Leitfaden gedacht. Diese könnten auch den Aktionären nach Hause geschickt werden, schreibt Pöschel.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch