Es braucht eine Aufspaltung der BKW

Der Kommentar von Stefan Schnyder, Leiter des Ressorts Wirtschaft, zur Einkaufstour der BKW.

Die BKW im Kaufrausch: In den letzten Jahren übernahm das Berner Energieunternehmen zahlreiche Firmen.

Die BKW im Kaufrausch: In den letzten Jahren übernahm das Berner Energieunternehmen zahlreiche Firmen.

(Bild: Keystone)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Die BKW-Chefin Suzanne Thoma scheint sich ­immer mehr in einen Kaufrausch hineinzusteigern. In hoher Kadenz kauft sie Firmen. Die Mitarbeiterzahl stieg in den letzten fünf Jahren von 3000 auf 5000. Mit Vorliebe sind es Ingenieurfirmen oder Unternehmen im Bereich Haustechnik.

Nun gehört auch das Ingenieurunternehmen des Berner BDP-Nationalrats Hans Grunder neu zum BKW-Imperium. Der neuste Deal wirft auch eine politische Frage auf: Firmengründer Grunder und BKW-Präsident Urs Gasche sind Partei- und Nationalratskollegen. Zwar betont die BKW, dass Gasche nicht in das Geschäft involviert gewesen sei. Doch einen schalen Nachgeschmack hat der Kauf allemal.

Die Einkaufstour der BKW wirft aber auch ganz grundsätzliche Fragen auf: Gegen die neue Strategie der BKW, sich verstärkt als Dienstleisterin im Bereich der erneuerbaren Energien zu positionieren, ist nichts einzuwenden.

Doch immer mehr scheint es, als wolle sich die BKW zu einer Art europaweit tätigem Super-Ingenieurunternehmen entwickeln. Das zeigt der jüngste Zukauf deutlich: Die Grunder AG ist ein Vermessungsunternehmen und hat mit dem Thema Energie wenig zu tun. Es geht der BKW längst nicht mehr nur darum, Hausbesitzern im Kanton oder in der Schweiz einen Rundumservice im Energie­bereich anzubieten.

Es ist nachvollziehbar, wenn der Berner Gewerbeverband sich nun zu Wort meldet. Er sieht die Gefahr einer Wettbewerbsverzerrung. Denn das Risiko lässt sich nicht von der Hand weisen, dass es innerhalb der BKW zu Quersubventionierungen kommt.

Zudem ärgern sich die privaten Ingenieurfirmen nicht zu Unrecht darüber, dass die BKW das Geld für die Zukäufe nicht in der Ingenieurbranche verdienen musste, sondern dank ihrer geschützten Position auf dem Strommarkt erwirtschaften konnte.

Die fiebrige Einkaufstour führt dazu, dass eine Diskussion über eine Aufspaltung der BKW ­ dringend wird. Die Kern-BKW könnte wie bisher zu 52,5 Prozent im Besitz des Kantons ­bleiben und die Geschäftsfelder Netze und die Produktions­anlagen umfassen. Dies ist sinnvoll, weil es sich bei den Verteilnetzen und den Produktionsanlagen an der Grimsel und entlang der Aare um Monopole ­handelt.

Die Bereiche Haustechnik und Ingenieurdienstleistungen ­dagegen müsste die BKW abspalten und als selbstständiges Unternehmen zu 100 Prozent an die Börse bringen oder an Investoren verkaufen.

Denn es ist nicht die Aufgabe des Kantons, ein europaweit tätiges Ingenieurunternehmen zur Hälfte zu besitzen. Der Regierungsrat sowie der Grosse Rat sind gefordert, diese Frage dringend an die Hand zu nehmen.

Berner Zeitung

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