Gegenangriff der SBB auf die S-Bahn Bern

Weil die BLS in den Fernverkehr einsteigen will, drohen die SBB, sich um die S-Bahn Bern zu bewerben.

Bewerben sich die SBB bald um Linien der S-Bahn Bern?

Bewerben sich die SBB bald um Linien der S-Bahn Bern?

(Bild: Raphael Moser)

Julian Witschi

Toni Häne kämpft für SBB-Chef Andreas Meyer wieder mal mit harten Bandagen. Im Schlagabtausch mit der BLS um das Monopol im Fernverkehr warnt er davor, die SBB könnten sich für die S-Bahn Bern bewerben.

Bereits letzten Sommer hatte Häne versucht, die BLS von einem Gesuch für Fernverkehrslinien abzubringen. Wenn die BLS verzichte, könne sie drei Regioexpress-Linien im Auftrag der SBB fahren und die SBB-Werkstatt in Biel mitnutzen, statt selber die umstrittene Werkstätte im Westen von Bern zu bauen.

Das setzte die BLS unter Druck, doch sie beharrte auf den Einstieg im Fernverkehr. Die SBB-Werkstätte in Biel sei zu klein und zu schlecht erreichbar für die BLS, befand später auch die zuständige Begleitgruppe.

Kein Kompromiss

Doch Hänes Manöver war offenbar ganz im Sinne des SBB-Chefs. Meyer beförderte den 62-Jährigen zum Leiter des Personenverkehrs nach dem Abgang von Jeannine Pilloud. Ein Kompromiss mit der BLS kam nicht zustande.

Meyer und Häne zeigten sich kampfbereit, als das Bundesamt für Verkehr die Vergabe von zwei Fernverkehrslinien und Markteinstiegshilfen für die BLS ankündigte. Bleibt es dabei, werden sie Beschwerde einlegen.

Angesprochen auf die Ende 2020 zu erneuernden Konzessionen für die S-Bahn Bern, brachte Meyer vor den Medien wieder Häne in Stellung: «Toni, ihr beschäftigt euch ja schon mit dieser Frage.»

Tatsächlich sieht Häne die SBB wegen des Angriffs der BLS nicht mehr an eine Abmachung aus dem Jahr 2001 gebunden. Damals hatten BLS-Chef Mathias Tromp und SBB-Chef Benedikt Weibel vereinbart, dass die BLS 2004 ihre Fernverkehrslinien gegen die S-Bahn-Linien der SBB im Raum Bern eintauscht.

Neue Spielregeln

«Wir halten uns an diese Abmachung, bis jetzt», sagte Häne Anfang Mai. Wenn sich nun die Spielregeln änderten, wollten die SBB ihre Kompetenz für Ausschreibungen ausbauen. Etwa bei der S-Bahn Bern: «Da werden wir sicher überlegen, ob wir etwas machen», sagte Häne.

Der Kanton Bern beabsichtigt aber nicht, Bahnlinien auszuschreiben. «So ist auch keine Ausschreibung der S-Bahn Bern geplant», hält Christian Aebi, Co-Leiter des kantonalen Amts für öffentlichen Verkehr und Verkehrskoordination, fest.

Die Chancen sind also gut, dass der Betrieb der S-Bahn Bern wiederum bei der BLS bestellt wird. Zudem bleibt es ein weniger lukratives Geschäft als der Fernverkehr, wo Gewinne erlaubt sind. Im Regionalverkehr deckt die öffentliche Hand lediglich die Kosten.

Berner Zeitung

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