Die Turbulenzen werden noch heftiger

Die Krise im Belpmoss verschärft sich. Nachdem der Hauptkunde Skywork in Konkurs gegangen ist, schmeisst der Flughafenchef Mathias Gantenbein den Bettel hin.

Nach der Skywork-Pleite ein weiterer Schlag für den Flughafen Bern: Unternehmenschef Mathias Gantenbein macht den Abflug.

Nach der Skywork-Pleite ein weiterer Schlag für den Flughafen Bern: Unternehmenschef Mathias Gantenbein macht den Abflug. Bild: Adrian Moser

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ausgerechnet jetzt verliert der Flughafen Bern den Chef. Ma­thias Gantenbein kündigt zwei Monate nach der Konkurseröffnung über die Berner Airline Skywork seinen Abgang an. Dabei steckt das Unternehmen in der Krise, mit dem wichtigsten Kunden ist ein Drittel der Einnahmen weggefallen. Die Flughafen Bern AG hat bereits rund 10 von 86 Stellen gestrichen und Ausbaupläne in die Schublade gelegt. Und es ist fraglich, ob eine neue Airline ins Belpmoos kommt und ganzjährige Linienflüge anbieten wird.

Das Grounding von Skywork und die Sistierung der Investitionspläne hätten auf seinen Entscheid «keinen Einfluss» gehabt, sagt Gantenbein zu dieser Zeitung. Er verlasse den Flug­hafen auf eigenen Wunsch, weil ihm das Reinigungs- und Unterhaltsunternehmen ISS eine anspruchsvolle Führungsaufgabe angeboten habe. Nämlich die Leitung der Regionen Espace Mittelland, Nordwestschweiz, Zentralschweiz und Tessin. Gantenbein wird damit von Bern aus ein Geschäft mit rund 4400 Mitarbeitenden und 155 Millionen Franken Umsatz führen.

Hat er kein schlechtes Gewissen, dem schlingernden Flug­hafen den Rücken zu kehren? «Ich habe diese Chance nicht gesucht, sie hat mich gefunden», sagt Gantenbein. Er betont, dass er bis Mitte Februar noch über drei Monate im Amt sei und sich weiterhin voll eingeben werde. Der Flughafen verfüge zudem über eine erfahrene Führungscrew und einen unterstützenden Verwaltungsrat, welche die Lücke für eine mögliche Übergangszeit schliessen könnten. Die Nachfolgersuche läuft. Adinterim leitet der stellvertretende Direktor Martin Leibundgut das Unternehmen.

«Keinen Wechsel gewollt»

Verwaltungsratspräsident Beat Brechbühl bedauert den Abgang von Gantenbein. Er könne den Entscheid zwar nachvollziehen, für den Flughafen komme dieser aber «zur falschen Zeit». Brechbühl betont, er habe den Wechsel des Flughafenchefs nicht gewollt: «Ich habe ihn vor gut drei Jahren geholt, und ich bin überzeugt von ihm.» Gantenbein sei aviatisch, kommunikativ und unternehmerisch beschlagen, lobte ihn Brechbühl damals. Kritiker bemängelten dagegen, dass Gantenbein erst noch beweisen müsse, dass er der Aufgabe gewachsen sei. Als er Flughafenchef wurde, war er 37 Jahre alt.

«Für den Flughafen Bern kommt der Abgang des Chefs zur falschen Zeit.»Beat Brechbühl?
Verwaltungsratspräsident

Drei Jahre später macht Gantenbein einen Schnitt. Mit der Avitatik war er bisher privat und beruflich stets verbunden: Er machte das Flugbrevet, heuerte während des Wirtschaftsstudiums in Bern bei der Air Engiadina an, dann stand er acht Jahre bei der Credit Suisse unter Vertrag, wo er sich mit Flugzeugfinanzierungen beschäftigte. Beim Bundesamt für Zivilluftfahrt leitete er für zwei Jahre die Spezialfinanzierung Luftverkehr, und ab 2013 führte er die Bundesreisezentrale. Die Doktorarbeit schrieb Gantenbein zur volkswirtschaftlichen Bedeutung des Flughafens Bern.

Sympathisanten betonen, wie wichtig der Airport sei. Die Wertschöpfung liege im dreistelligen Millionenbereich. Auch für Regierungsrat Christoph Ammann (SP) ist der wirtschaftliche Nutzen unbestritten. Das sagte er zur Begründung für die öffentlichen Gelder an den inzwischen sistierten Ausbau.

Gegen Linienflüge

Doch im rot-grünen Lager gibt es viele erbitterte Gegner des Berner Flughafens. Die SP der Stadt Bern «lehnt neue Linien- und Charterangebote entschieden ab». Das teilte die Stadt­partei gestern mit, just wenige Minuten vor Bekanntgabe des Abgangs von Gantenbein. Für die Genossen sollte der Regionalflugplatz gestärkt werden zur Nutzung als Rettungsbasis sowie für die zivile Nutzung durch den Bund. Denn im Gegensatz zu den oft prekären Anstellungsbedingungen im unsicheren und kurzlebigen Airline-Geschäft böten diese Geschäftsfelder eine langfristige Perspektive zu anständigen Konditionen.

Der Flughafen selber hat sich bis Ende Jahr Zeit gegeben, um nach der Skywork-Pleite Ersatz-Airlines für Linien- oder Charterdestinationen zu gewinnen. «Wir sind weiterhin daran», sagt Brechbühl, «aber es gibt noch keine Lösung.» Zu den Forderungen der SP Stadt Bern sagt Brechbühl, er erwarte nun auch einen Vorschlag, wie die Partei die Infrastruktur für das verbleibende Angebot am Flughafen finanzieren wolle. «Es freut mich, wenn die SP offenbar die Geschäfts­fliegerei anerkennt und bereit ist zu Investitionen.» Brechbühl zeigt sich weiterhin überzeugt, dass der Flughafen Bern als Nischenanbieter eine Zukunft habe. Künftig gebe es wegen der steigenden Nachfrage zu wenig Flugplätze in der Schweiz, nicht zu viele. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.11.2018, 21:26 Uhr

Artikel zum Thema

Flughafen-CEO: «Der heutige Tag ist schmerzlich»

Das Skywork-Grounding ist für den Flughafen Bern ein herber Verlust. CEO Mathias Gantenbein äussert sich zum künftigen Flugbetrieb und erklärt, warum Easyjet-Flüge ab Belp eher unrealistisch sind. Mehr...

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Kommentare

Die Welt in Bildern

Ein regelrechtes Inferno: Funken schiessen durch die kalifornische Kleinstadt Paradise. Im US-Bundesstaat wüten derzeit mehrere Waldbrände, die nur schwer unter Kontrolle zu bringen sind. (9. November 2018)
(Bild: Noah Berger/AP) Mehr...