«Fernbusse wird man nicht verhindern können»

SBB-Chef Andreas Meyer sieht die Bahn unter starkem Zugzwang, ­damit sie nicht von Konkurrenten verdrängt wird.

Für Andreas Meyer steht fest, dass die SBB nicht ins Fernbus-Geschäft einsteigen wollen.

Für Andreas Meyer steht fest, dass die SBB nicht ins Fernbus-Geschäft einsteigen wollen. Bild: Keystone

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Herr Meyer, die BLS und die Südostbahn wollen den SBB Fernverkehrsstrecken abjagen. Halten Sie am Monopol fest, oder sind die SBB bereit, Linien abzugeben?
Andreas Meyer: Die SBB sind das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz. Bei ­allen Diskussionen muss man sich schon sehr gut überlegen, ob es sinnvoll ist, dieses Rückgrat zu zerstückeln. Es laufen im Moment Gespräche mit dem Bund und anderen Interessenten über die Neuvergabe der Fernverkehrskonzessionen auf Anfang 2018. Es ist nicht so ohne weiteres möglich, Züge von anderen zu übernehmen, Personal in andere Uniformen zu stecken. Es gibt Tausende Details zu beachten wie Dienst­lokale oder Ersatzzüge.

Vor gut zwölf Jahren haben die SBB doch den Fernverkehr der BLS übernommen. Sie fürchten nun einfach die Konkurrenz und den Preisdruck?
Was ich bisher an Alternativvorschlägen gesehen habe, deutet darauf hin, dass die Kosten für das gesamte Bahnsystem eher steigen würden. Dabei kämpfen wir bereits hart dafür, uns auf den stärkeren Wettbewerb mit anderen Verkehrsträgern vorzubereiten.

Sie rechnen also damit, dass bald Fernbusse innerhalb der Schweiz werden fahren dürfen?
Dort, wo Fernbusse oder auch selbstfahrende Autos den Reisenden einen hohen Nutzen bringen, wird man sie nicht ­verhindern können. Man muss aber abklären, was dies für ­Folgen hat. Zum Beispiel, ob bereits schlecht ausgelastete Bahnstrecken Passagiere verlieren würden. Diese Analyse hat bis heute niemand gemacht. Ferner stört mich, dass wir nicht gleich lange Spiesse haben: Dazu gehören anständige Löhne und ein guter sozialer Schutz auch für das Personal von Fernbussen.

Ist es denkbar, dass die SBB selber ins Geschäft mit Fernbussen einsteigen, wie dies etwa die Deutsche Bahn getan hat?
Nein, das wäre nicht sinnvoll. Wir konzentrieren uns auf unsere Stärken der Eisenbahn: Grosse Beförderungskapazität auf kleinen Flächen in Ballungszentren und hohe Effizienz, also schnell und zuverlässig ohne Staus unterwegs.

Der neue Doppelstockzug hat mehrere Jahre Verspätung. Kommt er nun wie versprochen ab Ende Jahr in den Fahrplaneinsatz?
Der Lieferant Bombardier verspricht pünktlich zu liefern; wir halten eine Zulassung per Sommer für anspruchsvoll, wollen den Lieferanten aber keineswegs bremsen. Wir werden den Zug erst einsetzen, wenn er ­ohne Kinderkrankheiten einsetzbar ist. Es wird keine Experimente mit den Kunden geben.

Sie haben viel über die Zukunft der SBB gesprochen. Wie sehen Sie Ihre eigene Zukunft? Schliesslich sind Sie im Gespräch als neuer Chef der Deutschen Bahn (DB).
Ich bin überhaupt nicht in Gesprächen, ich wurde nicht einmal angefragt. Hören wir auf zu spekulieren. Sie haben gesehen, bei den SBB gibt es viel zu tun. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.02.2017, 20:45 Uhr

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